Münster gibt zum Doppeljubiläum an Kerb alles

Von der Hinnergasse bis zum Dalles

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Zum Kerbumzug kamen gestern Nachmittag auch die Damen mal zu ihrem Recht.

Münster - Welch ein Glückfall: Das Doppeljubiläum zehn Jahre Kerbverein und zehn Jahre Hinnergassebuwe bescherten Münster eine Kerb, die sich weit über die Ortsgrenzen hinaus sehen lassen kann. Von Thomas Meier 

Volles Zelt zum Auftakt am Freitag, viele Besucher bei der Kerbborschen-Inthronisation am Samstag und jede Menge Zuschauer beim gestrigen Umzug.
Was hat Münster doch an seinem Musikverein. Das zeigte sich einmal mehr am Freitagabend, als die Hinnergassebuwe – hervorgegangen aus dem großen, musikalischen Traditionsverein – das Kerbzelt zu ihrem Zehnjährigen rockten. Als sich 2006 die damaligen Münsterer Kerbburschen überlegten, was sie 2007 Besonderes zum Umzug machen könnten, hatten sie eine Idee: „Einen Kerbmarsch müssten wir hinkriegen.“ Ein halbes Dutzend junger Männer setzten den Gedanken in die Tat um – die Hinnergassebuwe waren geboren. Nun feierte das inzwischen zum Septett angewachsene Ensemble sich, sein zehnjähriges Bestehen und die Kerb im proppenvollen Zelt.

Welch ein Jubel, welch ein Geschrei: Die neun Burschen um Kerbvadder Eric Roßkopf lassen sich im proppenvollen Festzelt von ihren Vorgängern und dem Publikum feiern.

Schon lange bevor die Blasmusiker in die Arena stiegen, um fulminant umjubelt zur Bühne zu flanieren, hatten sich die Fans der „Minsterer Bäckstrietbois“ eingefunden. Alle Generationen des Ortes fieberten ihrer Band entgegen: Vor der Bühne glühten die Wangen junger Backfische neben denen rotkopferter Kerbborschen ziemlich alter Jahrgänge, die ihr Mütchen schon mal mit blonden Schöppchen kühlten.
Und dann der Auftritt: Ohrenbetäubender konnte er kaum sein. Tuba, Bass und Trommelwirbel, eine brachiale Mixtur von Bajuwaren-Jazz und Hardrock-Polka bahnte sich ihren Weg bis in die letzte Ohrtrompete. Dazu boten die Hinnergässler eine Tanzchoreografie, die einen Derwisch hätte blass daneben aussehen lassen.

Die vielen Proben vor dem Jubelkonzert, haben sich gelohnt. Die Bühnenschau wurde weit mehr als einer Kerb gerecht, so etwas würde sich auch bestens auf Altstadt- oder Doaschdefesten ausmachen. Doch seit geraumer Zeit lebt die Kirchweih des Kerbvereins immer besser davon, dass es diese alten Ortsfeierlichkeiten nicht mehr gibt.

Rund um Kerbvereinsvorsitzenden Dieter Schneider rekrutierten sich bereits vor etlichen Jahren einige Bewahrer des volkstümlichen Weihefestes, fast alle vom Stammtisch der Urbomber. Und seit 1999 hat sich die Kerb auch wieder langsam, aber sicher etabliert im Ort der Doaschde. 2007 wurde der Kerbverein Münster aus der Taufe gehoben, der heute rund 70 Mitglieder zählt.

Sie rockten das Kerbzelt wie es nur eine echte Minsterer Band versteht: Die Hinnergassenbuwe mischten alles auf.

Den Altvorderen des Kerbvereins oblag die Vorstellung der neuen Kerbborsche, die ihr Dasein vor allem mit Pils zu krönen suchten. Neun 18-Jährige fanden sich für den Jahrgang 2017 zusammen, die eher profane denn geistliche Kerb hochleben zu lassen. Ein jeder von ihnen wurde mit Vor-, Zu- und Spitznamen vorgestellt, bis hin zum Zylinderträger, Kerbvadder Eric Roßkopf. Das Ganze wurde wild umjubelt vom Publikum im gut gefüllten Zelt, allen voran machten die Kerbborschen des Jahrganges 2016 die Einführung der Nachfolger zum Spektakel. Bis „Schlissel und Siren“, die Insignien der jeweils herrschenden Kerb-Burschenschaft, vom alten an den neuen Kerbvadder übergeben wurde, herrschte ein Geschrei wie mittelalterliches Zeder und Mordio.

Münster feiert Doppeljubiläum auf der Kerb: Bilder

Das Geschrei, es sollte auch gestern beim Umzug nicht verstummen, als etliche alte Kerbburschen-Jahrgänge dem aktuellen Tross 18-Jähriger ihre Referenz erwies. Hunderte Zuschauer säumten die Straßen und Gassen des Zugweges, überall flatterten Fahnen, waren Häuserzeilen geschmückt.

Edgar Kreher hatte danach seinen großen Auftritt, als er den Kerbspruch im Zelt am Dalles verkündete. Dieses Amt hat er traditionell inne, weil man seitens der Veranstalter früh kapiert hat, dass es sich feiern lassenden Jungspunden schwer fällt, sinnige Gereimtheiten nach den vorangegangenen Anstrengungen von sich zu geben. Und auch heute werden sich Burschen und Väter nochmals die Ehre geben, zur Seniorenkerb. Bericht folgt.

Quelle: op-online.de

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