Karl Reiß ist Sieger des OP-Fotowettbewerbs

„Bilder sollen nichts verfälschen“

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Karl Reiß ist nie ohne seine Kamera unterwegs: Regelmäßig fotografiert er bei Veranstaltungen in Münster.

Münster - Der Gewinner des Offenbach-Post-Fotowettbewerbs kommt aus Münster: Karl Reiß ist leidenschaftlicher Fotograf und lebt sein Hobby in jeder freien Minute aus. Von Jens Dörr 

Es ist einer dieser perfekten Schüsse, die wohl jeden Fotografen ein bisschen stolz machen: Bryan Adams rockt auf der Bühne, die Gitarre in der Hand, den Kopf gen Bühnenmikrofon gestreckt. Die Augen sind leicht zugekniffen, am Hals treten seitlich die Adern hervor. Die Energie, die der Sänger ausstrahlt, ist förmlich greifbar. Und Karl Reiß, nur wenige Meter entfernt, hält drauf: Das Bild des Musikers mit seinem Welthit „Summer of 69“ und etlicher anderer großer Songs ist eins, auf das der 61-Jährige aus Münster besonders stolz ist. Nach einem halben Jahrhundert, das sich der leidenschaftliche Fotograf bereits seinem Hobby widmet.

„Ich war schon bei Sting und habe für den Radiosender FFH die Auftritte von James Blunt und Bülent Ceylan vor ausgewähltem Mini-Publikum fotografiert“, erzählt Reiß. Auf der Frankfurter Buchmesse bekam er unter anderem DJ Bobo, Thomas Gottschalk und Schauspielerin Andrea Sawatzki vor die Linse. „Events, Konzerte, Partys – da bin ich zu finden“, sagt der Münsterer. „Und immer dort, wo in meinem lokalen Umfeld was Größeres los ist, vor allem in Münster und in Dieburg, aber auch wie kürzlich mal auf dem Schlossgrabenfest in Darmstadt.“ Ohne Zwang, ohne Druck, aus purer Passion, da es sich rein um „ein leidenschaftliches Hobby“ handele, wie er herausstellt. Um dann mit Blick auf den Interviewer, der ihn zuvor abgelichtet hat, anzumerken: „Das ist der Unterschied zwischen uns: Ich kann mir meine Aufträge aussuchen.“

Die führen ihn beispielsweise auf Feste in Münster, zur Dieburger Fastnacht – und vor allem überall dorthin, wo Musik erklingt: „Die Rock-, Pop- und Blues-Musik ist meine zweite Leidenschaft“, sagt Reiß, der sein Geld bei der Post verdient hat und seine Freizeit nach bewältigtem Arbeitsleben nun insbesondere mit der Jagd auf besondere Motive und die schönsten Gitarrenriffs gestaltet. Die Bilder stellt er ab und an lokalen Wochenblättern oder Magazinen zur Verfügung, ist aber keinem Auftraggeber strikt verpflichtet. „Ich könnte an einem Wochenende manchmal sechs, sieben Events fotografiere. Ich mache aber nur die, die mich interessieren und die auch für die Region besonders interessant sind.“

Sein künstlerisch-handwerklicher Ansatz dabei: „Meine Bilder sollen nichts verfälschen“, sagt Reiß. Das übermäßige Nachbearbeiten von Fotos, das Spielen mit Farben, Schattierungen und Kontrasten, der manchmal allzu heftig ausgelebte Fetischismus im RAW-Format sind nicht seine Baustelle. Das Bild soll bestmöglich bereits in der Kamera entstehen, freilich technisch sauber und mit aussagekräftigem Motiv. Vor allem jedoch sei die Authentizität seiner Werke entscheidend: „Ich möchte Situationen so darstellen, wie ich sie vor Ort erlebe. Was genau dabei herauskommt, hängt immer auch vom Moment ab. Bei Konzerten ist das Zusammenspiel von Band und Publikum, auch die Gesamtstimmung entscheidend, welches Bildmaterial schließlich entsteht.“

Reichlich Erfahrung, das Gebotene fotografisch zu veredeln, hat Karl Reiß dabei längst gesammelt. „Bei mir ging’s schon mit der Schülerzeitung los. Bei der Post kam später die Gewerkschaft wegen ihrer Publikationen auf mich zu.“ Mit 18 kaufte er sich seine erste Spiegelreflex-Kamera – „noch bei Quelle“. Große Marken passten damals noch nicht ins Budget des Münsterers. Am Anfang machte er viele Dias, „das war zu dieser Zeit total in“. Heute steht der Projektor bei ihm zuhause nur noch auf dem Abstellgleis. Inzwischen fotografiert Reiß, der einst mit Nikon begann, ausschließlich mit Canon. „Die 5D ist meine Hauptkamera, die 450D verwende ich als Nebenkamera.“

Die Initialzündung, zunächst mit einer Coolpix von Nikon und heute mit dem Canon-Equipment dort aufzutauchen, wo andere ausgelassen feiern, und auch in die Pressefotografie einzusteigen, erlebte Reiß übrigens in Münster: Dort gab es vor einigen Jahren eine Explosion in einem Haus am Bahnhof. „Die Sirenen haben geschrillt und ich bin hingegangen, um zu sehen, was passiert ist. Der große Medienauflauf mit zig Kameras und Reportern hat mich beeindruckt und fasziniert. Seither ist es über die Jahre hinweg immer mehr geworden.

Quelle: op-online.de

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