Heavy-Metal-Club feiert Geburtstag

Jubel-Headbanging mit BEAST

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Der Münsterer Heavy-Metal-Club BEAST feierte sein Zehnjähriges mit einem Festival.

Münster - Beim Headbanging wird der Kopf im Takt der Musik schnell vor und zurück bewegt. Im Kreis geht auch. Wer lange Haare hat, lässt sie rotieren. Von Michael Just 

Zum Headbangen gibt es in Münster indes nur selten Gelegenheit, es sei denn, der Heavy-Metal-Club BEAST lädt zum Konzert ins Freizeitzentrum ein. Zum zehnjährigen Bestehen organisierten die Mitglieder ein kleines zweitägiges Festival. Ein DJ läutete die Aufwärmphase ein, und dann standen gleich drei Bands auf der Bühne: Erst heizten Suicide King ein, danach folgte Dying Gorgeous Lies und als i-Tüpfelchen kam The Watcher, eine Tribute-Band an Motörhead. Rund 100 Besucher aus der Region genossen die kreischenden E-Gitarren und den röhrenden Gesang.

„BEAST entstand aus einem Freundeskreis“, erzählt Vorsitzender Gregor Vater (33), der als IT-ler arbeitet. 16 Mitglieder umfasst die Gruppe im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30, die zwar kein offiziell eingetragener Verein ist, aber als Ortsverein gilt. Ein Großteil kommt aus der Gersprenzgemeinde, der Rest aus der Umgebung. Zusammen besucht man Festivals und trifft sich in Gaststätten, da es kein eigenes Vereinsheim gibt.

„Wir hätten gerne ein paar Mitglieder mehr. Das ist aber gar nicht so einfach“, berichtet der Vorsitzende. Meist komme nur ein Neuling pro Jahr dazu. Vor allem unter Teenagern sei die Hard-Metal-Liebe seltener geworden. Erst ab 25 Jahren würden sich heute Anhänger finden. Dazu sei die Region vom Metal-Sound weniger begeistert als andere Ecken in Deutschland. Mehr Bewegung als bei den Mitgliederzahlen gibt es laut Vater bei der Musik: Hier würde verstärkt gemischt, was sich an vielerlei Elementen und Einflüssen, wie etwa aus dem Elektrobereich und dem Rockabilly, zeige.

Derzeit existieren in Deutschland etwa 200 Metal-Clubs. Ihr Markenzeichen ist, neben dem „Pommes-Gabel-Gruß“, die schwarze Kleidung mit der Kutte oder Weste, auf die möglichst viele Patches (Aufnäher) gehören. Auf dem Rücken ist der größte Aufnäher den eigenen Clubs gewidmet, darum gruppieren sich die Patches von Gleichgesinnten. Wer bei BEAST Mitglied werden will, muss eine Probezeit von einem halben Jahr durchlaufen. Solange gilt seine Kutte als jungfräulich. Für die Vollmitgliedschaft wird die Weste dann geweiht, was meist mit Bier oder Äppelwoi stattfindet.

„Wir tragen unsere Kutte bis sie auseinanderfällt. Den größten Respekt erhält man, wenn sie nur noch durch Patches zusammengehalten wird“, sagt Vater lachend. Wer jetzt genau hinschaute, der entdeckte auch eine Reihe Frauen, die die Ohrenbetäubung durch das „Schwermetall“ genossen. Vom „Metal-Battalion 92“ aus Donsbach im Lahn-Dill-Kreis kam Yvonne Wech (33) nach Münster. Für die Lkw-Fahrerin ist Metal seit ihrem 13. Lebensjahr eine Philosophie, zu der auch ihre Tattoos und Piercings zählen. Auffallend ist ihr Zweithobby: In einem Mittelalterverein ist sie ebenfalls engagiert, weshalb sie jedes Wochenende auf einer anderen Veranstaltung – entweder im Minnegewand oder in Kutte – anzutreffen ist.

Einen Polizeieinsatz wegen der Lautstärke beschwor BEAST zum Zehnjährigen nicht, obwohl bei den Boxen höchste Power aufgefahren wurde. „Metal muss man einfach laut hören“, sagt Vater, der darin weniger ein Aufputsch- als ein Entspannungsmittel sieht. Gehörschutz darf laut seinen Worten auch getragen werden. Gregor Vater ist verheiratet. Seine Frau Sabine hört ebenfalls Metal. Wie der BEAST-Vorsitzende meint: „Würde sie Tag ein Tag aus Helene Fischer hören, wäre das vielleicht doch nicht die richtige Grundlage.“

Quelle: op-online.de

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