Hallennutzung kommt teuer

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Eingerüstet ist die nicht nur Münsters Politikern so teure Kulturhalle. Das Dach soll endlich dicht gemacht werden.

Münster - Eineinhalb Stunden intensiver Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss sollten ohne Ergebnis, selbst ohne Empfehlung bleiben. Von Thomas Meier

Die Einführung einer Nutzungs- und Gebührenordnung für die Kulturhalle und einer weiteren für alle Gemeindehallen bereitet den Kommunalpolitikern arge Kopfschmerzen. Jetzt wurde das Doppelprojekt, eigentlich für die Beschlussfassung kommenden Montag im Gemeindeparlament vorgesehen, erst einmal von der Tagesordnung abgesetzt. Die Haushaltskasse Münsters ist seit Jahren klamm, der Regierungspräsident mahnt Einsparungen an. An kaum mehr finanzierbare Förderungen gilt es, den Rotstift anzusetzen. Bereits seit Beratung des ersten Haushaltssicherungskonzeptes steht die Vermarktung der Kulturhalle und somit die Gebührenordnung auf dem Arbeitszettel der Verwaltung. Seit drei Jahren wird intensiv im Rathaus beraten und diskutiert. Vergleiche mit kommunalen Hallen in der Umgebung wurden gezogen, eine Umfrage im Ort veranlasst.

„Einführung der Neuordnung dringend nötig“

Alle Fraktionen in Münster sind sich bewusst, dass die von der Verwaltung auf ihre Anregung hin erarbeitete Nutzungs- und Gebührenordnung einen Einschnitt für die ortsansässigen Vereine bedeutet. Doch die Reduzierung von ausufernden Hallenkosten ist nur mit tiefen Einschnitten möglich. Thilo Becker von der Verwaltung zeigte im Ausschuss die Untersuchungsergebnisse auf.

Der Anteil der Nutzung an der Kulturhalle durch die Vereine betrug 2010 rund 91 Prozent. Teilt man die Kosten auf, bedeutet dies für das Jahr 2010 eine Vereinsförderung von rund 160 .000 Euro. Eine Wochenendveranstaltung der Vereine wurde somit mit etwa 1 500 Euro gefördert.

Die Kosten, die für die Gemeinde für die Nutzung aller Hallen und Räumlichkeiten prozentual jährlich entstehen, belaufen sich gar auf 367 475,05 Euro. Dem stehen Mieteinnahmen für gemeindeeigene Räumlichkeiten von 28 699,40 Euro entgegen.

„Diese Auswertung sowie die ungeschriebene Tatsache, dass die Vereine bei den jährlichen Vereinsvertretersitzungen Vorrang bei der Belegung der Kulturhalle haben, machen die Einführung dieser Neuordnung dringend erforderlich und legen die Grundlage für eine Vermarktung und ein Kulturhallenmanagement“, heißt es aus der Verwaltung.

Zu wenig von „Externen“ genutzt

Und die Satzung soll erst ab 1. Januar 2014 gültig werden, zur „Planungssicherheit der Vereine“, wie es heißt. Ausreichend Vorlauf soll ihnen gegeben werden, sich darauf einzustellen. Und es sichert die von ihnen bereits für 2013 geplanten Termine. Schließlich sind bislang durch örtliche Vereine bereits 28 Wochenenden mit Veranstaltungen in der Kulturhalle fest gebucht.

Nur zu neun Prozent wird die Gute Stube Münsters durch Externe genutzt. Viel zu wenig, denn gerade werbliche Veranstalter bringen das Geld. Doch weil sie langfristig planen müssen, den Vereinen aber kurzfristig Termine zugesagt werden, sind viele externe Veranstaltungen nicht möglich.

Die Akzeptanz der Kulturhalle für eine bessere Vermarktung zu erhöhen, ist Ziel der Gemeinde. Eine Umfrage ergab, dass dazu das Angebot an Veranstaltungen fürs junge Publikum verbessert und erhöht werden müsse. Immer wieder werde das Gleiche von denselben Vereinen geboten, lautet eine Kritik.

Für die CDU erklärte Martin Peußer, die Union könne dem Verwaltungsentwurf nicht zustimmen. Es entstehe eine deutliche Mehrbelastung der Münsterer Vereine, bei einzelnen wäre dies sogar existenzbedrohlich. Als Konsequenz müssten diese Vereine ihren Sportbetrieb und Übungsstunden reduzieren oder gar einstellen. Oder über massive Beitragserhöhungen das Geld von den Vereinsmitgliedern wieder hereinholen.

„Immense Beträge versteckter Vereinsförderung“

„Niemand will Vereinsförderung kürzen“, sagte Gerhard Bonifer-Dörr für die Alternative Liste Münster und Altheim (ALMA). Man müsse nochmals beraten, aber eben auch über die Summen sprechen, die im Planwerk stünden, auch wenn diese der Union nicht schmeckten.

Und Klaus Bulang erklärte für die SPD, es handele sich bei der derzeitigen Hallenbetreibung um immense Beträge versteckter Vereinsförderung, die in Zeiten leerer Kassen eben auch auf den Tisch müssten. Schließlich seien es Steuergelder, die hier für Vereinsmitglieder ausgegeben würden. Und nicht jeder Steuerzahler sei auch vereinsgebunden.

Nach einer Beratungsauszeit verständigten sich die Gemeindevertreter darüber, am 27. September zur Vereinsvertretersitzung mit den Betroffenen übers brisante Thema zu sprechen. Zudem werden die Vereinsvorsitzenden zu einer gesonderten Sitzung eingeladen.

Quelle: op-online.de

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