Keine Rettung mehr für die Bäume

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Nur noch ein Stumpf ist vom Baum übrig geblieben.

Münster - „Muss man wegen ein paar Pflaster die Bäume absägen? Da gibt es doch bestimmt eine andere Alternative.“ Es ist kurz nach 9 Uhr am Dienstagmorgen, als ein echauffierter Leser in der Redaktion anruft. Zum selben Zeitpunkt fallen die ersten von insgesamt 100 Bäumen in der Goethestraße. Von Kathrin Rosendorff

„Persönlich tut es mir sehr weh, dass die Bäume weg müssen. Besonders im Herbst war diese Allee mit den rot gefärbten Blättern einfach sehr schön“, sagt Bürgermeister Walter Blank. „Aber die Baumwurzeln haben die Pflastersteine soweit angehoben, dass es schon zu einigen Unfällen bei Fußgängern und Radfahrern gekommen ist. Und nein, leider gab es auch keine andere Alternative. Wir haben wirklich alles versucht, diese Bäume zu retten.“

Einer der 100 Bäume, der sein Leben lassen muss, damit Fußgänger und Radfahrer nicht weiterhin auf der Goethestraße über von Wurzeln angehobenes Pflaster stolpern müssen.

Und zwar hat die Stadt ein Experten-Gutachten erstellen lassen. Die ersten Bewertungen hatte der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss bereits im Juni 2007 abgegeben. Im November 2007 gab es eine öffentliche Anliegerversammlung, wo die Anwohner mit Fachleuten diskutieren konnten. „Schon da wurde festgestellt, dass die Wurzeln, die dicht unter der Erdoberfläche verlaufen, nicht nur Stolpersteine sind, sondern sie auch die Versorgungsleitungen teilweise beschädigt haben“, erklärt Blank.

Die Idee mancher Baumfreunde, einfach die Wurzeln zu kappen und die hübsch anzusehenden Schattenspender somit weiter leben zu lassen, sei nicht nur nicht möglich, sondern mit Gefahren verbunden. „Die Standfestigkeit der amerikanischen Amberbäume wäre nicht mehr garantiert und das könnte beim nächsten Sturm wirklich zu dramatischen Schäden und Unfällen führen.“

Bis Ende der Woche sollen die 100 Bäume abgeholzt sein, meint der Bürgermeister. Das sind fast alle auf der Goethestraße. Wie viele Bäume es denn genau gäbe, das kann der Bürgermeister auf keinem Zettel seines dicken Leitz-Ordner finden. Und ja, es sollen neue Bäume gepflanzt werden. „Aber nur dahin, wo ihre Wurzeln keinen Schaden anrichten können.“ So sind zwischen den Bäumen kleinwüchsige Sträucher angedacht.

Fest steht, dass die Reparatur des bisherigen Bürgersteiges nicht günstiger wäre, als eine Komplett-Erneuerung des Belages. „Es gibt einfach zu viele Stellen an der Goethestraße, die nachgebessert werden müssten“, betont Blank.

Mit über 500000 Euro rechnet Blank für die gesamten Arbeiten. „Die konkrete Planung ist eine Frage der Finanzierung.“ Als nächster Schritt werden erst einmal die Stolpersteine beseitigt.

Quelle: op-online.de

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