Identität stiftende Ortsmitte

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Agenda-Gruppe sammelt Ideen für eine Wiederbelebung des Rathausplatzes - Hemden dort gibt es dort schon lang nicht mehr zu kaufen.

Münster ‐ Die Ideen flatterten mannigfaltig per kleinen Pappwölkchen auf das Flipchart: Lichterfest organisieren! Unterstützer gewinnen! Alle Bürger einbeziehen! Sympathien wecken! Sonnen- und Regenzelte aufbauen! Einen Hochzeitsbaum installieren! Kinderspielplätze anlegen! Von Thomas Meier

Gut zwei Dutzend engagierter Bürger fanden sich zur jüngsten Sitzung der Agenda 21 im Rathaus ein, um zwei Stunden lang über einem gewichtigen Thema zu brüten: der Reanimation des Rathausplatzes in Münster. Schon lange zu einem reinen Parkplatz degradiert, wird die einstige Wahlmitte des Ortes von den Bürgern nicht mehr als solche angenommen.

Dagegen wolle man sich mit der Frage „Was wird aus dem Rathausplatz“ stark machen, befand Agenda-Sprecherin Renate Waldschmitt, seit 1985 in Münster wohnende Landschaftsarchitektin. Sie war sich mit ihren Mitstreitern aus Agenda, Kommunalpolitik und der Interessengemeinschaft Rathausplatz - einer Gruppierung Geschäfte am Rathaus betreibender Anlieger um die ehemalige Gewerbevereinsvorsitzende Enke Kaufhold - einig: Der Platz muss schöner und belebter werden.

Vor mehr als 20 Jahren wurde der Rathausplatz in seine heutige Form ungestaltet. Zuvor war er ein großer, asphaltierter Parkplatz, der hauptsächlich den Kaufhauskunden diente. Außer dem Kaufhaus gab es noch einen großen Haushaltswaren- und Elektroladen, ein Schuh- und ein Textilgeschäft, die Apotheke am und die Gemeindeverwaltung im Rathaus. In der Nähe waren zudem ein Schreibwarenladen, eine Schreinerei und die Sparkasse.

Ein Grund: dezentrale Struktur der Gemeinde

„Heute hat der Platz längst nicht mehr die Bedeutung und Attraktivität von früher“, weiß SPD-Gemeindevertreter Gerhard Dahms, der sich bereits viele Gedanken um eine Umgestaltung des Areals machte, sie in der Interessengemeinschaft einbrachte und nun auch der Agenda zur Verfügung stellt. Die Schließung des Kaufhauses, so sein Resumee, das von allen geteilt wurde, sei wesentlichster Grund des Bedeutungsverlustes des Platzes. Und ein weiterer Grund liege in der dezentralen Struktur der Gemeinde: „Es gibt kein Zentrum für Kommunikation und Handel, keinen kulturellen oder sozialen Schwerpunkt im Ort.“

Eine Rednerin ergänzte: „Münsters geografischer Mittelpunkt liegt auf dem Friedhof.“ Dort sei wahrscheinlich öfter mehr Leben, als auf dem Rathausplatz. Und so beklagten andere Diskussionsteilnehmer, dass sich die Entwicklung Münsters nach der angekündigten Schließung des Tengelmann-Marktes weiter negativ entwickle, was die Kaufkraftbindung angehe. Ein Großteil der Entwicklung in Einzelhandel und Infrastruktur finde zwischen Dieburg und Münster in den Industriegebieten sowie überhaupt in den Nachbargemeinden statt.

Der Kaufkraftindex liegt in der Pendlergemeinde Münster weit unter 100 Prozent. 80 Prozent der Arbeitnehmer schaffen außerhalb und kaufen dort auch größtenteils ein, wussten die Polit-Experten. Seitens der Agenda-Mitstreiter wurde angeregt, für den Rathausplatz eine Kampagne zur Attraktivitätssteigerung ins Leben zu rufen. Der Raum vor dem Rathaus müsse wieder als Platz wahrgenommen werden, er solle zur „Identität stiftenden Ortsmitte“ werden. Doch tauchte dabei die Frage auf, ob die Münsterer eigentlich einen solchen Platz wünschten: „Hat schon mal jemand diese Frage laut gestellt?“

„Können nicht auf Finanzunterstützung hoffen“

Dahms regte an, durch die Technische Universität und die Fachhochschule Darmstadt städtebauliche Lösungen entwickeln zu lassen. „Das kommt uns nicht so teuer. Wir können nicht auf große Finanzunterstützungen hoffen, denn der Gemeindesäckel ist leer“, wusste Dahms.

Der Platz bedürfe einer Infrastruktur, war man sich einig. Gastronomie und Geschäftswelt müssten gestärkt werden. Mehrere Maßnahmen sollen die Platz-Reanimation voranbringen. So will man die Kräfte bündeln. Die Interessengemeinschaft Rathausplatz steht in Verbindung mit dem Regionalmanagement Darmstadt-Dieburg und dem Gewerbeverein, die Agenda-Gruppe schließt sich den Bestrebungen an. Mit den ins Auge gefassten Rathausplatz-Aktionen will man Sympathie und weitere Unterstützer gewinnen. Über mögliche EU-Mittel will man sich schnellstens schlau machen.

Am 17. Juni ist das nächste Treffen der Interessengemeinschaft, danach will auch die Agenda-Gruppe wieder aktiv werden. Auch die Idee eines zu gründenden Rathausplatz-Vereins steht im Raum. „Hauptsache, wir gehen´s jetzt an“, lautete das Schlusswort.

Quelle: op-online.de

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