Altheimer feiern Kerb

Die Tradition aufrechterhalten

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Die Organisatoren der diesjährigen Kerb, der Fanclub der Eintracht, war selbstverständlich mit einem eigenen Wagen beim Umzug vertreten.  

Altheim - Spaß in Altheim: Organisator verhindert Kerbkranz-Klau nur knapp. Kerbvadder Jürgen Ziebold sorgt für beste Unterhaltung.  Von Michael Just 

Gleich geht der Kerbumzug in Altheim los, nur noch eine Viertelstunde dauert es. Während Klaus Damm, einer der Organisatoren, mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt ist, sieht er im Augenwinkel, wie sich Mitglieder der Harreshäuser Kerbburschen am großen Kerbkranz, der von einem Traktor getragen wird, zu schaffen machen. „Hey, hey“, ruft Damm zweimal ganz laut. Danach nimmt er die Beine in die Hand und flitzt los, um das Stibitzen zu verhindern. Das Ansinnen der Jungs ist eigentlich nicht ganz nachvollziehbar, denn da Altheim keine eigenen Kerbburschen hat, verpflichtete man die Vertreter des Nachbarortes, die damit ein Stück weit zu Lokalmatadoren wurden. Den versuchten Klau des Kranzes, den Damm noch rechtzeitig unterbinden konnte, nahm dieser aber gelassen: „Die wollten doch nur Freibier“, sagt er schmunzelnd mit Blick auf die alten Traditionen.

Am Wochenende feierte Altheim seine Kerb. In diesem Jahr übernahm der Eintracht-Fanclub die Organisation , bei der sich der Verein im dreijährigen Turnus mit Feuerwehr und TSV abwechselt. Nach dem gutbesuchten Kerbantrinken am Freitag in der Gaststätte „Ozeano“, stand am Sonntag mit Umzug und Kerbspruch der Höhepunkt an. Am gestrigen Montag folgte noch der Abschluss an der vom Fanclub betriebenen Weinlaube. Beim Gottesdienst am Sonntag stellte Pfarrer Ulrich Möbus die Kerb in den Mittelpunkt seiner Predigt. Wie er sagte, vermisste er allerdings jene Kerb-Vertreter, die hier eigentlich in der ersten Reihe hätten sitzen müssen.

Viele ehrenamtliche Helfer sind notwendig

„Die Organisation ist schon aufwändig“, sagte Klaus Damm auf Nachfrage und erinnerte daran, dass es nicht wenige Leute braucht, die sich zum Errichten der Laube, dem Kerbcafé im Gustav-Schoeltzke-Haus oder den Formalitäten für den kleinen Rummelplatz engagieren. Neben den Vorstandskollegen fanden sich dafür rund ein Drittel der 120 Mitglieder des Fanclubs. Der Kerbzug bestand aus 14 Wagen. Besonders abteilungsstarke Vereine im Ort, wie die Feuerwehr, stellten mit dem Blasorchester und der Löschgruppe nicht nur einen Wagen. Nach über fünf Jahren der Abstinenz war wieder die Hauptstraßengemeinschaft dabei. Angeführt wurde der Zug vom Gesangverein, der mit Luftballons und Infotafeln in Sandwich-Manier für sein laufendes Chorprojekt warb. Die Gruppen warfen Bonbons oder reichten Getränke, neben Bier und Klopfer auch das Szenegetränk Hugo, wie es der Wagen des Pilsstübchens tat.

Während in vielen Gemeinden der Kerbvadder verschwindet, weil das Schreiben der Rede ziemlich zeitaufwändig ist, kann Altheim diese Tradition noch aufrechterhalten. So greifen die ausrichtenden Vereine immer wieder gerne auf Jürgen Ziebold zurück. Der 70-Jährige wohnt zwar schon seit 1990 nicht mehr im Ort, die Verbindung zur Heimat hat der Wahl-Nordhesse, der sich in der Nähe von Eschwege wohlfühlt, aber nie verloren. Mit dem einstigen Werkzeugmacher verfügt man über einen verlässlichen Kerbvadder, der die Rolle kaum besser ausfüllen könnte. Das gilt sowohl optisch - Ziebold ist Bartträger - als auch für die eingebrachte Passion. Die Begebenheiten im Ort lässt er sich in Stichworten schicken und formuliert diese dann mit Pointen und in Reimform aus. „Das schreibe ich nicht an einem Nachmittag. Viel eher notiere ich mir spontane Einfälle, die dann ein Ganzes ergeben“, erzählte er.

So feiern die Altheimer Kerb

Altheimer feiern Kerb

Diesmal konnte Ziebold aus dem Vollen schöpfen, was Missgeschicke und heitere Geschichten anging. Fast 40 Minuten Kerbspruch kamen zusammen, bei der der Redner von den attraktiven Kerbdamen Miriam Weihert (25) und Iris Neumann (29) flankiert wurde. Gleich mehrere Begebenheiten lieferte der Eintracht-Fanclub, wie die eines Fans, der zum weiten Auswärtsspiel der Europa-League nach Porto reiste. Dort angekommen, war er so müde, dass er die Fahrt ins Stadion verschlief. Das Spiel schaute er sich dann im TV im Hotel an.

Die wohl schönste Geschichte präsentierte Ziebold gleich zu Beginn, als er von einer Seniorin erzählte, die bei einem Fest ihren Rollator vergaß. Ihre Beine trugen sie derart problemlos nach Hause, dass sie den Verlust erst in den eigenen vier Wänden bemerkte. „Wein macht eben müde Beine wieder munter“, bemerkte Kerbvadder Ziebold treffend über die rüstige Altheimerin.

Quelle: op-online.de

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