Hinterm Mundschutz für Französisch werben

Corona-Virus erschwert Sprachunterricht an Münsters Aue-Schule

Matthiea Lejeune vom Projekt France Mobil warb an der Schule auf der Aue auf Einladung von Lila Sandberg (rechts) fürs Erlernen der französischen Sprache.
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Matthiea Lejeune vom Projekt France Mobil warb an der Schule auf der Aue auf Einladung von Lila Sandberg (rechts) fürs Erlernen der französischen Sprache.

Die Fachschaft Französisch an der Schule auf der Aue bietet den aktuellen Sechstklässlern, die vor der Einwahl in eine zweite Fremdsprache stehen, Schnupperkurse im Fach Französisch an. Hierfür hat Fachleiterin Lila Sandberg als Kooperationspartner das „France Mobil“ des Institut Francais gewonnen. Und auch in virusgeplagten Zeiten entsendet das Institut mit Sitz in Mainz seine „Mobilisten“.

Münster – Jetzt war Dr. Matthiea Lejeune einen Schultag zu Gast Auf der Aue, um 100 Sechstklässlern in vier Gruppen Spaß auf Sprache und Lebensart der Franzosen zu machen. Der 29-Jährige stammt aus dem Großraum Paris, studierte Kunstgeschichte und Architektur und entdeckte bei Praktika in Deutschland Interesse an der deutschen Sprache und den Menschen. Bevor er für zehn Monate den Job für France Mobil übernahm, lebte er ein Jahr in Mecklenburg Vorpommern wo es ihm sehr gut gefallen habe, wie er berichtet.

„Französisch ist schwierig“, heißt es oft. Das muss nicht immer so sein. Das Programm France Mobil zeigt auf, dass man eine Fremdsprache auch spielerisch leicht und mit Spaß erlernen kann. Allerdings war es vor Corona wesentlich leichter, die Sprache locker herüberzubringen. Jetzt sind sowohl der Botschafter der Fremdsprache als auch die Empfänger verbaler Nachricht durch die Corona-Maßnahmen gehandicapt. Hinterm Nase-Mund-Schutz näselt und nuschelt es sich leicht und schnell wird es unverständlich. Doch sich verständlich zu machen, ohne auch nur ein Wort Deutsch zu sprechen, versteht Lejeune. Laut und trotz des Stofffetzens vor dem Mund spaßt der Lektor gestenreich mit seinem der Sprache zumeist gänzlich unkundigen Publikum, dass es auch eine Freude ist, der frankophonen Werbeaktion zuzuschauen.

Bevor die Kinder in den gut gelüfteten und frischen Naturkundesaal kamen, in dem die Aktion stattfand, legte Lejeune Poster mit der Landkarte von Frankreich und Deutschland aus und bereitete das interaktive Whiteboard für seine Aktionen vor. Und kaum saßen die Sechstklässler, begann auch schon der Redeschwall: Der Franzose stellt sich vor, schreibt den Namen auf die moderne Tafel und fordert sein Publikum auf, nicht nur seinen Namen auszusprechen, sondern sich ebenfalls mit den fremden Vokabeln vorm eigenen Namen vorzustellen. Und das klappt erstaunlicher Weise bestens.

Das Programm der Lektoren berücksichtigt neue Entwicklungen und bietet jetzt auch Online-Animationen zum Mitmachen an: Daran nehmen die Schüler durch eine Live-Projektion im Klassenzimmer teil.

Zwölf französische Lektorinnen und Lektoren sind in Deutschland unterwegs. Sie haben den Auftrag, deutsche Schulen zu besuchen und Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen spielerisch für Frankreich und die französische Sprache zu begeistern. Im Gepäck hat das junge Team ein frisches und oft überraschendes Bild seines Landes. Zum Einsatz kommen Spiele, aktuelle frankophone Musik, Zeitschriften, Filme – alles was Spaß und neugierig macht.

Ihr wichtigstes Ziel dabei: Kinder und Jugendliche an Schulen spielerisch für die französische Sprache und Kultur zu begeistern und ein attraktives, freundliches und aktuelles Frankreichbild zu vermitteln.

Lila Sandberg, Französisch-Lehrerin und Fachsprecherin an der Schule auf der Aue, holte das France-Mobil zum wiederholten Mal an die Gersprenz. „Es ist sehr schwer, Termine für einen aus dem Dutzend der Mitarbeiter dieses Projektes zu bekommen“, weiß die selbst muttersprachlich französisch aufgewachsene Pädagogin zu berichten. Doch der Erfolg der Werber für Französisch sei überwältigend. Und dies ist Sandberg wichtig, denn es wird schwer, gymnasiale Französischkurse an der Aue voll zu bekommen. „Spanisch ist die bei Kindern und Eltern angesagte Modesprache“, weiß Sandberg, man müsse sich schon bemühen, Französisch an deutschen Gymnasien am Leben zu erhalten.

Die Sechstklässler stehen im kommenden Jahr vor der Wahl, Kurse in Französisch, Spanisch oder Latein zu belegen. Der Einsatz von France-Mobil zeige jeweils große Erfolge, sagt die zweisprachig aufgewachsene Fachbereichssprecherin. Nach dem Mobil-Auftritt habe man in den Vorjahren die Kurse stets voll bekommen. (Von Thomas Meier)

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