ZDF-Korrespondent Udo van Kampen

„Gemeinsame Stimme für Europa“

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Udo van Kampen spricht über die anstehenden Herausforderungen für die EU. Der Brüsseler ZDF-Korrespondent Udo van Kampen referierte auf Einladung der Sparkasse Dieburg in der Münsterer Kulturhalle über Europa.

Münster - Die EU ist ein interessantes Thema, es geht aber noch spannender: Als Sparkassendirektor Manfred Neßler Udo van Kampen und seinen Vortrag „Auf Europas Werte besinnen“ den Besuchern vorstellte, wusste er natürlich, dass der Leiter des ZDF-Studios Brüssel vorher als Korrespondent in New York tätig war und die Anschläge des 11. September direkt miterlebte. Von Michael Just

So ließ sich Neßler zusammen mit den rund 400 eingeladenen Gästen in der Kulturhalle zuerst schildern, wie der Journalist jenen Tag erlebte, der die Welt veränderte. Der 65-Jährige erzählte, wie vom ZDF-Büro in New York gut zu sehen war, wie nach dem ersten Einschlag im World Trade Center Rauch aufstieg und danach die zweite Maschine ins Blickfeld rückte, deren Kurs definitiv kein Zufall mehr war. „Danach waren wir eine Woche ununterbrochen auf Sendung“, sagte van Kampen.

Bei ihrer alljährlichen Vortragsreihe sucht sich die Sparkasse Dieburg stets einen bekannten Referenten aus, der über aktuelle politische oder wirtschaftliche Zusammenhänge und Hintergründe spricht. Kurz vor dem Amtsantritt des neuen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, konnte der erfahrene Leiter des ZDF-Studios Brüssel dafür kein besserer Mann sein, die Bedeutung Europas näher zu bringen.

Wie van Kampen, der in Sprendlingen aufwuchs, sagte, dürften der Juncker-Kommission „Riesenprobleme“ ins Haus stehen. Während Griechenland vergessen sei, verursache die katastrophale wirtschaftliche Situation Frankreichs und Italiens in Brüssel Sorge, dass die Euro-Krise zurückkommt. „Hier wäre kein Rettungsfond groß genug, um nur eines dieser beiden Länder aufzufangen“, konstatierte der Experte. Zeigten die derzeitigen Reformen in Frankreich keinen Erfolg, geht van Kampen davon aus, dass Deutschland Frankreich stützen muss („Das wird Deutschland was kosten“). Diese Hilfe sieht er als alternativlos: „Europa geht nur voran, wenn Frankreich und Deutschland enge Partner bleiben“. Das sei in Brüssel ein ungeschriebenes Gesetz.

Europa muss Kräfte bündeln

Für van Kampen ist es wichtig, dass Europa zukünftig seine Kräfte in vielerlei Hinsicht bündelt - auch im Kampf gegen IS. Europa müsse mit einer Stimme sprechen, 28 Außenministern könnten das nicht bewerkstelligen. Das gleiche gelte für eine gemeinsame Wirtschaftspolitik und die Angleichung der Sozialsysteme. Wie sich zeige, täten sich aber viele Mitgliedsstaaten mit der Abgabe von Souveränität schwer. Gelingt das nicht, wird laut dem Referenten das Überleben des Euro schwer und vieles bleibe ein Zukleistern von Sollbruchstellen.

Der EU-Kenner ging auch auf die Kritik gegen Brüssel als bürokratischer Moloch ein. Während ein Teil der Vorwürfe stimme, lägen manchmal Irrtümer vor, wie etwa, dass die EU nichts Besseres zu tun habe, als den Krümmungswinkel von Gurken festzulegen. „Die Kommission kommt nicht von selbst auf solche Regeln. Viel eher tritt sie bei Beschwerden auf den Plan“, erklärte van Kampen. Mit Blick auf die krummen Gurken hätten die europäischen Fruchtimporteuere moniert, dass es Verpackungsprobleme gebe.

Viele interessante Hintergründe

In seinem rund einstündigen Vortrag zeigte der Gast viele interessante Hintergründe auf, bezog aber auch selbst immer wieder eine klare Position. Dazu zählte, dass es richtig gewesen sei, Griechenland zu helfen und die Kritik, dass es bedenklich sei, dass die Europäische Union bei ihrer Geldmarktpolitik Aufgaben von Regierungen übernimmt. Am deutlichsten vertrat van Kampen sein Bekenntnis zum vereinten Kontinent: „Ich werbe für Solidarität und Vertrauen in Europa“, sagte er. Das Wertesystem und die Freiheit seien unvergleichbare Errungenschaften. Die große Friedensdividende führe nun die Ukraine-Krise vor Augen.

Über ein Lob durften sich zum Schluss auch die Sparkasse und die Volks- und Raiffeisenbanken freuen: In der Finanzkrise hätten sie, nicht zuletzt durch ihr Einlagensicherungssystem, für Stabilität gesorgt. Damit sei in Brüssel ein Renommee und Vertrauen erarbeitet worden, mit dem sich nun selbstbewusst auftreten lasse.

Quelle: op-online.de

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