Auslandskorrespondentin Antonia Radost referiert

Keine Furcht vor Nahem Osten

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Die bekannte Nahost-Reporterin Antonia Rados referierte auf Einladung der Sparkasse Dieburg in der Kulturhalle Münster.

Münster - Bei manchen Fragen machen Referenten gleich zu Beginn darauf aufmerksam, dass es sich hier um ein schwieriges Thema handelt. Das tat auch die bekannte TV-Auslandsreporterin Antonia Rados am Dienstagabend in der Kulturhalle. Von Michael Just 

Dort referierte die Journalistin und Buchautorin auf Einladung der Sparkasse Dieburg zum Titel „Die arabische Welt in der Revolution: Gefahr oder Hoffnung?“ Der Zweckverband der Sparkasse Dieburg setzte mit einer Vortragsveranstaltung mit der Nahost-Expertin Antonia Radost seine Tradition fort, im Herbst einen bekannten Berichterstatter zu engagieren, der ein aktuelles, die Welt bewegendes, Thema erläutert. Da der Nahe Osten unvermindert die Nachrichten und die Politik der westlichen Welt beeinflusst, war man auch diesmal ganz nah am Puls der Zeit.

Zum besseren Verständnis erläuterte Rados erstmal geografische und historische Gegebenheiten. „Durch die große Ausdehnung vieler Länder mit Wüsten und Gebirgen sowie die dünne Besiedlung sind viele Gebiete schwer zu kontrollieren. Das macht die Bildung von Widerstands- und Terrorgruppen einfach, was regelmäßig zu politischer Instabilität und Chaos führt“, so die promovierte Politologin, die für ihre Reportagen schon den deutschen Fernsehpreis und den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus erhielt. Rados erinnerte daran, dass die arabische Welt große Errungenschaften, wie beispielsweise die ersten Krankenhäuser oder Universitäten, hervorgebracht habe. Diese Hochblüte sei allerdings lange vorbei. Heute hätten weite Teile der Bevölkerung keinen Bildungszugang.

Dafür habe die digitale Revolution Einzug gehalten. Das Handy bestimme den Alltag und die Informationsgewinnung junger Menschen und sei auch die Basis für den „arabischen Frühling“ gewesen. Durch nicht vorhandene Strukturen wäre man über Ansätze nicht hinausgekommen. Für die Zukunft bezeichnete die Referentin Demokratie und Menschenrechte im Nahen Osten als zweitrangig. „Gegenwärtig geht es primär um politische Stabilität und internationale Neuordnung“, erklärte Rados.

Auch wenn bei den Amerikanern die Interessen am Golf rückläufig seien, bezeichnete die Journalistin die Region als eine der wichtigsten der Welt. Daran habe sich seit der Antike nichts geändert. In ihren Erläuterungen referierte Rados frei mit vielen Bezügen zur Geschichte. Detailliert ging sie unter anderem auf das Verhältnis USA und Saudi-Arabien ein. Immer wieder blitzte ein großer Wissenschatz durch, den sie über Jahrzehnte von Libyen, über Afghanistan bis in den Jemen angesammelt hat. Wie vielfältig und verzweigt das Thema ist, wurde in Münster daran klar, dass zahlreiche Aspekte nur in einem Satz angerissen werden konnten. So fehlten Erläuterungen über Religion oder den politischen Islam fast in Gänze.

Für die Zukunft sieht die Expertin vor allem die Türkei und den Iran als aufsteigende und einflussreiche Mächte in der Region. Dass die Wirrungen im Nahen Osten Ängste nach Europa tragen, stuft Rados zwar als verständlich, aber dennoch als unbegründet ein. So herrsche zwischen Europa und der arabischen Welt immer noch viel gegenseitige Unwissenheit. „Fürchten Sie sich nicht zu sehr“, riet sie den Besuchern in der Kulturhalle. Unruhige Zeiten würden meist auch Erneuerung bedeuten. Vertrauenserweckend machte sie das am Beispiel Italiens im auslaufenden Mittelalter fest.

Das Fragezeichen hinter dem Titel des Abends ließ Rados bewusst stehen. „Die Zukunft vorhersagen war schon immer schwierig. Das gilt für den Nahen Osten genauso wie fürs anderswo“, konstatierte die Reporterin. In diesem Fall sollte man sich an erfahrene Propheten halten: „Die warten lieber die Ereignisse ab.“

Quelle: op-online.de

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