Die Kerb wächst und gedeiht

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Die aktuellen Münsterer Kerbborschen dominierten das Umzugsgeschehen vom Treckerhänger aus.

Münster - Es war am Sonntagmittag beim Kerbumzug unverkennbar: Die Minsderer Kerb wächst! Nachdem sie 1999 wiederbelebt wurde und es seit einigen Jahren auch wieder einen Umzug und Kerbborsche gibt, nimmt die Begeisterung von Jahr zu Jahr spürbar zu. Von Michael Just

Sinnbildlich dafür steht nicht zuletzt die Verlagerung des Festbetriebs vom Parkplatz des Storchenschulhauses auf die Hauptstraße mit einem größeren Vergnügungsbetrieb. Deutlichster Indikator war am Sonntag der Festumzug: 16 Nummern bot er und eine große Schar an Interessierten, die den Straßenrand säumten. Sie gaben nicht dem Wein und dem größeren Lindwurm des Umstädter Winzerfests den Vorrang, sondern unterstützten die Lokalmatadoren.

„Kerb ist eben Kerb“

Einige Bewohner der Darmstädter Straße hatten sogar kleine Birkenbäumchen in Eigeninitiative ans Regenrohr gebunden oder Stehtische herausgestellt. An einem solchen beobachtete Thomas Roßkopf (45) das Treiben. Er war bereits Freitag und Samstag im Festzelt und nahm auch den Frühschoppen gern mit. Auch wenn er bei seinem Kerb-Jahrgang von 1983, den „Bettschonern“, nicht mehr mitmischt, gibt er sich als Kerb-Fan. „Das ist mit keinem anderen Fest zu vergleichen. Kerb ist eben Kerb“, sagt er.

Älterer Kerbjahrgang mit engagiertem Nachwuchs.

Die Einstellung scheint sich auch auf Sohnemann Jan Luca übertragen zu haben, der 2011 bei seinem Jahrgang die Rolle des Kerbvadders übernahm. Mit ein bisschen Wehmut denkt Roßkopf an die 1980er Kerb-Jahre zurück. Da wurde groß in den Kneipen gefeiert. „Alkohol gab’s wie heut‘ nicht wenig. Aber keine Schlägereien, da ist nichts passiert“, erinnert er sich. Statt eines großen Umzugs existierte ein ganz kleiner: Der Traktor des Kerbjahrgangs fuhr mit großem Bohei alleine durch den Ort und zu jedem Kerbborschen-Haus.

Gleichgeblieben ist im Wandel der Zeit der Kerbspruch. Der offenbarte im Festzelt am Sonntag reichlich Spott und Humor, vor allem für die Politik. Edgar Kreher trug ihn gleichermaßen routiniert und gekonnt vor. Natürlich musste dabei das ausgefallene Doaschde-Fest zur Sprache kommen und die Mahnwache von Friedel Seib. Den Verlust des Festes beschrieb Kreher als gering. Man habe ja die Kerb. Die sei „beständig, weil lange sie hält und kostet die Gemeinde auch kein Pfennig Geld. Am besten hält sich die Gemeinde ganz raus, denn ohne die geht es immer viel besser aus.“

Eppertshausen „veräppelt“

Das bezog Kreher auch auf die Gersprenzhalle und den nassen Kindergarten, dessen Sanierung besser die tatkräftigen Münsterer Vereine angepackt hätten. Die könnten, wie die DJK und die Feuerwehr, feiern und schaffen. „Die Konsequenz fürs ganze Land: Verwaltung weicht dem Ehrenamt“, folgerte Kreher.

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Mit Blick auf die Nachbarn gab es eine verbale Spitze auf die Dieburger Unterführung, und Eppertshausen blieb natürlich ebenfalls nicht verschont. Der neue New Yorker „Times Square“ und damit der große Bildschirm an der Ortseinfahrt wurde auf die Schippe genommen.

Nicht ganz geheuer ist Kreher die neue Liebe zwischen Münster und Eppertshausen bei der Gewerbemeile. Das rege die Fantasie an, dass aus Partnerschaft Freundschaft wird und im nächsten Jahr ein Münsterer als Römer bei den Passionsspielen dabei ist. Der könnte dann eine einmalige Gelegenheit nutzen: Und zwar die, einen Eppertshäuser ans Kreuz zu nageln.

Quelle: op-online.de

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