Hilfe bei „Bauer sucht Frau“

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Auf frischer Tat ertappt wurde Heiratsschwindler Graf Vladimir, der eigentlich Rudi Schmitt heißt.

Münster ‐ „Ich war wahnsinnig aufgeregt. Ich dachte schon, ich schaffe es nicht. Aber es ist super gelaufen“, freute sich der jüngste Neuzugang der Münsterer Theatergruppe „Spectaculum“, Sylvia Pieritz. Von Ellen Jöckel

Nach der ausverkauften Premiere in der Kulturhalle am Freitagabend zitterten der 25-Jährigen immer noch die Hände. Erleichtert umarmte sie Verwandte und Bekannte, die ihr voller Stolz einen großen Blumenstrauß überreichten.

Sylvia Pieritz hatte im Schwank „Es ist was los auf dem Hungerhof“ von A. und E. Döhmen die Rolle des Testamentvollstreckers Wilfried Nippes übernommen. „Sylvia konnte am besten von uns allen mit amerikanischem Akzent sprechen. Da war gleich klar, dass sie den Wilfried spielt“, berichtete Inge Fiedler, Sprecherin der Gruppe. Mit Cowboyhut, unter dem künstlich vergrößerte Ohren hervorragten, in Jeans mit Glitzergürtel und Cowboystiefeln war Wilfried Nippes die exotischste Erscheinung auf dem „Hungerhof“.

Aber auch die übrigen neun Darstellerinnen konnten sich sehen lassen: Schweinebauer Wolfgang Eckstein, überzeugend verkörpert von Andrea Kreher, kam dickbäuchig mit Hornbrille, Strohhut, grüner Latzhose und schmutzigen Gummistiefeln daher. „Eine gute Hilfe beim Spielen von Männerrollen sind klobige oder zu große Schuhe“, erklärte Inge Fiedler. „Damit hat man gleich den richtigen breitbeinigen Gang.“ Verantwortlich für eine überzeugende Maskerade waren die Friseurin Stefanie Faust, die seit sechs Jahren mit großem Geschick die 13 Damen von „Spectaculum“ in ihre Rollen verwandelt, und Christine Otten, die selbst Mitglied des Ensembles ist und an diesem Abend eine Polizistin verkörperte.

Wie verhält frau sich wie ein Mann?

Nach dem Schminken war die Frau im Manne kaum noch zu identifizieren. Den Busen konnten die Hobbyschauspielerinnen mit Frischhaltefolie wegbinden, aber wie verinnerlichten sie, sich wie ein Mann zu verhalten? „Ich bereite mich auf die Rolle vor, indem ich Männer genau beobachte. Außerdem habe ich mir, weil ich einen Landwirt spiele, im Fernsehen die Sendung ‚Bauer sucht Frau‘ angesehen“, erzählte Andrea Kreher in der Pause, während ihr Christiane Otten mit Pinsel und brauner Schminke die ‚Schnurrbarthaare‘ noch einmal nachbesserte.

Für großes Gelächter sorgte auch Brigitte Wagner, die im Stück das Muttersöhnchen Karl-Otto mit Poposcheitel und blauer Arbeitshose spielte. Wieder mit von der Partie war auch Anneliese Kreher in der Rolle der Nachbarin Lisa Hündchen, die es auf die Erbschaft des Bauern Eckstein abgesehen hatte. Doch das Erbe ist zwingend mit einer Heirat verknüpft. Plötzlich kann sich der gemütliche Schweinebauer vor Bewerberinnen nicht mehr retten. Auch sein Kurschatten Josefine Alwine Pfötchen, mit sächsischem Akzent dargestellt von Dorle Schreiber, hat es auf die Erbschaft abgesehen. Eigentlich liebt der Bauer aber die Dorf-Postbotin Herta, gespielt von Ulrike Korb, die ihn dann auch schließlich mit einem Glas voll lebendiger Regenwürmer rumkriegt.

Das passende Deckelchen finden schließlich alle

Andrea Kreher als Schweinebauer Wolfgang Eckstein (rechts) und Christiane Otten als Polizistin, hier im Einsatz als Maskenbildnerin.

Und auch die schusseligen Schwestern des Landwirts Billa, alias Gaby Peußer, und Trina Eckstein, urkomisch dargestellt von Jasmin Weber, finden am Ende des Dreiakters das passende Deckelchen. Spectaculum-Gründerin Inge Fiedler kam erst im letzten Teil des Dreiakters als Heiratsschwindler Graf Vladimir zum Einsatz und konnte daher das Geschehen auf der Bühne genau beobachten: „Bis auf zwei Hänger, die aber zusätzliche Lacher eingebracht haben, hat alles fantastisch geklappt. In den Proben waren die Bewegungen der Darstellerinnen noch nicht so schwungvoll“, so Fiedler. Die 1995 gegründete Theatergruppe sei inzwischen gut eingespielt. Die Arbeit von darstellenden und helfenden Mitgliedern gehe Hand in Hand. Bei Textausfällen war Souffleuse Andrea Coy zur Stelle. Wie in jedem Jahr kamen auch die Ehemänner der Laienschauspielerinnen nicht drumherum, mitanzupacken: Sie bauten das Bühnenbild auf, das aus Haushalten der Mitglieder und deren Freunde stammt, und sorgten für die Bewirtung in den Pausen.

Die Theatergruppe, die der evangelischen Gemeinde Münster angehört, spendete zehn Eintrittskarten je Aufführung älteren Personen, die sich sonst den Theaterbesuch nicht hätten leisten können. Wer die beiden Vorstellungen in der Kulturhalle verpasst hat, kann sich den Bauernschwank in etwas abgespeckter Form noch ansehen: Am ersten Adventssonntag, 29. November, 16 Uhr, führt Spectaculum das Stück im Alten- und Pflegeheim in Münster noch einmal auf.

Quelle: op-online.de

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