Schwimmbad als Standortvorteil?

Hallenbad-Sanierung: Disput zwischen SPD/ALMA und CDU

Münster - Die Sanierung des Hallenbades hat das Potenzial für einen veritablen Streit zwischen SPD/ALMA und der oppositionellen CDU. Nachdem die Union in Abrede stellte, dass ein Sanierungsstau auf Unionsversäumnisse zurückzuführen sei, kartet nun die SPD nochmals nach.

„Manchmal wäre es gut, wenn ein Fraktionsvorsitzender, der erst seit kurzer Zeit in der Münsterer Kommunalpolitik tätig ist, sich über einen Sachverhalt informiert, bevor er andere beschuldigt und verunglimpft,“ kommentiert SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd Fritsch die kürzlich veröffentlichte Pressemitteilung des CDU-Fraktionsvorsitzenden zum Thema Hallenbad. Die SPD Münster und Bürgermeister Gerald Frank hätten sich immer zum Hallenbad bekannt. Auch wenn es immer ein Zuschussbetrieb bleiben werde, sei es für die Gemeinde ein erheblicher Standortvorteil gegenüber anderen Gemeinden und erforderlich zum Aufrechterhalten der Sozialfunktion für Schulen, Vereine und der Bevölkerung. Das Hallenbad müsse in der Verantwortung der Gemeinde bleiben.

Fritsch erklärt: „Als 2011 der CDU-geführte Gemeindevorstand die Verpachtung von Sauna, Bistro und Solarienfläche sowie die Überlassung des Hallenbades Münster an einen privaten Betreiber plante, wurde auf Initiative der SPD-Fraktion ein Optimierungskonzept inklusive Betriebsanalyse bei der renommierten Unternehmensberatung Altenburg in Auftrag gegeben.“ In deren Bericht, die europaweit über 1 200 Projekte erfolgreich realisiert habe und Marktführer als Betreiber klassischer kommunaler Sportbäder sei, heiße es zum Thema Gastronomie: „Insgesamt nimmt der gastronomische Bereich eine sehr große Fläche ein, die im Verhältnis zum Bad- und Saunaangebot völlig überdimensioniert ist. Insgesamt ist dies eine Fehlkonzeption.“

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Die Sauna werde zwar als ansprechend gestaltet bewertet, aber aufgrund der Lage im Keller und der fehlenden Aufenthaltsmöglichkeiten als nicht zukunftsfähig beurteilt. In der Vorstellung der Studie bezeichnete die Firma Altenburg die in Münster vorgefundene Anordnung von Bistro und Whirlpool als einmalig, die es in keinem der bisher untersuchten Bäder gab. Bistro und Whirlpool passen nicht zusammen.

Bei der Beschlussfassung über das Betriebskonzept und die Regieform des Hallenbades in der Gemeindevertretersitzung vom Januar 2012 heißt es im Protokoll, die CDU-Fraktion werde der Umsetzung des neuen Betriebskonzeptes der Firma Altenburg zustimmen. Gleichzeitig sei eingeräumt worden, dass die CDU-Fraktion mit ihren damaligen Entscheidungen wirtschaftlich daneben gelegen und sie aus ihren Fehlentscheidungen gelernt habe.

„Auch das angebliche Geheimnis, wie sich die rund 1,5 Millionen Euro für die Sanierung des Hallenbades zusammensetzen, könnte der Fraktionsvorsitzende der Opposition lüften, wenn er die Protokolle, die Mitteilungen des Bürgermeisters und die in den letzten Monaten vorgelegten Gutachten zum Hallenbad lesen würde,“ stellt Fritsch fest.

Kommunen ächzen unter drastisch gestiegenen Sozialausgaben

Der Mangel in der Filteranlage, der laut CDU-Pressemitteilung erst jetzt durch ein Gutachten bekannt geworden sei, sei bereits seit 2007 festgestellt. Fritsch zitiert aus dem Protokoll der Bauausschusssitzung vom 4. November 2015: „Mit der Sanierung 2007 bis 2008 wurden die Attraktionen Whirlpool und Babybecken neu angeschafft und diese an die bestehende Filteranlage des Lehrschwimmbeckens angeschlossen. Seitens des Gesundheitsamtes wurde diese Vorgehensweise mit Auflagen toleriert, jedoch darauf hingewiesen, dass hier Modernisierungsbedarf besteht.“ Die Auflagen seien unter anderem, dass zusätzliches Frischwasser (Trinkwasser) zugeführt werden müsse, und zwar rund 90 Liter je Badegast, das seien jährlich etwa 8 100 Kubikmeter Trinkwasser.

„Es ist schade, dass wir uns in der neugewählten Gemeindevertretung oft mit Formalien und Formulierungen in Protokollen beschäftigen, anstatt über konkrete Sachthemen zu diskutieren. Auch die Vorgehensweise der Opposition, mit Mehrheit gefasste Beschlüsse der Gemeindevertretung durch Anträge aufzuheben oder ins Gegenteil zu verkehren, bringt Münster nicht weiter“, drückt Fritsch sein Bedauern über die aktuelle Situation aus. (tm)

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Quelle: op-online.de

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