Junge Kandidaten bei der Kommunalwahl: Die 30-jährige Katharina Thomas tritt für die CDU an

„Ich möchte für das emanzipierte Münster stehen“

Ist gern in der Natur unterwegs und will für das „emanzipierte Münster“ stehen: die 30-jährige CDU-Kandidatin Katharina Thomas.
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Ist gern in der Natur unterwegs und will für das „emanzipierte Münster“ stehen: die 30-jährige CDU-Kandidatin Katharina Thomas.

Nachwuchs in der Politik ist gefragt. Eine gute Einstiegsmöglichkeit fürs politische Engagement bieten die Ortsparlamente, die die Hessen bei der Kommunalwahl am 14. März für die nächsten fünf Jahre neu bestimmen. Vor dem Urnengang porträtieren wir von allen Wahllisten den jüngsten Kandidaten beziehungsweise die jüngste Kandidatin vor – sofern höchstens 30 Jahre alt.

Münster – Heute: Katharina Thomas (30), die für die CDU Münster auf Listenplatz 12 antritt.

Die Auswahl, wer für die kleine Serie über die jüngsten Kommunalwahl-Kandidaten der Münsterer Parteien porträtiert werden soll, war bei der CDU am schwierigsten. Mit Katharina Thomas, Lara Kreher und Felix Opificius hat der Ortsverband gleich drei für seine 35-köpfige Liste nominiert, die das Kriterium erfüllen. Die Krux: Sie sind gleichsam 30 Jahre jung und kämen infrage. Die Wahl ist auf Katharina Thomas gefallen, weil sie am weitesten vorn kandidiert und damit die besten Startchancen auf ein Mandat in der nächsten Gemeindevertretung besitzt.

Die 30-Jährige, geboren und aufgewachsen in Dieburg, hat schon allein schulisch und beruflich einen spannenden Werdegang vollzogen. Zunächst machte Thomas 2006 ihren erweiterten Hauptschul-Abschluss, holte drei Jahre später aber ihren Realschul-Abschluss auf der Berufsfachschule für Sozialpädagogik in Darmstadt nach. Damit nicht genug, folgte drei Jahre später die allgemeine Hochschulreife auf dem beruflichen Gymnasium für Gesundheit und Soziales in Mainz. Nach dem Abitur studierte sie zunächst drei Jahre dual Arbeitsmarktmanagement an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim und wechselte im Anschluss in den ebenfalls dualen Studiengang Soziale Sicherung, Inklusion, Verwaltung an der Hochschule Fulda. 2018 schloss sie ihr Studium mit dem Bachelor of Arts ab. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie über entscheidende Momente in der Biographie von Bildungsaufsteigern, zu denen sie fraglos auch selbst gehört.

Mittlerweile ist Thomas in Münster sesshaft geworden und auch beruflich angekommen – als Sachbearbeiterin für Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie Hilfe zum Lebensunterhalt im Landratsamt Dieburg. „Dort fühle ich mich beruflich angenommen“, betont sie. Was sie sogleich auf die CDU Münster überträgt.

Den Christdemokraten in der Gersprenz-Gemeinde trat Katharina Thomas 2018 bei, „um mich einzubringen, um Münster noch lebenswerter zu machen. Es gab jedoch auch eine Vielzahl von übergeordneten Themen, die mein politisches Interesse geweckt haben.“ An ihre erste Diskussion mit dem örtlichen CDU-Vorsitzenden Marcus Milligan, der jetzt auf Platz zwei kandidiert, erinnert sie sich noch genau, „das war 2019 und es ging um Uploadfilter und den Umgang der CDU mit den Demonstranten und deren Argumenten“. Ein komplexes Thema, wobei Thomas’ wichtigste Erkenntnis aus der Debatte gar nicht mal inhaltlicher Natur war: „Marcus hat meine Kritik ernst genommen und mich darin bestärkt, solche Themen vermehrt in die Partei zu tragen. Er ermutigte mich in dem Zusammenhang auch, erste Verantwortung zu übernehmen.“ Mit dem Einstieg als Vorstands-Beisitzerin tat die Münstererin genau das.

Nun wirft sie ihren Hut als potenzielle Gemeindevertreterin in den Ring. 17 der 37 Mandate hat die CDU 2016 gewonnen, als zwölftplatzierte Kandidatin ist mit Thomas in der nächsten Legislaturperiode stark zu rechnen. Sollte sie den Einzug ins Parlament schaffen, brächte sie eine interessante, weil nicht von Beginn an glatt verlaufene Vita mit. „Im Laufe meines Lebens habe ich oft gehört, dass ich etwas nicht könne oder tun soll“, erzählt sie. „Als Frau würde ich später ohnehin Hausfrau und Mutter werden. Wofür also den Realschulabschluss und das Abitur nachholen und vielleicht sogar noch studieren?“ Auch im Studium habe man ihr gesagt, dass sie „doch noch so jung“ sei, „dass ich später noch genug Zeit hätte, Verantwortung zu übernehmen“. Oftmals habe sie festgestellt, dass jüngeren Menschen wenig zugetraut werde. „Mit der Kandidatur möchte ich vor allem jungen Frauen zeigen, dass sie genau jetzt alt und stark genug sind, um Verantwortung zu übernehmen“, betont Thomas.

Thematisch liegen ihre Schwerpunkte entsprechend in den Bereichen Familie, Soziales und Digitalisierung. Um Familien und vor allem Frauen im Beruf zu stärken, setze sie sich für die Förderung von Tagesmütter-Angeboten ein, wolle den Neubau des Katholischen Familienzentrums und der Kita Sonnenblume vorantreiben. Auch der Ausbau des Online-Angebots des Rathauses sei ihr sehr wichtig. In einer Welt der unbegrenzten Mittel würde sie außerdem sofort mit der Sanierung des Hallenbads beginnen. Aber auch in der klammeren Realität „sollten wir alles in den Erhalt setzen“.

Bleibt noch die private Seite der 30-Jährigen, abseits des Politischen und Beruflichen. „Meine Freizeit verbringe ich gern mit meiner Familie, meinen Freundinnen und Freunden und meinem Partner“, berichtet sie. „Vor Corona haben wir oft gemeinsam gebacken und gekocht, wir gingen aus oder spielten einfach nur auf der Couch Super Mario Kart.“ Durch Corona habe sie das Spazierengehen und Wandern für sich entdeckt, verbringe viel mehr Zeit in der Natur und saugte ebendiese vergangenen Sommer bei einem Solotrip durch den Wald am Edersee auf. Auch für eine Fülle von Büchern, Podcasts und Videospielen ist aktuell mehr Zeit als sonst übrig. Was sich freilich ändern könnte, sollte Katharina Thomas demnächst Gemeindevertreterin sein. (Von Jens Dörr)

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