Pro billigster Sanierung

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Die Sanierung des Hauses der Kinder darf nicht zuviel kosten, das gerade einmal 16 Jahre alte Dach erfährt somit keine energetische Erneuerung.

Münster - Das Haus der Kinder erfährt einzig die „vollumfängliche Sanierung“, die bereits im Vorfeld der Entscheidung von der CDU favorisiert und von der Opposition als Minimal-Lösung kritisiert worden ist. Von Thomas Meier

Die Union setzte sich mit ihrer Mehrheit am Montagabend gegen die Stimmen von SPD und Alternativer Liste Münster und Altheim (ALMA) damit durch. Doch wird die vom Architekturbüro vorgestellte Kostenschätzung ohne energetische Maßnahmen von rund 840.000 Euro bereits jetzt um einiges teurer. Eingerechnet werden müssen nach Mitteilung von Bürgermeister Walter Blank mindestens weitere 75.000 Euro für Auflagen, die vom Jugendamt des Kreises kommen.

Das geplante Containerdorf an der Kulturhalle, in das die rund 100 Kinder mit ihren 15 Erzieherinnen für ein halbes Jahr während der heißen Sanierungsphase umziehen müssen, fällt umfangreicher aus als gedacht. Laut Jugendamt reichten die vorgesehenen Toilettenanlagen weder für die Kinder noch für die Erzieherinnen aus. Hier muss nachgerüstet werden. Zudem sollen laut Bürgermeister weitere Container für die Sprachförderung und als Ruhe- und Rückzugsraum aufgestellt werden.

Debatte um die Art der Sanierung

Bevor es in die Debatte um die Art der Sanierung des erst 16 Jahre alten, dennoch schon lange maroden Kinderhauses ging, stellte Gerhard Bonifer-Dörr, ALMA, den Antrag auf nochmaligen Verweis in den Ausschuss. Da in der vorangegangenen Ausschusssitzung vor zwei Wochen keine Beschlussempfehlung ausgesprochen worden sei, bestehe nochmals interfraktioneller Diskussionsbedarf. Die Union signalisierte bei der Abstimmung mit ihrer Ablehnung, den Tagesordnungspunkt zum Abschluss bringen zu wollen.

Es oblag Thomas Heinz, den „intensiven Abwägungsprozess“ der Union zur Sanierung ohne zusätzliche energetische Maßnahmen am Haus der Kinder darzustellen. Laut stellvertretendem Fraktionsvorsitzenden seien das Gebäude und seine Räume sehr kindgerecht zugeschnitten. Schon deshalb sei ein Abriss völlig unangemessen.

Kostenschätzung von 840.000 Euro

Die Kostenschätzung von 840.000 Euro für die Sanierung umfasse nicht nur Maßnahmen für die Entfernung des Schimmelbefalls, sondern ebenfalls bauliche Verbesserungen an der Gebäudesubstanz. Beispielsweise betreffe die Reparatur der vorhandenen Dachdämmung und der Dampfsperre auch energetische Gesichtspunkte, zudem sei vorgesehen, eine Akustikdecke einzubauen, die ebenfalls nichts mit Feuchtigkeitsschäden zu tun habe.

Die vom Architekten vorgeschlagenen zusätzlichen energetischen Maßnahmen schlügen mit Investitionen von zusätzlich rund 650.000 Euro zu Buche. Bei einer Einsparung von Betriebskosten in Höhe von 7000 bis 10.000 Euro pro Jahr amortisiere sich diese Ausgabe (ohne Energiepreisveränderung) in 65 Jahren. Außerdem, so Heinz, sei es wenig effizient, von einem nicht mal 20 Jahre alten Gebäude das komplette Dach abzudecken und mit neuen Steinen zu versehen. Heinz sagte: „Die CDU-Fraktion will die Schäden sorgfältig sanieren lassen. Ähnlich wie das bürgerliche Gesetzbuch einen Vermieter verpflichtet, seinem Mieter den Wohnraum gebrauchsfähig zur Verfügung zu stellen, so sollen die Kinder und das Personal des Kindergartens nach Sanierung die Räumlichkeiten wieder bedenkenlos nutzen können.“

„Gesetzeskonformes“ Handeln

Mit solch „gesetzeskonformen“ Handeln wollte sich die Opposition nicht abfinden. Edmund Galli, SPD, zitierte zahlreiche Passagen von Hessens Umwelt-Ministerin Lucia Puttrich, in denen die CDU-Politikerin energetische Maßnahmen propagiert und Zuschüsse in Aussicht stellt.

Gerhard Bonifer-Dörr ging weiter - und dabei viel näher ans Thema heran. Weil CDU-Sprecher Heinz von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit sprach, fragte der ALMA-Mann, ob er der Verwaltung unterstelle, nicht so zu handeln. Von der Verwaltung und von Bürgermeister Blank sei schließlich die Variante der energetischen Sanierung über 1,41 Millionen Euro favorisiert worden. Bonifer-Dörr erinnerte, dass die Experten ausgeführt hatten, eine teilweise energetische Sanierung sei nicht möglich; alles, oder nichts. Und er legte den Finger in eine Wunde, als er nach der „politischen Verantwortung für diese Ruine“ fragte. 1998 seien bereits erste Mängelanzeigen bekannt gewesen, geschehen sei nie etwas. Und jetzt, während der Pfusch am Bau dramatisch und für alle unübersehbar werde, verabschiede sich klammheimlich ein Mitglied der Gemeindevertretung aus CDU-Reihen. Da könne man schon einen Zusammenhang sehen, schloss Bonifer-Dörr, der Applaus für seine Rede aus dem rund 25-köpfigen Publikum bekam.

Quelle: op-online.de

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