„Kinder- und Hundebadeanstalt“

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Golden Retriever „Cash“ liebt die renaturierte Gersprenz und sein Herrchen. Letzteren besonders dafür, mit ihm zum wieder erlebbaren Fluss zu kommen.

Münster - Der Fluss gehört zum Ort seit es ihn gibt, doch sollte die Gersprenz wieder stärker ins Bewusstsein der Bürger gerückt werden. Was einst vom Reichsarbeitsdienst begradigt wurde, renaturierte man für rund eine halbe Million Euro. Von Thomas Meier

Viel Lob gab es für die überwiegend vom Land finanzierte Aktion. Doch flattert nun ein geharnischtes Protestschreiben ins Rathaus, unterzeichnet von einem Dutzend Anlieger der Heinrich-von-Kleist-Straße.

Was geplant war als „Naturerlebnis Gersprenz“ und im Ergebnis von allen Fraktionen der Gemeindevertretung großes Lob bekommt, erhält von den Kleist-Sträßlern folgende Beurteilung: „Resultat ist heute, dass eine Kinder- und Hundebadeanstalt ohne Beaufsichtigungspersonal entstanden ist.“

Schon früh Bedenken geäußert

Die zwölf Unterzeichner lassen keinen guten Grashalm an der konzertierten Aktion von Wasserverband Gersprenz, Land Hessen, Regierungspräsidium Darmstadt und Kommune. Die Initiatoren, Mitstreiter von Münsters Agenda 21, werden von den Erbbaupächtern der Kleist-Straße als „Gruppe von Personen, welche wohlgemerkt nicht hier an der Gersprenz wohnen“ arg kritisiert. Bei ihrer Idee, die Gersprenz zugänglicher und erlebbarer zu machen, hätten sie nicht berücksichtigt, dass es „mittlerweile Häuser mit Anwohnern direkt an der Gersprenz“ gebe.

Schon früh hätten Anlieger Bedenken geäußert, wegen stillgelegten Flusslaufes könne es zur Mückenplage kommen. Und zur beabsichtigten „Erlebbarkeit“ des Flüsschens mit Durchwate-Möglichkeit und badenden Kindern schreiben sie: „Uns und vielen älteren Münsterer Bürgern, welche täglich hier vorbeikommen und die Bauentwicklung beobachtet hatten, ist es nicht verständlich, dass man, in der heutigen Zeit der Geldknappheit, für weit mehr als eine halbe Million Euro – ausgenommen die beiden Fischtreppen – eine Möglichkeit schaffen muss, dass Menschen darauf die Gersprenz überqueren.“ Wenige Meter weiter sei eine Brücke, und: „Haben wir denn keine anderen Probleme?“

Lärm vor allem durch badende Hunde

Kritisiert wird das Fällen der Pappeln für die Renaturierung, hier sei gesunder Baum- und Buschbestand als Nistplatzmöglichkeit für Vögel vernichtet worden. Auch sei mit den Pflanzen der „natürliche Schallschutz vor Straßenverkehrslärm“ verschwunden.

Damit ausgeblieben seien die früher in den Abendstunden gekommenen Wildgänse, Enten und andere Vögel. Wegen des Lärms, „insbesondere durch badende Hunde“, hätten diese sich zurückgezogen. Und wegen des Hundegebells und des Verkehrslärms von der Frankfurter Straße her sei ein ruhiges Entspannen auf der Terrasse nicht mehr möglich. Hundehalter seien gar so dreist, mit ihren Autos bis an den Flusslauf heranzufahren.

Die Unterzeichner fordern, das Gebiet entlang ihrer Häuser an der Gersprenz als Landschaftsschutzgebiet mit entsprechender Beschilderung auszuweisen. Es sollen die selben Regeln gelten wie in den Hergershäuser Wiesen. Die Schilder sollen Inhalte haben wie: „Nur gucken, nicht stören!“, „Hunde sind an der Leine zu führen!“, „Keine Liegewiese“, „Keine Badeanstalt“ und so weiter.

Und um eine sofortige Reduzierung des Verkehrslärms zu erreichen, fordern die Unterzeichner, das Ortsausgangsschild um einiges gen Eppertshausen zu versetzen. Damit die Autofahrer erst später aus der Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h entlassen würden. Das beruhige die Situation.

„Mückeplage war nie zu befürchten“

Bürgermeister Walter Blank nahm bereits Kontakt mit den Beschwerdeführern auf uns sucht nun nach einem Gespräch mit allen Beteiligten, also Vertretern der Kleist-Straße, der Agenda 21, des Wasserverbands und der Kommune. „Über das Projekt wurde im Vorfeld mehrfach in der Presse berichtet“, sagt Blank, bereits die Agenda 21 habe vor 2009 dafür geworben. In öffentlichen Sitzungen und bei einem Gemarkungsrundgang sei das Thema erörtert worden. Dass es keine Mückenplage geben würde, habe man ebenfalls vorab kommuniziert. Dies sei nie zu befürchten gewesen, da etwa eine Ausbildung eines Gersprenz-Altarmes mit stehendem Gewässer nie geplant gewesen sei.

Auch dass Hundehalter mit dem Auto bis an den Flusslauf gefahren werden, sei nicht zu befürchten, da sie mit Sicherheit im Schlamm stecken blieben. Mit dem Auto könne man nur in den kurzen Wirtschaftsweg einbiegen und dort parken, „solange es nicht zu feucht ist“.

Zur Forderung, die Ortstafel bis in Höhe einer Scheune in Richtung Eppertshausen zu vesetzen, beruft sich der Amtschef auf die Vorschriften. Ihnen zufolge ist das Verkehrszeichen dort aufzustellen, wo die geschlossene Bebauung beginnt (oder endet). Es könne nicht nach Gusto versetzt werden. Und: „Für den Verkehr ortseinwärts wird die Höchstgeschwindigkeit vor der Ortstafel bereits auf 70 km/h begrenzt. Ortsauswärts gibt es keinen Grund, die Geschwindigkeit zu reduzieren.“

Quelle: op-online.de

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