Luise Leonhard feiert 103. Geburtstag

...im Nu kam schon die Rente

Luise Leonhard erinnert sich noch genau an die Etappen ihres langen Lebens und schildert sie Dieter Friedrich. Foto: Frank

Münster (jas) - Gibt es ein Rezept für ein langes Leben? Diese Frage hat sich Luise Leonhard nie gestellt, sie war immer den Bedürfnissen des Alltags nachgegangen.

1908 geboren, bekam sie auf Empfehlung ihres Lehrers die Möglichkeit nach der Grundschule die Mädchenschule besuchen zu dürfen, was damals nicht alltäglich war. „Ich glaube, ich war halt schon ein bisschen Helle“, schmunzelt die rüstige Seniorin, die heute ihren 103. Geburtstag feiert und noch immer geistig fit ist.

Nach dem ersten Weltkrieg hatte sie ihre Ausbildung zur Kindergärtnerin absolviert und arbeitete für jüdische Familien, deren Kinder sie betreute. Doch lange konnte sie das wegen der politischen Situation nicht machen, und so kam sie während des Krieges heim nach Klein-Umstadt und half auf den elterlichen Äckern mit. „Dann fing ich an zu nähen und arbeitete in der Firma Blitz. Dort nähten wir die Abzeichen an Ärmel und Kragen auf die Uniformen und bekamen pro Stück zehn Pfennig. Wir Mädchen waren sehr stolz auf unser selbst verdientes Geld“, erinnert sie sich.

Schnell wurde ihr Talent offenbar und sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in die Maßabteilung für Herren und Damen versetzt. „Die Zeit verging sehr schnell, im Nu kam schon die Rente. Und da wir ja immer soviel verdient hatten, war sie natürlich enorm hoch“, schmunzelt die fröhliche Dame ironisch. Da blieb nicht viel mehr übrig, als weiter mit anzupacken, sei es auf den Feldern der Familie oder im 2 000 Quadratmeter großen Garten. „Wir hatten dort alles, was man brauchte, viel Obst, aber auch Nüsse und Gemüse“, erinnert sie sich. Mann und Kinder hatte sie nicht, aber in dem Haus in Klein-Umstadt lebten stets mehrere Familienmitglieder unter einem Dach, so dass immer ein buntes Treiben herrschte. Daran erinnert sich auch die Patentochter Hanne Schewe aus Eppertshausen. „Bei uns war immer so viel los und meine Tante war stets für uns alle da. Auch wenn wenig Geld vorhanden war, wurde alles geteilt. Sich gegenseitig zu helfen war selbstverständlich“, so Schewe.

Als Kind wurde sie oft von ihrer Patentante umsorgt und als diese vor einigen Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte, wurde nun der alten Dame von ihrer Nichte geholfen. Bis heute hält die Familie zusammen, denn über zu wenig Besuch kann sich Leonhard nicht beklagen, wie sie freudig erklärt.

„Ich fühle mich hier im Münsterer Seniorenwohnheim sehr wohl, vor allem mit meinem Wohnbereichsleiter Dieter Friedrich komme ich gut aus. Meinen großen Garten vermisse ich nicht, damit habe ich abgeschlossen, denn sonst kann man nicht neu anfangen“, erklärt sie und zeigt noch ihr Nähutensilien, mit denen sie sich ebenso gerne beschäftigt, wie mit den zahlreichen Rätseln, die gerne sie fleißig löst.

Quelle: op-online.de

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