Herz für Orgel und Politik

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Die Orgel ist eines der drei Instrumente, die Norbert Schewe spielt. Hobbys und Interessen hat er noch viel mehr.

Münster-Altheim - Norbert Schewe ist vielen Menschen aus Münster und Altheim vertraut. Die einen kennen ihn aus dem Münsterer Gemeindevorstand, die anderen hören ihn sonntags an der Orgel. Von Jasmin Frank

Wieder andere haben ihn schon häufig bei Auftritten des Altheimer Männergesangvereins oder des Posaunenchors erlebt. Jüngst wurde er für sein 50-Jähriges als Organist geehrt. „Ja, ich habe viele Interessen und bin in zahlreichen Vereinen engagiert“, gibt Norbert Schewe schmunzelnd zu und erzählt: „Musik gehört von klein auf zu meinen Hobbys und das Interesse für Politik wurde bei mir auch schon in jungen Jahren geweckt. “.

Doch der Reihe nach: Schewe und seine drei Geschwister durften als Kinder ein Instrument erlernen, was in den fünfziger Jahren eher eine Ausnahme war. Seit seinem zehnten Lebensjahr lernte er Klavier, doch bald wurden Anfragen nach anderen Musikinstrumenten an ihn herangetragen. „Ich war häufig auf dem Altheimer Dalles vor dem Rathaus mit anderen Kindern zusammen und da sprach mich der damalige Leiter des Posaunenchors an und meinte: ‚Und du spielst Trompete!’. Damit war die Sache geregelt, ich habe das einfach gemacht und mir das Trompetenspiel weitgehend selbst beigebracht“, erzählt der heute 66-Jährige lächelnd.

Lernte quasi nebenbei noch Orgel

Ähnlich war es mit seinem Platz an der Orgel. Als der ehemalige Altheimer Organist in Rente ging und weg zog, wurde der damals Jugendliche gefragt, ob er nicht einspringen wollte, und so lernte er quasi nebenbei noch Orgel. Jetzt wurde Schewe in einem Festgottesdienst dafür geehrt, dass er sein Amt nun stolze 50 Jahre ausübt, und Pfarrer Ulrich Möbus scherzte: „Ich habe in meiner kirchlichen Ordnung nachgeschlagen, welches Präsent einem Organisten für 50 Jahre Begleitung der Gottesdienste zusteht, doch die Übersicht endete mit 40 Jahren Dienstzeit – so lange halten also nicht alle ihrer Gemeinde die Treue.“

Der evangelischen Kirche hat Schewe auch über die Gemeinde hinaus seinen Dienst erwiesen: Neben seinem Engagement im Kirchenvorstand war er auch in der Dekanats- und Landessynode aktiv. Mit seinen zahlreichen Instrumenten war für Norbert Schewe das musikalische Element in seiner Freizeit noch lange nicht abgeschlossen: Er trat mit 16 Jahren noch in den Männergesangverein ein.

„Sportlich war ich auch, denn ich habe viele Jahre lang Fußball gespielt, heute geht das wegen meines Knies leider nicht mehr“, bedauert der Vater zweier erwachsener Töchter. Die Gesundheit war es auch, die ihm wichtiger war als zwei weitere Engagements: Das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Altheim und eine Darmstädter Big Band mussten nach einem Hörsturz aus seinem Programm gestrichen werden.

Noch seine zweite Liebe

Dafür hat er noch seine zweite Liebe: Neben der Musik schlägt sein Herz für die Politik. „Mein Geschichtslehrer Heinrich Blank hat mich für Kommunalpolitik begeistert und so trat ich 1972 der CDU bei. Bald wurde ich zum zweiten Vorsitzenden gewählt und hatte seither verschiedene Ämter inne, seit 1996 bin ich im Gemeindevorstand und seit einigen Jahren erster Beigeordneter“, informiert Schewe. Ihm liegt vor allen Dingen eine soziale Sicht der Dinge am Herzen und er ist stets bemüht, den Schwachen zu helfen. „Ich bin selbst ein zufriedener Mensch und war nie neidisch auf den Besitz anderer. Streit liegt mir fern und ich versuche stets, ein harmonisches Verhältnis zu anderen Menschen zu haben“, beschreibt Schewe sich selbst.

Diese Eigenschaften kommen ihm sicher in einem weiteren Ehrenamt zu Gute: Seit drei Jahren ist er Schöffe am Landgericht, zuvor hatte er das Amt am Jugendgericht inne. „Es ist wichtig, mit sich selbst einig zu sein, denn es ist nicht immer einfach, jemanden zu verurteilen“, schildert er die Situation im Gerichtssaal.

Bei all den vielen Verpflichtungen kam eines nie zu kurz: Seine Leidenschaft für gute Bücher. „Manchmal ist es richtig schade, dass ich nicht mehr mit dem Zug zur Arbeit fahre, denn die Zeit habe ich immer zur Lektüre genutzt“, schmunzelt der Altheimer, der sich in dem kleinen Münsterer Ortsteil seit 66 Jahren bestens aufgehoben fühlt und dort verschiedene Vereine seit Jahrzehnten maßgeblich mitgestaltet hat.

Quelle: op-online.de

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