Helau-Rufe statt „Hosianna“

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Gut gelaunt feierten die Narren im Münsterer Pfarrzentrum.

Münster ‐ Die Messdiener trugen rot lackierte Fußnägel. Der Kaplan tanzte Rock‘n‘ Roll. Der Pfarrer wurde aus dem Himmel verstoßen. Und das Publikum brüllte „Helau“ statt „Hosianna“. Von Ursula Friedrich

Kurzum: In der fünften Jahreszeit stand bei der katholischen Kirchengemeinde St. Michael alles Kopf. Der „fröhliche Katholikenkarneval“, wie seit vielen Jahren Usus, hat sich hier zu einer mehrstündigen Sitzung gemausert. Die Narrenschar rückte eng zusammen, um den unermüdlich herbeiströmenden Besuchern im Pfarrzentrum Platz zu schaffen. „Do sin ja mer Leid drin wie in de Christmette“, stellte das „Woiknertzje“ Erna alias Manfred Bisch von der Kolpingfamilie erstaunt fest.

Rund 200 Gäste ließen die Fastnacht hochleben. Und weil sich dieser Trend aus einer kleinen Gesellschaft im Foyer seit nunmehr zehn Jahren immer stärker fortsetzt, ist das Pfarrzentrum am Ende seiner räumlichen Kapazität. Dem Faschingstreiben, das die Frauengemeinschaft, der Kirchenchor und die Kolpingfamilie (FKK) sowie weitere närrische Mitstreiter gemeinsam stemmen, müssen sich auch die „Hauptamtlichen“ unterwerfen: Pfarrer Bernhard Schüpke und Kaplan Thomas Weiß.

In dieser Rolle schlug sich das geistliche Duo mit Bravour. Als strafversetzte Engel Pastoriel und Kaplaniel feuerten sie ihre Witzparade mit viel Lokalkolorit auf das Publikum ab – da blieb kein Auge trocken. Nahtlos wurde eine neue Gag-Komponente in den schier unerschöpflichen Pool von Ostfriesen-, Eskimo- und Blondinenwitzen eingegliedert: die Pfarrerwitze. Dass aus den geistlichen Mündern auch die Eppertshäuser Nachbarschaft so manche böse Zote traf, scheint so selbstverständlich wie die Kerzen auf dem Altar.

Auch Küsterin Anneliese Kreher hatte einen starken Auftritt und zog unterstützt von Johanna Schöpke als „Sette und Babett“ herrlich vom Leder. „Unser Kaplan ist ja ein Tierfreund, sei Lieblingstier ist Spanferkel“, nahm die Küsterin die üppige Figur des Kaplans aufs Korn. Der gestand im Anschluss „Des Manna war knapp, da hab ich beim Juniorchef im Himmel von der Rindsworscht gebisse“ – und wurde aus den Wolken nach Münster abkommandiert. Dass diese Zeit in der Pfarrgemeinde im August 2010 tatsächlich ein Ende haben soll, wird jetzt bereits reihum bedauert. So schwang zwischen einer ausgelassenen Fastnachtsarie so manche ernste Note.

Konfetti, Helau und Narrhallamarsch sind bald verklungen und reale Probleme sind anzupacken: Das völlig marode Pfarrzentrum muss grundsaniert werden. Weil die räumliche Dimension für die Pfarrgemeinde zu groß sei, will sich das Bistum Mainz finanziell nicht engagieren. Ergo: Die Katholiken nehmen ihr Glück selbst in die Hand und sparen für den Umbau.

Die Fastnachtssitzung war ein wichtiger Schritt auf diesem Weg, denn die Einnahmen kommen dem Projekt zugute. So stand das bunte Programm von Büttenreden, Tanzeinlagen, Schunkel- und Stimmungsliedern diesmal unter dem Motto: „Mit FKK und viel Helau renovieren wir unseren Schwesternbau.“

Quelle: op-online.de

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