Kein Geld mehr da für den Alleen-Ersatz

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Die Stümpfe der gefällten Amberbäume in der Goethestraße dienen heute allenfalls Schulbuben dazu, Unsinn mit ihnen zu treiben.

Münster ‐ Vor einem Jahr klingelten in der Redaktion die Telefone heiß: „Muss man wegen ein paar aufgeworfener Pflaster die Bäume absägen? Gibt es da denn keine Alternative?“, lauteten Fragen. Von Thomas Meier

Anfang März fielen in aller Frühe die ersten von insgesamt 100 Amberbäumen in der Goethestraße, beidseitig säumten die im Herbst so farbenprächtig rot strahlenden Zaubernussbäume auf rund 500 Meter die Straße, doch die Allee musste fallen, weil sich die Bürgersteige sowie Radwegestreifen durchs drängende Wurzelwerk wellten. Adäquater Ersatz wurde damals schnell versprochen, doch den wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Spendiert wird höchstens etwas Strauchwerk, Bodendecker, die kaschieren sollen, wo einmal die stolzen Stämme in die Höhe ragten, von denen die im Erdreich verbliebenen rund einen Meter hohen Reststummel bald beseitigt werden.

Die ganze Misere wurde bereits vor etwa 20 Jahren begründet, als die Stadt Bäume pflanzen ließ, deren Wurzeln sich flach unter dem Pflaster ausbreiteten statt in die Tiefe zu gehen. Bürgermeister Walter Blank bedauerte vor einem Jahr, die Allee fällen lassen zu müssen, sah jedoch keine Alternative, nachdem sich einige Fußgänger und Radfahrer bei Unfällen verletzt hatten. Man habe alles getan, die Bäume zu retten, versicherte er vor einem Jahr und konnte dies auch gut belegen.

Standfestigkeit war nicht mehr gewährleistet

Die Stadt ließ gar im weiten Vorfeld Expertengutachten erstellen. Im November 2007 wurde zur öffentlichen Anliegerversammlung geladen, bei der Anwohner mit Fachleuten diskutieren konnten. „Schon da wurde festgestellt, dass die Wurzeln, die dicht unter der Erdoberfläche verlaufen, nicht nur Stolpersteine produzieren, sondern auch die Versorgungsleitungen teilweise beschädigt haben“, erinnert sich Blank. Und weil die Standfestigkeit der amerikanischen Zaubernussbäume nicht mehr gewährleistet werden konnte und es beim nächsten Sturm zu „dramatischen Unfällen“ hätte führen können, waren die Sachzwänge gegeben: die schmucken Pflanzen mussten fallen.

Nicht ohne das einhergehende Versprechen, dass neue Bäume bei einer grundlegenden Erneuerung der Bürgersteige gepflanzt werden sollen. Wenngleich der Bürgermeister schon vor einem Jahr einschränkte: „Nur dahin, wo ihre Wurzeln keinen Schaden anrichten können.“ Zwischen den Bäumen waren kleinwüchsige Sträucher angedacht.

Komplette Erneuerung der Straße auf unbestimmte Zeit verschoben

Fest stand bereits vor zwölf Monaten, dass die Reparatur des angeschlagenen und aufgeworfenen Bürgersteiges nicht günstiger wäre, als eine Kompletterneuerung des Belags. Es gab und gibt einfach zu viele Stellen in der Goethestraße, die nachgebessert werden müssen.

Mit über 500.000 Euro rechnete Blank für die anfallenden Arbeiten, und er wusste: „Die konkrete Planung ist eine Frage der Finanzierung.“

Und eben diese kann in Zeiten knapper Kassenlage in der Kommune nicht in der gewünschten Weise realisiert werden. „Eine komplette Erneuerung der Straße ist auf unbestimmte Zeit verschoben“, bescheidet Bürgermeister Blank nun auf Nachfrage.

Die schlimmsten Stolpersteine ließ er vor einem Jahr gleich beseitigen. Und auch die noch verbliebenen Baumstümpfe, die an die einst stolze Allee erinnern, sollen nun ausgegraben werden. Der Auftrag hierfür ist bereits an eine heimische Straßenbaufirma vergeben worden. „Sobald der Boden nicht mehr gefroren ist, rücken die Arbeiter an“, versichert Blank.

Quelle: op-online.de

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