Individueller Lückenschluss

Münster/Eppertshausen ‐ Es ist ein leidiges Thema in vielen Landkreis-Kommunen und es ist ein komplexes Feld: Die flächendeckende Breitbandversorgung. Von Thomas Meier

Gerade in Eppertshausen und Münsters Ortsteil Altheim schlugen und schlagen die Wellen des Protestes gegen langsame oder nicht vorhandene Internetzugänge seit Jahren hoch.

„Große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit versenden und empfangen zu können, ist ein Standard, den ein starker Wirtschafts- und Familienstandort braucht“, ist Landrat Klaus Peter Schellhaas überzeugt. Er versichert, Breitbandversorgung sei Daseinsvorsorge und somit Chefsache im Landkreis.

Viel haben der Landrat, die Wirtschaftsförderung des Landkreises und eine Arbeitsgruppe der Bürgermeister in den vergangenen Monaten getan, um das schnelle Internet auf Touren zu bringen. Gespräche wurden geführt, Pläne gemacht, Bestandserhebungen vorgenommen, Statusmeldungen erarbeitet, Bewertungen getroffen. An der Seite des Kreises steht dabei Arne Börnsen, ein kompetenter Berater und Türöffner. Der ehemalige Vize-Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post und frühere Bundestagsabgeordnete weiß, wovon er spricht und verfügt über eine ganze Reihe von wichtigen Drähten zu relevanten Netzbetreibern.

Das landrätliche Zauberwort heißt Lückenschluss

Börnsen wird in den kommenden Wochen und Monaten eine Vielzahl von Gesprächen in den Rathäusern der Kreiskommunen führen und dort die vom vorgenommenen Bestandserhebungen aus- und bewerten. Denn, so Schellhaas, „für alle 23 Städte und Gemeinden wurde das umfangreiche Datenmaterial ausgewertet, gibt es inzwischen Ausbauplanungen.“

Doch bei der Auswertung wurde bestätigt, was der Landrat lange schon vermutete: „Da liegt in der einen oder anderen Landkreiskommune mehr im Boden, als selbst vor Ort angenommen wurde, wir haben einen bunten Flickenteppich im Landkreis und den gilt es jetzt, zu verknüpfen.“

Das landrätliche Zauberwort heißt Lückenschluss – und der kann aus Sicht des Landrats erreichbar sein – und zwar bis zum Jahr 2012, wie auch Breitband-Experte Börnsen bestätigt – wenn alles glatt läuft und alle Beteiligten an einem Strang ziehen: Netzbetreiber, Landkreis und Kommunen.

Anders als im benachbarten Odenwaldkreis ist es im Kreis Darmstadt-Dieburg nicht nötig, ein neues, eigenes Netz aufzubauen. Ein Modellversuch rückt in den Blickpunkt: Der Kreis will hier austesten, welche Möglichkeiten das jüngst in Berlin beschlossene Telekommunikationsgesetz für Möglichkeiten bietet. Die Akteure auf dem Betreibermarkt arbeiten bislang nebeneinander her, das führt zu unbefriedigenden lokalen Verhältnissen. Landrat Schellhaas hat ein Beispiel parat: So fänden sich Straßen im Kreis, wo es Leerrohre von gleich drei Anbietern gäbe – „diese Nuss muss zu knacken sein“, so der Landrat, dem gleichwohl klar ist: „Eine Patentlösung gibt es nicht, ein Modell gibt es nicht und eine Schablone gibt es auch nicht – es geht jetzt um individuelle Lösungen.“

Und mit Blick auf die Finanzierungsfrage komme dem Landkreis zu Gute, dass auch der Regierungspräsident anerkannt hat, dass eine optimierte Breitbandversorgung als Daseinsvorsorge gilt.

Schellhaas beruhigt: „Die Breitbandversorgung wird mit öffentlichen Finanzmitteln unterstützt – wir liegen aber mit unseren Kalkulationen nach den jetzt vorliegenden Bestandserhebungen ganz deutlich unter den einst genannten 50 Millionen Euro.“

Quelle: op-online.de

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