Von den Kängurus zu den „Can-Gurus“

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Fühlen sich in Münster wohl, sind aber auch gerne in Australien (von links): Sue Ferrers, Töchterchen Nina und Ehemann Steffen. Die Musiker haben sich auf einer Tournee kennen gelernt.

Münster - „Goldcoast“, goldene Küste – schon der Name der warmen Region an der Ostküste Australiens klingt vielversprechend. Wenn Sue Ferrers von ihrer Heimat spricht, leuchten ihre Augen. Von Ellen Jöckel

Das sonnige Gemüt der Queensländer hat sie mit nach Deutschland genommen und steckt die Menschen um sie herum mit ihrer herzlichen Art an. Bevor die 37-Jährige sich dazu entschlossen hatte, der Liebe wegen in Münster zu leben, hatte sie bereits viele Male Europa und auch Deutschland besucht.

Von 1997 bis 2004 tourte die Tochter eines Engländers mit italienischen Wurzeln und einer australischen Mutter mit der australischen Folk-Rock-Band „Popproperly“ durch Europa. „Das Reisen liegt mir im Blut, meine Eltern sind auch weit herumgekommen“, erzählt die ausgebildete Geigerin in tadellosem Deutsch. Die Deutschen seien ganz anders gewesen, als sie es sich vorgestellt hatte: „Ich habe gedacht, im Land der berühmten Komponisten haben die Einwohner einen Faible für Musik. Leider wurde ich diesbezüglich enttäuscht“, verrät die Australierin.

Sie bedauert, dass in Deutschland nur selten ausgebildete Musiklehrer an deutschen Schulen unterrichten und im Vergleich zu Australien wenige Kinder ein Instrument erlernen würden. Dass sich hier allerdings ein Wandel in der Wertschätzung von Musik im Unterricht abzeichnet, bekommt Sue Ferrers als Lehrerin für Streichinstrumente im positiven Sinne zu spüren. „Ich kann mich nicht beschweren. Ich habe insgesamt über 100 Schüler in fünf verschiedenen Schulen und privat unterrichte ich auch.“

Ein Deutschen-Klischee erfüllte ihr Mann

Auf ihrer Tournee durch Deutschland lernte Sue Ferrers ihren Mann Steffen Huther kennen. Bei einem Konzert im Schlosskeller in Darmstadt sind sie sich 1997 zum ersten Mal begegnet. Die Musik habe die beiden zusammengebracht, berichtet das deutsch-australische Paar. Steffen Huther spielte damals als Gitarrist in der Rockband „Prager Frühling“ und hatte seinen speziellen Kleidungsstil: „Als ich ihn zum ersten Mal sah, trug er Lederhosen und ich konnte es kaum glauben, dass die Deutschen wirklich so herumlaufen“, schildert Sue und blickt lachend zu ihrem Mann. Inzwischen treten die beiden gemeinsam mit ihrer Rockgruppe „Can-Gurus“ auf.

In Darmstadt habe ich zum ersten Mal Apfelwein probiert und seine Wirkung unterschätzt“, ergänzt sie. „Ungehemmt habe ich meine Deutschkenntnisse aus der Schule und von ‚Derrick’-Filmen an Steffen ausprobiert.“ Nachdem die beiden Musiker sich kennen und lieben gelernt hatten, besuchten sie sich drei Jahre lang abwechselnd in ihren Heimatländern, was auf die Dauer strapaziös und ziemlich teuer wurde.
Da Steffen aufgrund seines Alters zu diesem Zeit-ppunkt kein Arbeitsvisum in Australien erhalten hätte, entschloss sich Sue, die durch ihren Vater einen britischen Pass besitzt, im Jahr 2000 zu ihrer großen Liebe nach Deutschland zu ziehen.

Der Plan war, für sechs Monate zu kommen. Jetzt bin ich immer noch da“, äußert sich die Australierin schmunzelnd. Zuerst wohnten die beiden in Dieburg und zogen dann 2005 mit der damals zweijährigen Tochter Nina in das Haus von Steffens Großmutter nach Münster.

Bei jedem Wetter feste Schuhe

Nun ist Nina bereits ein Schulkind und hat den Vorteil gegenüber den meisten anderen Schülern, bereits perfekt englisch sprechen zu können. In Australien war die Sechsjährige schon vier Mal und hat dort zeitweilig die Schule besucht. Natürlich musste sie, wie dort üblich, eine Schuluniform tragen, die neben einem Hut mit großer Krempe aus Schutz vor der Sonne auch unangenehme Seiten hat: „Wir sollten, egal wie heiß es war, immer Strümpfe und geschlossene Schuhe tragen“, erklärt Nina. Die Schuhe dienen als Schutz vor giftigen Tieren. Abgesehen davon ist das Mädchen vom Wetter in Queensland angetan. Sie könne zu jeder Jahreszeit im Pool ihres Opas planschen, erklärt Ninas Mutter.

Zu sehen und zu hören gibt es die Musikerin beim Kinder-Konzert-Erlebnis auf Englisch kommenden Samstag, 19. September, in der Münsterer Gersprenzhalle. Weitere Infos hier

Denn im europäischen Winter ist in „Down under“ Sommer und einen kalten Winter gibt es in dieser Gegend ohnehin nicht. „Wir führen immer wieder Diskussionen darüber, wo wir leben wollen“, gibt Sue Ferrers zu. Sie sehne sich nach ihrer Familie und ihrer Heimat. Für Steffen sei es nach ihrer Heirat 2004 offiziell kein Problem mehr, nach Australien zu ziehen. Doch ihr Mann als alteingesessener Münsterer ist dagegen: „Ich möchte das, was wir erreicht haben, nicht aufgeben.“

Also versucht die Australierin, wenn möglich, einmal im Jahr in ihre Heimat zu fliegen. „Der Vorteil an Europa ist, dass die Länder so nahe beieinander liegen. So kann ich mit meiner Familie meine Reiselust befriedigen“, sagt die Globetrotterin augenzwinkernd.

Quelle: op-online.de

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