Kein Appetit auf süße Lämmer

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Schäfer Siegfried Treuer erklärt den Kindern alles über die Schafhaltung. Der Begeisterung der „Naturfüchse“ konnte dabei auch das regnerische Wetter nicht schaden.

Münster ‐ „Heute will ich mal ein Schaf streicheln und es mit der Hand füttern“, meint der sechsjährige Erik. Er gehört zur Kindergruppe „Naturfüchse“ des Ortsverbandes Münster des Naturschutzbundes (Nabu) und besucht mit etwa zwölf anderen Kindern einen heimischen Schäfer. Von Jasmin Frank

Trotz des starken Regens, der an diesem Samstag vom Himmel fällt, freuen sich die Kleinen schon und auch die Erwachsenen sind gespannt und wollen alles über die Haltung der wolligen Tiere wissen. Dazu kann ihnen Schäfer Siegfried Treuer genau Auskunft geben. Er betreut seine kleine Herde gemeinsam mit seinem Sohn Torsten, der erzählt: „Wir haben als Handwerker beide laute Berufe, da tut uns die Ruhe und die Natur in der Freizeit gut.“

Die beiden haben derzeit etwa 21 Skudden, Deutschlands kleinste Schafrasse, die aus der Ostseeregion stammt und an Heidschnucken erinnert. „Wir nutzen die Tiere zwar als Fleischlieferanten, in erster Linie dienen sie aber der Landschaftspflege. Da sie auch mit kargen Wiesen zufrieden sind, kann man sie gut in Biotopen weiden lassen“, erklärt Treuer den Kindern.

Besonders süß fanden die Kinder die Lämmer.

Ein Steppke möchte wissen, was die Schafe denn eigentlich so fressen, worauf der Schäfer erwidert: „An sich nur das, was auf den Wiesen wächst, also Gras, Kräuter und ein wenig Buschwerk. Aber im Winter und vor allem jetzt, wenn die Lämmer kommen, füttern wir kleingeschnittene Zuckerrüben zu. Ganz wichtig ist, dass niemand außer uns die Tiere füttert, denn sie vertragen vieles nicht. Uns sind schon Schafe weggestorben, weil ihnen jemand frisches Brot gegeben hat.“ Nun sind die Naturfüchse ganz betroffen, denn sie hätten den Vierbeinern am liebsten etwas von ihrem mitgebrachten Proviant abgegeben.

Derzeit stehen die Schafe auf etwa 21 Hektar Fläche und ziehen, wenn dieses abgeweidet ist, auf ein anderes Stück Feld um. Schäfer Siegfried Treue ist nämlich kein Hüteschäfer, der umherzieht, sondern er betreibt Koppelhaltung. Nachdem er die Kinder ausführlich informiert hat, betritt der Schafsliebhaber die Weide und schüttet den Tieren das Futter in den Trog. Das Geräusch und ein kurzer Zuruf reichen aus und die Schafe kommen in einer langen Reihe herbeigerannt.

Fleisch kann bei den Schäfern gekauft werden

„Da hinten sind ja noch ganz kleine Babys, die sind ja so süß“, rufen vor allem die Mädchen begeistert. Aber die Lämmchen sollten zur Zeit lieber nicht gestreichelt werden, denn die Muttertiere passen argwöhnisch auf ihre Lämmer auf.

Am Ende eines spannenden Nachmittags weisen Vater und Sohn Treuer noch darauf hin, wie gut das Fleisch der Skudden schmeckt, es habe eine pikante Wildnote und kann zu Hause bei den Schäfern „An der Kirche 13“ in Münster gekauft werden. Doch davon wollen die Jungen und Mädchen lieber nichts wissen, sie freuen sich stattdessen schon auf das nächste Jahr, denn dann will der Schäfer einen Schafsvlies zum Filzen herrichten.

Quelle: op-online.de

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