Ein Unruhegeist mit Geduld und Liebe zum Detail ist der Münsterer Ewald Schneider.

Hütte zum Mitnehmen

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Erst fotografiert Ewald Schneider das Objekt seiner Begierde, dann baut er es in der heimischen Werkstatt nach.

Münster ‐ Hoch hinaus ging es einst für den Münsterer Ewald Schneider: Bergsteigen war über lange Jahre sein Hobby. Selbst den Großglockner hat er erklommen. Doch damit ist für den rüstigen 78-Jährigen seit einigen Jahren Schluss, sportlich ist er aber immer noch: Skifahren und Radeln zählen zu seinen Freizeitbeschäftigungen. Von Jasmin Frank

Das Reisen aber brachte ihn zu seiner liebsten Aktivität, der er seit 17 Jahren nachgeht, erzählt der Künstler: „Ich war mit meiner Frau im Zillertal im Urlaub. Dort habe ich in einem Schaufenster eine Almhütte aus Holz gesehen. Davon habe ich gleich ein Foto gemacht.“ Und er hat sich auf der Stelle entschlossen, das nachzubauen. „Wenn ich in Rente gehe“, ergänzt Schneider. „Sie hat mir das nicht geglaubt und gemeint, dafür wäre ich viel zu ungeduldig“, schmunzelt Schneider. Seine Frau Renate stimmt ihm zu: „Ja, mein Mann ist ein richtiger Unruhegeist. Er muss immer etwas zu tun haben, entweder geht er raus in die Natur oder er werkelt. Ich finde sein Hobby zwar toll, mache selbst aber lieber andere Dinge, beispielsweise gehe ich mit unserem Hund raus oder koch und backe, momentan natürlich Plätzchen.“ Über die freut sich ihr Gatte, denn was er baut, kostet viel Konzentration und Mühe, so dass er sich gerne mal mit einem selbst gebackenen Keks stärkt. „Als ich das erste Haus fertig hatte, sagte mein Sohn Armin, ich solle doch für unser Enkelchen Saskia eine schöne Weihnachtskrippe bauen. Das habe ich natürlich gleich gemacht und sie ihr zu ihrem ersten Geburtstag geschenkt“, erzählt der Rentner, der früher in einem Metallverarbeitungsbetrieb gearbeitet hat. Mit Holz hatte er noch nichts am Hut.

Inzwischen hat er zahlreiche Bauernhäuser und Krippen gebaut. Gerade die Nachfrage nach letzteren ist besonders groß. Alles wird bei ihm per Hand gemacht: Das Mauerwerk aus Steinen und Mörtel, die Holzbalken aus Vierkanthölzern und die Zäune aus Weidenästen. Besonders wichtig sind dem Münsterer Künstler aber die vielen kleinen Details, die er aus Lindenholz fertigt: An einem Haus hängt eine Säge und ein Rad, an einer Käserei erspäht man Schüsseln und Körbe. Auch Brunnen, Werkzeuge und große Geräte baut der Münsterer nach – wie er sie vor Ort gesehen hat. Prinzipiell geht Schneider immer gleich vor: Auf seinen Reisen in die Alpenländer sieht er ein Gebäude, das ihm besonders gut gefällt. Das fotografiert er dann von allen Seiten und baut es dann nach. Ab und an denkt er sich aber auch ein Modell selbst aus.

Das Lieblingsstück aus der eigenen Werkstatt ist die Käserei. Viel weiß Schneider von ihr zu berichten. Lange hat die Vollendung ihrer zahlreichen Details gedauert. „So viel Zeit habe ich aber gar nicht. Ich bin ja auch noch politisch aktiv, war neun Jahre lang für die SPD im Gemeindeparlament. Außerdem habe ich 28 Jahre lang die TV-Kapelle geleitet“, zählt der Häuslebauer auf. Vor einiger Zeit ehrte ihn der Turnverein für 60 Jahre Mitgliedschaft.

Das Bauen der Krippen und Gebäude hört sich in seinen Erzählungen so einfach an, ist aber eine durchaus künstlerisch und handwerklich komplexe Angelegenheit. „Wer das auch einmal versuchen will, braucht Zeit und Geduld, dazu Begabung sowie einen Blick für Proportionen und viel Liebe zum Detail“, weiß Ewald Schneider. Wer sich also doch lieber eine fertige Krippe oder ein schmuckes Haus kaufen möchte, kann dies für einen Preis ab 100 Euro tun. Schneider fertigt auch Auftragsarbeiten an, etwa das rustikale Ferienhaus für die heimische Kommode.

Quelle: op-online.de

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