Aber der Pfarrer chauffiert das Kirchweihpaar zum Kerbspruch

Hoch auf den Kirchturm hinaus wollen wenige

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Pfarrer Bernhard Schüpke chauffierte Kerbmädche und Kerbvadder im Oldtimer zum Festplatz

Münster - In den Jahren 1785-86 wurde in Münster eine neue Kirche gebaut, anschließend geweiht, wie das so der Brauch ist. Von Peter Panknin 

Zum Brauch geworden ist auch die alljährliche Feier zur fertigstellungstermin, im Volksmund Kerb, Kirmes oder Kirchweih genannt, Kirchlich gesehen hat sie den Rang eines Hochfests. Mit einer Andacht am Vorabend des eigentlichen Ereignisses, dem Festgottesdienst am Sonntag sowie der Gräbersegnung mit Gottesdienst in der Friedhofskapelle am Kerbmontag wird dem auch Rechnung getragen.

„Ein Brausen“ ertönte über den Festplatz; es kam nicht vom Himmel, es war nur das „Gebabbel“ der Münsterer, die dem Kerbspruch lauschten.

Wer am vergangenen Sonntag in Münster nach der Kirche gerne in Gesellschaft sein Mittagsmahl einnehmen mochte, dem wurde mit einem zünftigen Frühschoppen auf dem Festplatz hinter der Michaelskirche die Wartezeit verkürzt. Als Festessen wurden Rouladen mit Rotkohl und Serviettenknödel serviert. Wer es weniger festlich wollte, begnügte sich mit Würstchen und Steaks vom Grill, auch die Pommes fehlten nicht.

Nach dem guten Essen, das laut Hans Dieter Schneider von der Kolpingfamilie sehr gut angenommen wurde, brauchten die versammelten Kerbbesucher etwas Bewegung. Es stand eine Hüpfburg parat, die von den Kindern des Familienzentrums nach ihrem gelungenen Auftritt belagert und erobert wurde. Für andere Gruppen war das Bierkrugschießen angesagt, das mit einem „Unentschieden“ der Wettkämpfer endete. Also bekamen beide Sieger den ausgelobten Preis, mussten sich aber für Schokolade oder ein Fässchen Bier entscheiden. Spontan äußerte sich das Pfarrteam in der Person von Referendarin Regina Schindler-Christe: „Wir nehmen das Bier und machen mit dem Pfarrer eine Sause.“

Heiterkeit im Publikum, und ein Schelm, wer Arges dabei dachte. Zudem passte die Schokolade zum anderen Sieger, dem „Kindergartenteam“, sicherlich viel besser. Vom Angebot, Münster aus einer höheren Perspektive zu betrachten und auf den geöffneten Kirchturm zu steigen, wurde weniger Gebrauch gemacht, trotz schönen, aber windigen Wetters.

Obwohl die Besucherzahl schon mal höher war, waren die Veranstalter mit den Umsätzen zufrieden. Bis 16 Uhr war auch der letzte Kuchenkrümel verkauft, das Speisenangebot auf Bratwürste und Pommes reduziert.

So gestärkt warteten alle gespannt auf den Kerbspruch. Wie in Zeiten, zu denen es in Münster nur ganz wenige Automobile gab, strömten Kinder und Erwachsene herbei, als ein solches mit lautem Geknatter und in leuchtender Farbe am Festplatz vorfuhr. Als Chauffeur entfaltete sich Pfarrer Bernhard Schüpke aus dem Fahrzeug und half „Kerbmädche“ Anneliese Kreher galant beim Aussteigen. „Kerbvadder“ Herbert Schadt musste ohne Hilfe raus.

Münster feiert Doppeljubiläum auf der Kerb: Bilder

Sichtlich gut gelaunt trugen die beiden dann mit vielfachem Augenzwinkern den Kerbspruch vor, wobei der Gesang auch nicht zu kurz kam. Höhepunkte des zurückliegenden Jahres, wie zum Beispiel die Geschichte vom verloren geglaubten Klavier des Kirchenchores, die vom restaurierten Moddekreuz oder die von der Gewerbeschau auf der Beune fanden Erwähnung. Nach reichlich gespendetem Beifall saß man gemütlich beieinander und verkürzte die Zeit bis zum Abend mit „Gebabbel“. Das aufgeschichtete Feuerholz wartete bereits darauf, entzündet zu werden, denn an den Temperaturen merkte man, es ist kein Sommer mehr. Alles in allem eine gemütliche Feier für die, die es nicht so lebhaft brauchen oder wollen.

Quelle: op-online.de

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