Abriss und Neubau oder Sanierung?

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Mittlerweile wurden vor den Türen Ablaufgitter angebracht, doch die Schäden in den Eingangsbereichen sind offensichtlich.

Münster - Erst vor 16 Jahren wurde es eingeweiht, nun steht es vor der Totalsanierung oder gar dem Abriss: das Haus der Kinder in Münster. Von Jasmin Frank

Risse im Mauerwerk und Feuchtigkeit im Gebäude sind die Hauptmängel, die nicht nur offensichtlich ins Auge fallen, sondern auch auf der Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses bei der Schadensanalyse des Architekturbüros Happel aufgeführt wurden.

„Die Spalten im Mauerwerk sind auf mehrere Ursachen zurückzuführen, so haben wir Senkungsrisse, Risse wegen der Bauphase in der Winterperiode und welche wegen fehlender konstruktiver Bedingungen vorliegen“, führte Rudolf Happel aus. Die Mauerspalten wurden in einer ersten Sanierungsmaßnahme im Jahr 2006 vom Münsterer Architekten Matthias Maurer, der das Gebäude auch geplant und die Bauleitung geführt hatte, abgedeckt.

Schäden seien nicht behoben worden

Doch der aktuelle Bericht zeigt auf, dass diese Maßnahme nur optischer Natur gewesen sei. Die eigentlichen Schäden seien nicht behoben worden. Darüber hinaus sei auf Risse, die durch fehlende Bauteile entstanden seien, gar nicht eingegangen worden.

Auch die Gebäudeaußenabdichtung wurde beim Bau offenbar mangelhaft ausgeführt. So wurden erst in diesem Sommer die Sockelbereiche des Gebäudes gegen eindringende Feuchtigkeit isoliert und vor den Eingangstüren Entwässerungsrinnen in den Pflasterbelag eingebaut und an die Gebäudeentwässerung angeschlossen. Im Haus wurde Feuchtigkeit in und unter dem Estrich sowie in den Wänden festgestellt, die auf verschiedene Mängel zurückzuführen sind so gab es Einregenstellen durch defekte Lüfter. Zudem hatten alle im Haus befindlichen Kupferrohrleitungen Schadstellen und wurden in diesem Jahr erneuert.

„Wie kann es sein, dass Kupferrohre in nur so kurzer Zeit kaputt gehen“, wollte Edmund Galli vom Fachmann wissen, der Auskunft gab: „Letztlich kommt es auf die Verarbeitung an, gerade an den Schweißstellen. Wir verwenden nur noch Edelstahl, weil das einfach haltbarer sind.“

Hauptproblem ist die potenzielle Gesundheitsgefahr

Das Hauptproblem ist die potenzielle Gesundheitsgefahr, die für Kinder und Erzieherinnen vorhanden ist. „Es wurden Proben des Estrichs untersucht und darin Schimmel mit Pilzen und Bakterien unterschiedlichen Alters festgestellt“, so Happel. Bürgermeister Walter Blank wies darauf hin, dass von Anfang an das Gesundheitsamt einbezogen worden und durch Abdichtungsmaßnahmen derzeit keine Gefährdung vorhanden sei, doch die Entwarnung sei nur vorübergehend, eine Ersatzunterbringung der Kinder sei dringlich, ebenso die Sanierung oder der Neubau des Einrichtung.

Die Entscheidung darüber, welche Variante gewählt wird, liegt in den Händen der Gemeindevertretung, die das Ausmaß der Schäden staunend aufnahm. Sogar alle Holzfenster und sichtbaren Holzkonstruktionen sind schadhaft, teils durch mangelnde Wiederholungsanstriche, teils durch Baufehler. So gehen Bauteile von innen nach außen durch und bilden so eine Wärmebrücke, die schnell angreifbar ist. „Brauchen wir den Kindergarten denn überhaupt noch, können wir ihn nicht einfach weglassen?“, wollte Boris Rudolph wissen. Doch Verwaltungschef Blank wies darauf hin, dass laut Prognosen Münster im Gegensatz zu anderen hessischen Gemeinden stetig weiter wachse.

Pläne des Architekten

Mit Spannung erwarteten die Bauausschussmitglieder deshalb die Pläne des Architekten. Happel führte aus, eine Kombination aus Sanierung und energetischer Ertüchtigung anzustreben, die aber teilweise ineinander greife: „Bei der Errichtung wurde eine Mischbauweise mit drei verschiedenen Steinarten vorgenommen, was bei Erwärmung natürlich zu unterschiedlicher Ausdehnung führt und Risse hervorrufen kann. Deshalb würde ein etwa 16 Zentimeter starkes Wärmedämmverbundssystem nicht nur Energie einsparen, sondern auch die Aufheizung der unterschiedlichen Materialien verhindern.“ Die Kosten für eine Komplettsanierung würden sich demnach auf 1,4 Millionen Euro belaufen, für einen Neubau wären etwa zwei Millionen Euro fällig.

„Kann man denn rechtlich gar nichts erreichen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen“, wollte Galli wissen, doch Blank konnte nur resigniert abwinken: „Wir haben einen Fachanwalt beauftragt, der ermittelt hat, dass auf dem Gerichtsweg wohl nichts zu machen ist, denn das Ganze ist bereits verjährt.“

Entscheidung wird nicht übers Knie gebrochen

Ob nun saniert wird, oder aber ein Neubau errichtet werden soll und wo und wie dieser dann durchzuführen sei, wollte der Bauausschuss nicht übers Knie brechen: Alle Fraktionen waren sich einig, dass hier eine wohlüberlegte Entscheidung notwendig sei und eine über Parteigrenzen hinweg abgestimmte sachpolitisch sinnvolle Diskussion geführt werden müsse.

Deshalb wurde als Beschlussvorschlag für die Gemeindevertretung zunächst einmal nur der Auftrag an den Gemeindevorstand erteilt, die Containerplanung in die Wege zu leiten, denn früher oder später muss der Kindergarten ausgelagert und auf dem Gelände an der Kulturhalle untergebracht werden. „Dort kann die Küche genutzt und die Halle als zusätzlicher Bewegungsraum genutzt werden, zudem ist ein weitläufiges Außengelände vorhanden und es sind Spielplätze in der unmittelbaren Umgebung“, erläuterte Blank die Pläne ab Frühjahr 2012. Ferner werden sich die Mitglieder des Bauausschusses ausführlich mit dem Thema auseinandersetzen.

Quelle: op-online.de

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