Kerb ist auch für die Älteren

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Die Kerb startete am Freitag mit der Kerbolympiade der Jahrgänge. Schwierig erwies sich dabei, von einem Tablett eine Flasche so hochzuwerfen, dass sie eine Umdrehung macht und danach wieder auf dem Tablett steht oder zumindest landet.

Münster - Sie haben Spitznamen wie Föti, Fips, Kiste, Hemdche, Dabbes, Löckchen oder Schnorres, was lustiger klingt als die bürgerlichen Namen Patrick, Lukas, Jannik, Philipp oder Robin. Von Michael Just

Die Rede ist von den Kerbborsche 2012, die bei der „Minsderer Kerb“ ihren großen Auftritt hatten. Schon am Freitag konnte sich ein Teil von ihnen während der Kerb-Olympiade der Jahrgänge beweisen. Kerbübergabe und Proklamation fanden dann am Samstag statt, während der Sonntag ganz im Zeichen des Kerbspruchs und des bunten Umzugs stand.

Bei der Olympiade, die im vergangenen Jahr ihre Premiere feierte, traten zum Auftakt für ein langes Kerbwochenende sechs Teams mit jeweils fünf Teilnehmern gegeneinander an. Das waren die Jungs der Kerbjahrgänge 2012, ‘11, ‘09 und ‘07. Für Emanzipation sorgten die Doaschde-Mädels 2011 und 2010. Im Vordergrund standen Geschicklichkeitsspiele wie Kronkorken angeln, Bierdeckel werfen oder Tischtennisbälle mit Strohhalm ansaugen und in ein Glas bugsieren. Dazwischen und danach legte DJ Joyce immer wieder fetzige Lieder auf.

Alters-Bändchen für den Alkoholausschank

Die Abwandlung des einstigen „Kerbantrinkens“ am Freitagabend in eine Olympiade sieht Dieter „Hop-Hop“ Schneider, Vorsitzender des Kerbvereins, als sinnvoll. „Wir haben um 20 Uhr gleich angefangen und wollen auch früh wieder aufhören“, sagt er mit Blick darauf, dass die Kerb immer jugendlastiger wird. Am Autoscooter liegt das Durchschnittsalter bei 16, im nahen Festzelt nur zwei bis vier Jahre darüber.

Die Tatsache, dass viele Heranwachsende ihre Grenzen nicht mehr kennen, brachte neue Herausforderungen und strengere Auflagen der Gemeinde mit sich. Eine Konsequenz: Am Eingang gibt es die Alters-Bändchen für den Alkoholausschank. Um betagtere Münsterer wieder für die Kerb zu begeistern, wurde für den Montag eine Senioren-Kerb mit Frühschoppen und Volksmusik etabliert, bei der der Kerbspruch vor den Gästen wiederholt wird.

Auf 21 Kerbborschen kann Münster 2012 blicken. „Die sind nicht schwer zu finden. Meistens setze ich was in die Zeitung“, berichtet Schneider, der 1980 selbst mit Schleife und Strohhut unterwegs gewesen ist. In der Folge stehen mehrere Treffen an, um sich kennenzulernen. Dann wird zusammen Fußball geschaut oder der Vorsitzende kommt zum Stammtisch vorbei. Laut dem 50-Jährigen läuft das in der Regel sehr gut. Der Frage, inwieweit es noch um Tradition geht, begegnet der Beamte mit einem Lachen: „Die Älteren wie ich haben das noch im Sinn, bei den jüngeren Jahrgängen muss man aber zunehmend sagen, dass hier die Party und das Abfeiern im Vordergrund stehen.“

Das Gefühl, Kerbborsch zu sein: „Der Wahnsinn“

Doch zeigt sich Schneider mit den neuen Kerbborsche und deren Charakteren zufrieden: „Auf ihre Art sind sie alle in der Reih‘.“ Beim Organisieren hätte dem Trupp aber ein wenig mehr einfallen können. „Hut, Hose, Hemd, den geschmückten Bulldog oder die Kerbpuppe bekommt man schließlich nicht geschenkt. Zum Glück gibt es aber uns vom Kerbverein und die Eltern, die dafür sorgen, dass aus der Kerb was wird“, resümiert der Münsterer Vereinschef lachend.

Das war am Samstagabend bei der Übergabe der Kerb und dem anschließenden Auftritt der Band „Charisma“ aber alles vergessen. Bei der Proklamation hatte Schneider in unterhaltsamer Mundart zu jedem Kerbborsch einen treffenden Spruch parat. Die durften dabei einzeln wie kleine Stars ins gut gefüllte Zelt einlaufen und sich feiern lassen. Die Stimmung heizten mit ihren unverwechselbaren Blas- und Trommeleinlagen die lokalen Hinnergassebuwe an. Als die Kerbjünglinge dann mit ihrem neuen Kerbvadder Marlon Diller die Kerbpuppe in den Händen hielten, gab es kein Halten mehr: Freudetaumelnd lag man sich mit dem alten Kerbjahrgang minutenlang in den Armen und die Kerbsirene wurde gedreht, was das Zeug hielt. Das Gefühl, Kerbborsch zu sein, brachte Lukas „Löckchen“ Fischschneider für alle auf den Punkt. Ihm genügten dazu zwei Worte: „Der Wahnsinn.“

Quelle: op-online.de

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