Kinderstube nicht nur für Frösche

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Nach dem Froschlaich-Schauen aufs Balancierband: Im Wald forschen die Kinder und verhalten sich ganz anders als im Kindergarten.

Altheim - „Wie sehen Froscheier aus?“„Grün“, rät die kleine Eva. Von Ellen Jöckel

Auch die anderen der rund 20 Knirpse aus dem Evangelischen Kindergarten Altheim hatten bisher noch keine rechte Vorstellung vom Nachwuchs der quakenden Amphibien. Das sollte sich jetzt ändern.

Neugierig stapften die Drei- bis Sechsjährigen am sonnigen Vormittag hinter Bettina Stöter durch den nahe gelegenen Wald bei Altheim. Die ehemalige Geopark-Rangerin und naturbegeisterte Mutter von drei Söhnen führte die Gruppe zu einem versteckt gelegenen Tümpel, den sie einige Tage zuvor entdeckt hatte. Nebenbei erfuhren die Kinder, dass sie im Wald möglichst leise sein sollten, um nicht alle Tiere zu vertreiben.

Am Teich angekommen, mussten die kleinen Naturforscher nicht lange suchen: Klumpen an Klumpen mit Tausenden von Froscheiern schwammen an der Wasseroberfläche. Zum näheren Betrachten und Anfassen füllte Stöter behutsam einen Laichballen mit gewöhnlich 1000 bis 2500 schwarzen Eiern in ihrer schützenden Gallerthülle in eine durchsichtige Schüssel. Dabei wies die Naturpädagogin darauf hin, dass Froschlaich aus Artenschutzgründen niemals aus solchen Gewässern heraus- und mit nach Hause genommen werden dürfe.

Kleiner Teich für Frösche die ideale Kinderstube

Und so gelangte die geleeartige Masse nach eingehender Begutachtung wieder im vertrauten Nass. Die Eier stammen von Grasfröschen, die auch hier geboren wurden. Denn der Grasfrosch kehrt zum Paaren und Laichen wieder an den Geburtsort zurück.

Der kleine Teich nahe des Waldrandes sei für Frösche eine ideale Kinderstube, so Stöter. „Hier fällt genug wärmende Sonne auf die Eier und trotzdem ist er durch Sträucher und Bäume gut geschützt. So können ihn Störche nicht entdecken, die Frösche gerne verspeisen“, erklärte die Naturliebhaberin augenzwinkernd.

Nach getaner Arbeit ziehen sich Mama und Frosch wieder ins Winterquartier zurück. Das Brüten der Eier übernimmt die Sonne. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die Kaulquappen und entwickeln sich im Laufe von zwei bis drei Monaten zu kleinen Fröschen. Der Nachwuchs aus dem Kindergarten machte sich nach so vielen Entdeckungen wieder auf den Weg zurück, während die zweite Gruppe bereits im Anmarsch war.

„Kinder können den Wald erfühlen, riechen und hören“

Einige Meter weiter im Wald befindet sich der Bauwagen des Altheimer Kindergartens. Auch hier waren kleine Naturforscher dabei, mit allen Sinnen den heimischen Forst zu begreifen. „Unsere Dino-Gruppe hat in dieser Woche das Thema Sinneserfahrungen im Wald. Hier gibt es so viele Möglichkeiten: Die Kinder können den Wald erfühlen, riechen und hören“, berichtete Anna Stuckert, die gemeinsam mit Brigitte Hermanns die Gruppe mit 23 Kindern leitet. Aus gesammelten Naturschätzen des Waldes wie Rindenstücken, Tannenzapfen oder Blättern entstünden Bilder und Webrahmen. Die Werke würden dann am Ende der Woche den Eltern im Wald präsentiert.

Ein „Was-ist-anders-Pfad“ wecke den Entdeckergeist der Knirpse. Auf einem Balancierband, genannt Slackline, schulten die Kleinen ihren Gleichgewichtssinn. „Viele Kinder, die hier balancieren, würden sich das im Kindergarten nicht trauen. Im Wald wachsen sie über sich hinaus“, weiß Anna Stuckert. Viele Spielangebote seien im Wald aber gar nicht nötig. „Wir Erzieher geben nur kleine Ideenanstöße und die Kinder entwickeln diese dann weiter“, so Stuckert. Auf diese Weise entstünden die unglaublichsten Phantasiereisen. „Die Kinder verhalten sich im Wald ganz anders als im Kindergarten“, begeistert sich die Pädagogin. Es werde weniger gestritten, neue Freundschaften entstünden und die Kinder entwickelten eine ungeahnte Kreativität.

Kindern Bezug zur Natur vermitteln

Neben diesen Sonderaktionen gibt es ein „Waldteam“ aus drei Erziehern des Altheimer Kindergartens, das regelmäßig mit Kindern einer Altersstufe aus verschiedenen Gruppen in den Wald geht. Auch hier geht des den Pädagogen vor allem darum, den Kindern einen Bezug zur Natur zu vermitteln. Die Eltern werden über die Aktionen mit gestalteten Aushängen im Kindergarten informiert und Denkanstöße in Form von Zitaten des Naturphilosophen Andreas Weber gegeben. Hier ein Beispiel: „Im Wald gibt es Zecken und Mücken, aber ohne Abenteuer im Lebendigen gehen auch die Glanzmomente der Kindheit verloren.“ Für die Altheimer Kindergartenkinder jedenfalls halten die Tage im Wald viele Glanzmomente bereit.

Quelle: op-online.de

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