Familienzentrum St. Michael soll am aktuellen Standort neu gebaut werden

Keine Kita am Werlacher Weg

Das Familienzentrum St. Michael soll am aktuellen Standort (oben) neu gebaut werden und nicht auf dem ehemaligen Kläranlagen-Gelände am Werlacher Weg (unten).
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Das Familienzentrum St. Michael soll am aktuellen Standort neu gebaut werden.

Münster – Das Familienzentrum St. Michael Münster soll an seinem aktuellen Standort an der Gerhart-Hauptmann-Straße bleiben und dort neu gebaut werden, der mögliche, umstrittene Standort am Werlacher Weg ist vom Tisch. Das haben Münsters Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am Montagabend entschieden.

Wobei zumindest bei erstgenanntem Punkt nicht alle Vertreter abgestimmt haben. Denn wie bereits berichtet, hatte die SPD-Fraktion wegen der überschrittenen Sitzungszeit von drei Stunden geschlossen nicht an der Abstimmung teilgenommen. Damit haben CDU und FDP in ihrer Kooperation den von ihnen gestellten Antrag mehrheitlich beschlossen – ALMA-Die Grünen stimmten dagegen, die SPD-Stimmen wurden als Enthaltung gewertet –, die Planungen für einen Neubau der Kita St. Michael an ihrem aktuellen Standort voranzutreiben.

Klar ist: Bei einem Neubau müssten die Kinder in der Zeit des Abrisses und des Baus in einer Übergangs-Kita in Containern untergebracht werden. Die Kosten schätzt Jürgen Müller (SPD) auf mindestens 500 000 Euro, „aus beruflicher Erfahrung gehe ich aber eher davon aus, dass es doppelt so teuer wird“. CDU-Fraktionschef Thorsten Schrod tat die Rechnung schnell ab und sprach dabei von einer „Fantasiezahl“. Stattdessen will er die Planungen für die neue Kita unbedingt schnell vorantreiben. Schließlich liegen seit der ersten Begehung des Grundstücks am Werlacher Weg und jetzt schon drei Jahre.

„Das sind alles Gründe, die aus der Feder eines Sparfuchses der FDP stammen könnten.“

Jörg Schroeter, FDP-Fraktionsvorsitzender

Müller sprach davon, dass die neue Planung das Vorhaben erneut um zwei Jahre zurückwerfen würde. „Damit bremsen wir uns selber aus.“ Außerdem sei der Neubau am Werlacher Weg „nach Abwägung aller Belange die beste Möglichkeit“. Auch, wenn er „kein Fan“ von diesem Standort sei. Schließlich sei das Grundstück in direkter Nähe zum Gersprenzstadion und als Gemeindeeigentum die günstigste Lösung.

„Das sind alles Gründe“, sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Jörg Schroeter augenzwinkernd, „die aus der Feder eines Sparfuchses der FDP stammen könnten.“ Er verstehe auch Müllers Argumente gut, zählte sie auch als Punkte für einen Bau auf dem Gelände am Werlacher Weg auf. Allerdings sei das Gelände „nicht nur nicht ideal, sondern ungeeignet“. Zu den Gegenargumenten zählt vor allem die Geruchsbelästigung: die Kläranlage in der Nähe, dazu die nahe arbeitenden Landwirte – wovon einer noch weitere offene Ställe für Schweine plant. Schrod ergänzte hierzu noch die Nähe zur direkt neben dem Grundstück verlaufenden Gersprenz. Vor allem mit Blick auf Hochwasser.

Der mögliche neue Kita-Standort auf dem ehemaligen Kläranlagen-Gelände am Werlacher Weg ist mittlerweile vom Tisch.

Die Fraktionsvorsitzenden von SPD, Elke Müller, und ALMA-Die Grünen, Julian Dörr, forderten, dass man die Planungen nicht direkt verwerfen solle. Schließlich hätte man mit dem Beschluss nur die Aufstellung des Bebauungsplans in Auftrag gegeben und nicht direkt den Bau beschlossen, erinnerte Müller. Auch Dörr betonte: „Wir sind nur dagegen, die Planung direkt abzulehnen.“

Doch gebracht hat’s nichts. CDU und FDP haben mit ihrer Mehrheit gegen den Beschluss gestimmt – ebenso wie sie schon eine Woche zuvor im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss gegen die Beschlussempfehlung gestimmt haben.

Neubau Familienzentrum St. Michael soll zweistöckig werden

Mit dem Neubau auf dem aktuellen Gelände soll das Familienzentrum St. Michael nun zweistöckig werden, um die Anzahl der Gruppen zu erhöhen und damit neue Kita-Plätze zu schaffen. Einzweistöckiges Gebäude wird allerdings teurer als mit nur einem Stockwerk. Neben statischen Gründen muss beispielsweise auch der obere Stock barrierefrei erreichbar sein. Sprich: Es müsste wohl ein Aufzug installiert werden. Das alles muss nun geplant werden.

Doch auch mit dem Neubau an alter Stelle, bekommt in Münster nicht jedes Kind einen Kita-Platz. Um eine 100-Prozent-Versorgung zu gewährleisten müsste demnach noch eine weitere Kita gebaut werden. „Wir regen an“, sagte Schroeter, „so schnell wie möglich mit der Suche nach einem weiteren Standort zu beginnen.“ (Von Lars Herd)

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