Katharina von Boras Liebesleid geist- und humorvoll umgesetzt

+
Skeptischer Blick der Katharina von Bora in Lukas Cranachs Atelier auf ein Bildnis von Martin Luther, mit dem sich Schauspielerin Miriam Küllmer-Vogt auch ohne dessen physischer Anwesenheit ein herrliches Zwiegespräch lieferte.

Münster (tm) - Der Reformationstag ist ganz dem Gedenken an Martin Luther und seinem Wirken für den Protestantismus gewidmet. In Münsters Martinsgemeinde wurde er am Mittwochabend durch ein ganz besonderes Schmankerl zu einem wahren Höhepunkt im Kirchenjahr.

Das Kammer-Musical „Wenn Engel lachen…“ füllte den Kirchensaal fast bis auf den letzten Platz. Die Liebesgeschichte der Katharina von Bora, in Szene gesetzt allein von Miriam Küllmer-Vogt, war erlebenswert. Küllmer-Vogt, die bundesweit als „Elisabeth von Thüringen“ ihr Publikum begeistert hat, spielt und singt die Katharina in diesem „Reformatorischen Kammer-Musical“ voller Leidenschaft, Spielfreude und Hingabe. Ihre Mimik und die Intonation des klassischen Stoffs zog alle Zuhörer und Zuschauer schnell in ihren Bann. Begleitet wurde sie von Peter Krausch am Klavier.

Schnell fühlte man sich trotz minimalistischster Kulisse vor Münsters Altar ins Wittenberg im Jahr 1524 versetzt, in dem sich einst die entlaufene Nonne Katharina von Bora unsterblich verliebte – in den Nürnberger Patriziersohn Hieronymus Baumgartner. Mutig wie das Original bat Küllmer-Vogt in der Martins-Kirche den (imaginären) Professor Luther, der Familie ihres Angebeteten einen Brief zu schreiben. Und der Reformator erklärte sich auch im Kammer-Musical dazu bereit; wenn Katharina ihrerseits ein gutes Wort für ihn bei ihrer Freundin Ava einlegt... In die hatte der Denker sich nämlich verguckt.

Herrlich spielte die Alleinakteurin am Mittwoch die Szene, in der die beiden im Atelier von Lukas Cranach versuchen, ihr Beziehungsleben in den Griff zu bekommen, als gleichzeitig die Reformation gerade zu scheitern drohte – an machthungrigen Politikern, aufständischen Bauern, schwärmerischen Splittergruppen und übereifrigen Pfarrern. Es gab in der Geschichte einiges an Aufklärungsbedarf. Für die Umsetzung des nicht unproblematischen Stoffes erntete die Darstellerin verdient brandenden Applaus.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare