Viele Höhepunkte

Kerbrede lässt auch Wahl nicht aus

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Im Festzelt hingen die Besucher an den Lippen der Vortragenden, als die Kerbrede verlesen wurde. - Fotos: Back

Münster - Mit Umzug und Kerbspruch am Sonntag schwang sich die Minsderer Kerb nach ihrer Übergabe und der Proklamation der Kerbborschen am Vorabend zu den nächsten Höhepunkten ihres viertägigen Daseins. Von Peter Back

18 Zugnummern, vorwiegend bestehend aus Kerbborschen unterschiedlicher Jahrgänge, starteten fast pünktlich bei schönstem Festzugswetter südlich des zur Kerbmeile umfunktionierten Bereichs der Darmstädter Straße. Sie zogen mit reichlich Musik, teils selbst gemacht, teilweise aus der Konserve, über die Leipnizstraße, den Bahnhofsplatz und die Bahnhofstraße zurück zum Dalles. Immer wieder schwappte die gute Stimmung der Zugteilnehmer auf die Gäste über, die am Wegesrand, an denen zahlreiche Bürger ihre Häuser in den Kerbfarben rot und weiß geschmückt hatten, gut gelaunt warteten und sich hier und da zu Tanzeinlagen mit den Kerbborschen verbrüderten. Die 1949 und 1950 geborenen und zu gestandenen Männern erwachsenen Burschen des ältesten teilnehmenden Jahrgangs 1969 waren sich ihrer großen Festerfahrung bewusst, führten sie doch hinter dem Wappen des Kerbvereins den Zug an, dem die „Doaschdemädels 2010“ zusätzlichen Glanz verliehen.

18 Zugnummern umfasste der Kerbumzug, den überwiegend ältere Jahrgänge bestückten.

Nachdem der Kerbkranz, vor allem unter dem mutigem Einsatz von Kerbborsch Tobias Griebel alias „Schwarzer Peter“, am ehemaligen Storchenschulhaus aufgehängt war und die Hinnergassebuwe die Stimmung im Festzelt zum Siedepunkt gebracht hatten, war Zeit für den Jahresrückblick auf Münsterer Art.

„Die Kerbred ist zu End getext, de Neugier bei de Münsterer wächst, was wird er dies’ Jahr uns verkünde? - Von gute und von schlechte Sünde?“ eröffnete Stefan Schneider, als „Kloa Hop-Hop“ Kerbvadder 2006, den Kerbspruch, mit dem er zusammen mit Stefan Hebeling den aktuellen Kerbvadder „Little Hadschi“ vorzüglich vertrat, der aus privaten Gründen auf den Vortrag verzichtete.

„Ein neuer Kandidat muss her“

Ob Biogasanlage „Mir wolle kein Lärm, kein Gestank, kein Verkehr, die so eine Anlage bringt uns dann her!“, der angedachte Sportpark in der Münsterer Mitte, die Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr – „Unser Walter will nicht mehr, en neue Kandidat muss her“, viel Ortsgeschehen wurde durch den Kakao gezogen. So auch die rasche Nominierung des CDU-Kandidaten Udo Beutler, der die Tradition seiner Vorgänger weiterführen will: „Eins nur geb ich zu bedenke, wer in den Spuren andrer geht, nur schwer für eigne Dinge steht! Doch eins ist sicher, nur der wird gewählt, der hinner unsrer Kerb hier steht!“

Zur Kerbrede wurde viel Lokalgeschehen beleuchtet.

Die rührigen Aktivitäten des MGV fanden Lob: „Jeder wollt sie hören, jeder wollt sie sehen, ,Men around the world’ ließ sich keiner entgehen“, ebenso das gut besuchte Sommerkonzert der IG Rathausplatz, die „East River Night“ am letzten Samstag des März, das jährliche Weinfest des Sportvereins oder die Fertigstellung des Spielplatzes im Inselviertel nach fünf Jahren Bauzeit: „Im Wettbüro konnte man wetten was wohl früher fertig wär, das Ende der Amtszeit von Bürgermeister Walter Blank oder der Spielplatz, Gott sei Dank!“

Bilder der Kerb in Münster

Kerb in Münster

Mit ihren pointierten Sätzen legten die beiden die Finger in Münster Wunden und Merkwürdigkeiten des vergangenen Jahres, lobten aber auch Außergewöhnliches. Auch die nördliche Nachbargemeinde „Eppedei“ wurde nicht ausgespart, die den von den Münsterern entwendeten Kerbbaum anstelle der üblichen Kästen Bier mit Hilfe staatlicher Gewalt wieder auslösen wollte. „Man gibt doch den Baum gegen zwei Kiste Bier wieder her, so ist’s bei uns Brauch und ich denke auch fair“. Friedel Seib wurde für seine wöchentliche „Blättche-Glosse“ lobend erwähnt, ebenso wie der Wettergott, der es bei der Altheimer Kerb regnen ließ: „Mal sehn, ob der Regenguss etwas bewirkt, und dies Jahr die Kerb dort mal größer wird“, ehe die beiden die siebte Minsderer Kerb mit dem Trinkspruch hoch leben ließen.

Quelle: op-online.de

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