Das Musikalisierungsprogramm „JeKi“ ermöglicht allen Regenbogenschülern eine Ausbildung

Instrument lernen: ein Kinderspiel

Schon das Mundstück eines Instrumentes ist eine Herausforderung. Im Unterricht meistern die Schüler sie. Foto: Jöckel

Altheim - „Jetzt legt mal die Lippen aufeinander und lasst Bläschen platzen. “ Eifrig ahmen Schüler aus den zweiten Klassen der Regenbogenschule nach, was ihnen Musiklehrerin Sabine Willand vormacht. Von Ellen Jöckel

Es ist eine Vorabübung für das Spielen auf einer Querflöte, eins der Instrumente, die von den Sieben- und Achtjährigen an diesem Vormittag in der Schule ausprobiert werden können.

Nachdem sie sich mit Gitarre, Trompete, Cello, Kontrabass, Geige, Posaune oder der Kistentrommel Cajon vertraut gemacht haben, müssen sich die Kinder entscheiden. Im kommenden Schuljahr haben sie die Möglichkeit, über „JeKi“ (Jedem Kind ein Instrument), einem Musikalisierungsprogramm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Hessischen Kulturministeriums und des Bundesbildungsministeriums, kostenlos das gewählte Instrument in der Schule zu erlernen. Zum Üben dürfen sie das kostbare Musikwerkzeug leihweise sogar mit nach Hause nehmen.

Seit August 2008 beteiligen sich 70 Grundschulen in Hessen an „JeKi“. In den ersten beiden Schuljahren erhalten die Kinder durch Lehrkräfte ihrer Grundschule und durch Musikschulpädagogen eine musikalische Grundbildung. Im dritten Jahr wird sie durch eine Stunde Musik zusätzlich und Instrumentalunterricht erweitert. Dieser Unterricht erfolgt in Kooperation von Musikschulen und Lehrkräften der Schulen.

So manchem Schulkind fällt die Wahl noch schwer: „Ich habe bei jedem Instrument einen Ton herausbekommen. Aber ich kann mich nicht entscheiden“, äußert sich der achtjährige Alexander stirnrunzelnd. Jan, Lara und Nina dagegen wissen schon ganz genau, was sie lernen wollen: „Gitarre“, rufen sie wie aus einem Munde. Sie stehen mit ihrem Wunsch nicht alleine da, denn das Instrument steht bei den Kids hoch im Kurs.

„Vielleicht stellen sich einige vor, sie lernen gleich, wie ein Rockstar zu spielen“, mutmaßt Musikpädagogin Brigitte Knirsch, die an der Regenbogenschule Gitarre unterrichtet und seit diesem Schuljahr die JeKi-Grundausbildung übernommen hat. „Zunächst muss aber die Basis stimmen. Wenn der Anfang schlecht läuft, lässt sich das später nicht mehr aufholen“, weiß sie.

Dabei käme der Spaß aber nicht zu kurz. „Ich verpacke das Lernen immer in ein Spiel und arbeite mit Bildern“, erzählt die Gitarrenlehrerin. Nach der Grundmusikalisierung seien die Kinder bereit für ein Instrument. „Sie haben ein Gefühl für Takt, Lautstärken und Tempi erlernt. Sie kennen die Rythmen, ohne sie bezeichnen zu können. Das lernen sie dann im Instrumentalunterricht“, so Knirsch.

Alle Kinder, auch diejenigen, die kein musikalisches Grundtalent besäßen, würden durch „JeKi“ in ihrer Persönlichkeit gestärkt. Auch die soziale Kompetenz werde gefördert: „Die lauten Kinder lernen, den stillen Aufmerksamkeit zu schenken. Die Ruhigen wachsen durch die Beachtung aus sich heraus“, führt die Musikpädagogin als Beispiel an. Wegen der begrenzten Zahl an Instrumenten könne sie allerdings nicht jedes Kind aufnehmen, welches Gitarre spielen lernen möchte. Damit die insgesamt 38 Schüler dieses Jahrgangs auch wirklich alle zum Zuge kommen, geben die Kinder noch einen Zweitwunsch an.

Finanziert werden die 70 Projektstandorte vom Hessischen Kultusministerium mit jeweils bis zu 20 000 Euro für Instrumente und Honorare. Zudem muss jede Schule eigene Leistungen über beispielsweise Sponsoren und Elternbeiträge erwirtschaften. „Ich nehme den Leitsatz ‘Jedem Kind ein Instrument’ wörtlich. Ich möchte, dass wirklich jedes Kind in den Genuss kommt, kostenlos ein Instrument zu erlernen. Dazu suche ich ständig nach Möglichkeiten, wie das Geld so verteilt wird, damit wir das gewährleisten können“, betont Schulleiterin Helga Blitz. An einigen anderen Schulen sei das Angebot beschränkt auf eine Klasse oder Arbeitsgruppe. Dann bestehe die Gefahr, dass gerade diejenigen, die zuhause keine Förderung erhielten, nicht erreicht würden, was dem Ziel von „JeKi“ genau entgegenstehe.

Für die Regenbogenschüler jedenfalls hört die Ausbildung nach drei Jahren Musikalisierung nicht auf: Kinder der vierten Klassen können in einem Musikensemble unter der Leitung der Musiklehrerin der Regenbogenschule Julia Häfner ihren erlernten Fähigkeiten erweitern. Zudem bietet die Schule, die jetzt den Titel „Musikalische Grundschule“ trägt, für alle Schüler zahlreiche weitere Möglichkeiten, musikalisch tätig zu werden.

Quelle: op-online.de

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