Scharfe Kritik der Künstler

Keine Kunst mehr zwischen Kerb

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Ein Bild, das der Vergangenheit angehört: „Kunst in Münster“ im Saal der Kulturhalle ist wohl dauerhaft gestorben.

Münster - Seit 2000 war es ein fixer Termin im Veranstaltungskalender: „Kunst zwischen der Kerb“, seit 2014 profaner „Kunst in Münster“ benannt. Von Jens Dörr 

Stets nach der Münsterer und vor der Altheimer Kerb zeigten rund drei Dutzend Designer, Maler und Bastler mehreren hundert Besuchern ihr Kunsthandwerk, zuletzt im großen und auch ausgebuchten Saal der Kulturhalle. In diesem Jahr fällt „Kunst in Münster“ aus – und wird auch wohl nicht wiederkommen. Auf Nachfrage teilt die Gemeinde, die die Schau zusammen mit einem „Künstler-Stammtisch“ organisierte, mit, weshalb dem so ist.

Aus dem Rathaus werden vor allem „abgeflaute Besucherströme“ und „Enttäuschung bei Ausstellern und Besuchern“ in den vergangenen Jahren als Gründe genannt. Beides kann schwer nachgewiesen, aber auch schwer abgestritten werden. Schließlich war der Eintritt zur Ausstellung frei, wurden die Besucher nicht gezählt. In den Gesprächen vor Ort, die unsere Zeitung in den vergangenen Jahren regelmäßig besonders mit Ausstellern führte, kam eine Enttäuschung über den Zuspruch selten zum Ausdruck. Was allerdings ebenso wenig repräsentativ ist.

Fakt war hingegen, dass die Nachfrage der Aussteller ungebrochen war – mit 40 Künstlern und 28 Ständen erreichte „Kunst in Münster“ noch 2016 seine Kapazitätsgrenze, obwohl in der Kulturhalle sogar die Wände zwischen Saal und Foyer im ersten Stock entfernt wurden und der gesamte Bereich für Vernissage plus zwei volle Ausstellungstage genutzt wurde. Einen anderen Fakt liefert das Rathaus: „Die Kosten beliefen sich zuletzt auf 8 000 Euro. Damit war,Kunst in Münster’ die für die Gemeinde teuerste Veranstaltung im Jahr 2016.“ Die Ausstellung war nicht Teil jenes Münsterer Kulturprogramms, das Bürgermeister Gerald Frank kurz nach seiner Wahl ins Leben gerufen hat und das zu einem Teil auch aus Sponsorengeldern ortsansässiger Unternehmen bezahlt wird.

Deutlich wird in der Stellungnahme aus dem Rathaus auch, dass sich die Gemeinde mit „Kunst in Münster“ zuletzt etwas allein gelassen fühlte: „Ausschreibung, Anmeldeverfahren, Versicherungsschutz, Werbung und Pressearbeit, Organisation der Vernissage und Veranstaltung, Aufbau und so weiter lagen allesamt in personeller und finanzieller Weise ausschließlich bei der der Gemeinde.“ Das Gespräch mit den als „loser Kreis“ organisierten Künstlern habe sich „oft als schwierig erwiesen“. Man habe seitens der Gemeinde einen „rechtsverbindlichen Ansprechpartner vermisst.

Die Gründung eines Vereins lehnte der Stammtisch allerdings ab. Ebenso nicht einverstanden waren die Münsterer Künstler (die neben solchen von außerhalb bei „Kunst in Münster“ nur einen Teil der Aussteller ausmachten) mit dem Vorschlag von Frank, im Rahmen der jüngsten Gewerbeschau in einem „Kunstzelt“ auszustellen. Als Vorschlag für eine Dauerlösung für „Kunst in Münster“ brachte der Bürgermeister das Museum an der Gersprenz ins Spiel. Beide Vorschläge lehnten die Künstler ab.

Eleonore Heckwolf vom Stammtisch, die in ihrer Freizeit Teddybären fertigt und in den vergangenen Jahren als Mitorganisatorin und Sprachrohr der Künstler auftrat, nimmt zum Aus für „Kunst in Münster“ wie folgt Stellung: Generell seien die Vorwürfe aus dem Rathaus gegenüber den Künstlern „happig“. Es gehe „nur um die Kosten und um nichts anderes. Die wollten uns weghaben.“ Der Stammtisch habe sich inzwischen aufgelöst: „Wir machen nicht mehr weiter – außer vielleicht, wenn ein neuer Bürgermeister kommt.“

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Der Ball liege mitnichten bei den Künstlern. 2016 sei zwar „mies“ verlaufen, allerdings wohl nur, weil „schlecht plakatiert“ worden sei. Jeder der 40 Künstler habe für das Wochenende außerdem 36 Euro bezahlt, wodurch ein finanzieller Beitrag geleistet worden sei. Eine Vereinsgründung sei wegen der wechselnden Aussteller unsinnig gewesen: „Wir hätten maximal 16 Mitglieder gehabt.“ Plan B mit dem Umzug ins Museum an der Gersprenz sei indiskutabel gewesen, weil der Schauplatz viel zu klein sei.

Auch wenn Frank und Gemeinde betonen, die Tür bleibe „für Gespräche offen“ und eine Fortsetzung in 2018 sei noch möglich, schließt Eleonore Heckwolf dies nach Auflösung des Künstler-Stammtischs aus: „Es ist vorbei!“

Quelle: op-online.de

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