Was Haydn mit Mobilität zu tun hat

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33 Schüler des Orchesters der Aueschule sind nach Wolfsburg gefahren, um am Finale eines Wettbewerbs des Nachrichtenmagazins „Focus“ teilzunehmen. Pavlos Sampsounis (hinten links) schlüpft dabei in die Rolle des Joseph Haydn.

Münster - „Man muss bedenken, dass es für diesen Wettbewerb 1 500 Einsendungen gab. Jetzt sind nur noch 20 übrig geblieben“, erzählt Cornelia Krones und kann dabei ihre Freude nicht verbergen. Von Michael Just

Unter den letzten 20 ist die Schule Auf der Aue, die sich diese Woche mit einer 33-köpfigen Schülergruppe zum Finale nach Wolfsburg aufmacht. Doch der Reihe nach: Das Nachrichtenmagazin „Focus“ schreibt jedes Jahr einen Schülerwettbewerb aus. 2008/2009 heißt er „Mobilität – was bewegt uns morgen? Vision, Nachhaltigkeit, Verantwortung.“ Er ist in die Teilbereiche Naturwissenschaft/Forschung, Technik/Wirtschaft und Information/Kommunikation gegliedert.

Als Cornelia Krones von dem Wettbewerb hörte, war der Fachleiterin für Musik sofort klar: „Da machen wir mit.“ Eingereicht wurde eine CD und die Projektbeschreibung zum musikalischen Hörspiel „Hallo Herr Haydn“, das sich das Schulorchester zum 200. Todestag des Komponisten ausgedacht hatte. Das Besondere: Die Umsetzung erfolgte mit dem Piaristengymnasium in Wien. Den ersten Teil des Hörspiels schrieb die Aueschule, dazu übernahm sie die musikalische Realisation. Den zweiten Teil schrieben die Österreicher, die auch für die Sprechrollen verantwortlich waren.

Die erste Live-Präsentation fand am 6. März in der Wiener Yamaha-Music-Hall statt, zu der die Münsterer Schüler in die österreichische Landeshauptstadt fuhren. Von der Uraufführung schnitt der ORF sogar eine Schulfunksendung mit. Doch was hat Haydn mit Mobilität zu tun?

Cornelia Krones klärt auf und bezieht ihre Antwort dabei auf den Wettbewerbs-Teilbereich Information/Kommunikation: „Haydn war ein echter Europäer, der in seinen Kompositionen italienische, deutsche und französische Elemente verband.“ Dazu sei er sich sicher gewesen, dass seine Sprache - die Musik - die ganze Welt versteht.

Um sich Haydn weiter zu nähern hatten die Schüler angesichts der vielen weltweiten Probleme und Krisen Lebensentwürfe diskutiert: „Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass die Lebenseinstellung von Haydn eine hohe Weitsicht und Weisheit dokumentiert. Die ist heute so aktuell wie nie zuvor“, betont Krones. Als ähnlich global beschreibt die Pädagogin auch das Schulprojekt, bei dem 87 Schüler monatelang über die Distanz von 700 Kilometern via Internet zwischen Wien und Münster kommunizierten. Beim „E-Learning“ sei ihnen bewusst geworden, welche Möglichkeit der schnelle Gedankenaustausch für effektives Arbeiten bietet.

Zwei Tage (gestern und heute) sind die Münsterer Schüler nun in Wolfsburg, um ihr Projekt der 15-köpfigen Jury vorzustellen. Alle 20 Klassen der Endrunde haben dafür nur fünf Minuten. Aufgrund der kurzen Zeitvorgabe haben sich die meisten Gruppen für eine Power-Point-Präsentation entschlossen.

Die übernehmen bei den Aueschülern Vera Lübke und Pavlos Sampsounis. Der 15-Jährige mit griechischer Abstammung wird dabei als Haydn auftreten. Hat er denn Ähnlichkeit mit dem Komponisten? „Ne, eigentlich nicht“, sagt der Schüler mit den markanten Gesichtszügen und den halblangen Haaren und lacht.

Für die Haydn-Rolle gab es von Krones schon einen Anzug, den die Musiklehrerin von einer ihrer Geigengruppen ausgeliehen hat, die regelmäßig in Rokoko-Kostümen auftreten. „Der fühlt sich sehr warm an und die Hose kratzt ein wenig. Aber sonst gehts“, sagt Sampsounis zu dem ungewohnten Aufzug.

Wie angegossen sitzen die Schuhe mit größeren Absätzen und Schnallen: „Das sind ja auch meine eigenen. Ich habe früher einmal griechischen Tanz gemacht.“ So eng können Sirtaki und Wiener Klassik nebeneinander liegen.

Quelle: op-online.de

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