Buch voller Entwicklungsschätze

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Mit einem ganz persönlichen Ordner mit Erinnerungen aus ihrer Kindergartenzeit werden die künftigen ABC-Schützen in Altheim aus der Kita verabschiedet.

Altheim - Über einen großen roten Aktenordner gelehnt stecken Mareike, Anes und Julia ihre Köpfe zusammen, blättern, schauen neugierig, erzählen, zeigen und lachen. Von Ellen Jöckel

Es kommen Kommentare wie: „Das war mein erster Geburtstag im Kindergarten!“, „Wie ich da noch gemalt habe!“, „Da war ich der Bettler beim Sankt-Martins-Spiel“, „Das ist die Jenny. Sie ist schon in der zweiten Klasse. Die vermisse ich. “.

Jetzt sind es nur noch wenige Tage, bis die drei gemeinsam mit 25 weiteren Kindern aus dem Evangelischen Kindergarten Altheim in die Schule kommen. Zum Abschluss ihrer Kindergartenzeit erhalten die Schulanfänger einen dicken Ordner, in der Erziehungswissenschaft Portfolio genannt, prall gefüllt mit Erinnerungen.

Viel Zeit und Mühe investieren

Die Erzieherinnen und Erzieher der vier Gruppen in der Altheimer Kita investieren viel Zeit und Mühe, um gemeinsam mit den Kindern Gemälde, Fotos und Texte zusammenstellen zu können. Jeder Ausflug wird kindgerecht beschrieben und beginnt zum Beispiel mit den Worten: „Liebe Julia, kannst Du dich noch an unseren Waldtag erinnern? Wir waren schon ganz aufgeregt...“ Ebenso werden Beschreibungen und Erklärungen aus dem Munde der Kinder und die Geburtstagswünsche der Kindergartenfreunde schriftlich fixiert. Da gibt es so manches zum Schmunzeln für die Sechsjährigen, wenn sie vorgelesen bekommen, was sie als kleine Pimpfe zu Beginn ihrer Kindergartenlaufbahn vom Stapel gelassen haben. „Da habe ich geantwortet, dass ich gerne im Sandkasten spiele. Jetzt spiele ich viel lieber Pferd oder Meerjungfrau,“ meint Mareike.

„Das Portfolio ist ein individuelles Entwicklungsbuch, sozusagen die Schatzkiste des Kindes. Es wird geschaut, was das Kind macht, was es erlebt, was es besonders gut kann und wie es sich weiterentwickelt“, erklärt Kindergartenleiterin Iris Kurz-Wolf. Bildungsprozesse würden auf diese Weise dokumentiert, wie es auch im Hessischen Erziehungs- und Bildungsplan verankert sei.

„Wenn die Kinder die Hefter durchblättern, sehen sie selbst, wie sie sich entwickelt haben. Darauf sind sie dann sehr stolz“, hat die Kita-Chefin beobachtet. Das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit der Sprösslinge würden dadurch gefördert. Auch die Jüngeren stärke es, wenn sie mit Hilfe des Entwicklungsbuches sehen könnten, dass auch die Großen mal so angefangen haben wie sie.

Möglichkeit, in Portfolio zu blättern

So bestreitet der sechsjährige Marc zunächst, dass er je so gemalt habe, wie seine jüngeren Gruppenkameraden. „Da haben wir uns gemeinsam seinen Ordner angesehen und festgestellt, dass auch er am Anfang ‘Kopffüßler’, also Menschen, die nur aus einem Kopf mit Armen und Beinen bestehen, gemalt hat“, erzählt Kurz-Wolf. Während der Kindergartenzeit habe das Kind die Möglichkeit, in seinem Portfolio zu blättern. Es darf mitbestimmen, was hineinkommt und wer den Ordner anschauen darf. „Das ist wichtig für eine gute Beziehungsarbeit, da die Kinder so erleben, dass sie und ihr Tun gesehen werden. Sie merken, dass sie wichtig und etwas Besonderes sind“, meint die Leiterin.

So beenden die Kindergartenkinder diesen Lebensabschnitt als Älteste, dokumentiert auf vielen Blättern, und starten als die Jüngsten auf einem neuen Lebensweg – der Schullaufbahn.

Quelle: op-online.de

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