Kreatives Paten-Projekt in Münsters Bücherei gegründet

Mit Jörg Roßkopf Spaß beim Lesen

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Für das Leseprojekt mit Kindern und Migranten gibt es bereits eine eigene Leseecke mit Regal und viel Literatur in Münsters Bibliothek, darunter etliche zweisprachige Bücher.

Münster - Viele denken, lesen sei einfach. Nicht für alle: Manch einem fällt das Lesen lernen sehr schwer. Von Thomas Meier

Gründe dafür gibt es viele: Sprachbarrieren, Lese-Rechtschreibschwäche oder Legasthenie, kein Zugang zu adäquaten Büchern oder Zeit- und Kompetenzmangel im familiären Umfeld. Diesem Missstand abzuhelfen soll ein Projekt dienen, das gestern in Münsters Bücherei startete.

„Lies dich fit – wir machen mit!“ heißt es, und Initiatorin Jasmin Frank, überaus rührige Büchereileiterin, wird darin tatkräftig unterstützt. Bei einer Pressekonferenz gestern Morgen lobte so auch Bürgermeister Walter Blank nicht nur die zahlreichen ehrenamtlichen Projekt-Mitstreiter, sondern vor allem das Team der Bücherei. Vor allem Kinder, dabei besonders solche mit Migrationshintergrund, sollen mit der Faszination des Lesens vertraut gemacht werden.

Zu den Mitinitiatoren des Leseprojektes gehören rund 16 Lesepaten, allen voran die Mitorganisatorinnen Felicitas Göbel, Vorsitzende des Vereins „Lesen und Kultur für alle“, Heike Unterleider, Leiterin der Gruppe Eppertshausen/Münster des Landesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie Hessen (LVL), und die Schriftstellerin und Lyrikerin Inge Zahn.

Lesen als Integrationsgrundlage

„Eine gute Lesekompetenz zu entwickeln ist von großer, umfassender Bedeutung für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes“, erklärt Jasmin Frank. Lesekompetenz impliziere weit mehr als einfach nur Bücher lesen zu können: „Sie ist die Basis für schulisches und berufliches Fortkommen, für die Integration in unsere Gesellschaft, für die Teilhabe an einem selbstbestimmten Leben und für die Entwicklung von Phantasie und Kreativität.“

Gemeinsam mit dem LVL, dem Münsterer Leseverein und einem Generationen übergreifenden Team aus erfahrenen und engagierten Ehrenamtlichen – darunter Studenten, Schriftsteller und Lyriker sowie pensionierte Lehrer – will die öffentliche Bücherei Münster gerade den Kindern, die bislang keinen Bezug zu dem wichtigen Bildungsmedium Buch hatten, Spaß am Lesen vermitteln. Tatkräftige Unterstützung findet das Projekt in vielen weiteren Institutionen, darunter der Ausländerbeirat Münster, die katholische Pfarrgemeinde Sankt Michael und die Kinder- und Jugendförderung der Gemeinde Münster.

Ziel der Bücherei als Bildungseinrichtung ist es, durch die Kooperation mit verschiedenen Vereinen und Institutionen aus Münster und der Umgebung ein regelmäßigesLesetraining mit persönlichen Lesepaten für Kinder anzubieten, um über gesellschaftliche und ökonomische Grenzen hinweg Jungen und Mädchen in ihrer Lesekompetenz zu stärken.

Regelmäßige Vortragsreihe für Eltern

Seit gestern schmökern deshalb an jedem dritten Donnerstag im Monat um 16.30 Uhr die rekrutierten Lesepaten mit Kindern von sechs bis zwölf Jahren in möglichst kleinen Gruppen. Frank: „Durch die individuelle Betreuung werden Geschichten gemeinsam erlesen, erlebt und verinnerlicht. Das Gefühl der inhaltlichen Spannung der Lektüre wird mit dem Erlebnis der persönlichen Fürsorge durch den Lesepaten verknüpft, so dass eine vertraute Atmosphäre entsteht, in der Lesen lernen ein schönes Erlebnis ist.“

Flankiert wird das Leseprojekt von einer regelmäßigen Vortragsreihe für Eltern, Lehrer und andere thematisch Interessierte: Zu den Aspekten Legasthenie- und Dyskalkulie, Integration oder Inklusion werden aus dem Kooperationsverbund heraus Informationsabende in der Bücherei organisiert. Den Auftakt macht am 20. September um 20 Uhr die Leiterin der LVL-Gruppe Eppertshausen/Münster, Heike Unterleider, mit dem Thema „Legasthenie und Englisch“.

Als prominenter Lesepate konnteTischtennis-Nationaltrainer Jörg Roßkopf gewonnen werden. Durch einen Profisportler im Team sollen vor allen Dingen Jungen, die tendenziell eher keinen engen Bezug zu Büchern haben, dazu motiviert werden, an dem Lesepatenprojekt teilzunehmen. Ausgerechnet zum Projektstart weilte er gestern allerdings in China. „Die nächsten Termine wird er aber sicher wahrnehmen“, sagte Frank.

Das Projekt wird von den Kooperationspartnern beworben. Unter den Projektpartnern sind die VVB Maingau, die Sparkasse Dieburg und die Fraport AG.

Quelle: op-online.de

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