Kita-Kinder lieben Kükendienst

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Vom Ei zum Huhn: Im evangelischen Kindergarten in Altheim beobachtet man diese Entwicklung derzeit hautnah. Die Begeisterung der Kinder („ich will auch noch mal streicheln“) quittierten die Küken nicht mit Angst, sondern mit Neugier.

Altheim - Wer in den evangelischen Kindergarten kommt, dem fällt gleich hinter der Eingangstür ein viereckiger Kasten mit Netzstecker und verglaster Oberseite zum Reingucken auf. „Don’t Touch – Nicht anfassen“ steht darauf. Darüber ist eine Strichliste angelegt. Von Michael Just

„Das ist ein Brutkasten“, erklärt Kita-Leiterin Iris Kurz-Wolf. Wer genau lauscht, hört nicht weit entfernt ein leises Piepen. Es kommt von einem großen Käfig mit dünnen Stäben. Darin sind mehrere Küken, die sich immer wieder unter die Wärmestrahllampe gruppieren oder untereinander kuscheln. Sieben Jungvögel hat die Kita kürzlich ausgebrütet, die jetzt jeden Tag ein Stück größer werden.

Es ist kein Geheimnis: Bücher eignen sich hervorragend zum Lernen über Tiere. Die Begegnung mit der lebendigen Ausführung ist aber noch ein Stück erfahrungsreicher.

Schon ein paar Mal hat sich deshalb die Kita in der Kärcherstraße von einer lokalen Hobbyzüchterin Hühner-eier und einen Brutkasten besorgt, um den Weg vom Ei zum Huhn hautnah mitzuerleben. „Wir machen das immer um Ostern, weil das gut in die Zeit passt“, berichtet Wolf. 21 Tage dauert es, bis die Küken sich aus den Eiern kämpfen. Um zu wissen, wann das ist, legen die Kinder eine Strichliste an. Dieses Jahr fiel der Schlupftermin genau auf die Osterfeiertage. Keine perfekte Zeit, da hier niemand im Kindergarten ist.

Kükendienst mit Hilfe der Eltern

So wurde ein Kükendienst mit Hilfe der Eltern eingerichtet. Der passte auf, dass sich die Küken beim Schlüpfen nicht die Füßchen verdrehen. Das ist beim Gitterrost, auf dem die Eier im Brutkasten liegen, schnell geschehen. Danach hatte der Kükendienst die Aufgabe, am Wochenende zu füttern.

Brutpflege

Neben dem „Wunder Natur“ geht es Wolf in pädagogischer Hinsicht mit den Küken darum, dass die Kinder Verantwortung übernehmen. Das gilt vor allem für jene, die kein Haustier haben. So mussten im Brutkasten die Eier täglich gedreht und gelüftet werden. Ist die Brut geschlüpft, wartet die tägliche Käfigreinigung. Dabei dürfen die Kinder die jungen Vögel auch mal streicheln und auf dem Arm nehmen.

„Ich würde am liebsten den ganzen Tag ein Küken rausholen“, sagt der fünfjährige Max. Damit das nicht passiert und die Zweibeiner „totgeherzt“ werden, achten die Erzieher genau darauf, dass die Jungvögel nur eine bestimmte Zeit im Mittelpunkt stehen.

Unter den hellgelb gefärbten Tieren ist eine Ausnahme dabei: Ein Küken ist aufgrund einer anderen Rasse rabenschwarz. Wie es der Zufall wollte, war genau jenes die ersten Tage am schwächsten. Mit gespreizten Beinen lag das Kleine immer wieder auf dem Bauch. Viele Kinder glaubten, dass es gestorben sei. Doch mit dem Aufpäppeln kamen langsam die Kräfte. Täglich fragten selbst die Eltern, wie es dem Küken geht. Als es einmal am Wochenende in das Wasserbecken fiel, föhnte es der Kükendienst. Im Käfig wurde beobachtet, wie die Kollegen das Kleine „mobbten“ weil es anders und schwächer war.

Optischer „Ausreißer“

Den optischen „Ausreißer“ sieht Wolf als wichtige Erfahrung für die Kinder an. „Viele haben gefragt, warum er schwarz ist“, berichtet sie. Die Antwort: „Nicht alle und alles ist im Leben gleich.“ Insgesamt machten die Kinder viele wichtige Beobachtungen, darunter auch die mit einem stärkeren Küken, das gerne seine Kräfte messen wollte. „Das ist wie bei euch“, verdeutlichte die Kita-Leiterin schmunzelnd.

Die Tage im Hort sind für die schnell wachsenden Küken begrenzt: Denn irgendwann brauchen sie mehr Platz und wollen auf die Stange. So führt der Weg schon nach wenigen Wochen zurück zur Züchterin. Das geschieht in einem fast feierlichen Akt mit dem Bollerwagen. Wenn die Hühner dann ausgewachsen sind, wollen die Kinder nochmal zum Schauen zur Züchterin kommen, um den gesamten Weg vom Ei zum Huhn zu erleben.

Der Brutkasten in der Kita zeigt sich derweil schon wieder gut gefüllt. So nahmen die Erzieherinnen das Angebot an, eine weitere Erfahrung mit Enteneier zu sammeln. Die brauchen 31 Tage bis die Schnäbel die Schale knacken. „Jetzt werden wir wohl einen Teich anlegen müssen“, lacht Wolf und ist sich sicher, dass es soweit nicht kommen wird. Genausowenig wie zum Ausbrüten anderer Spezies wie Strauß, Pinguin oder Krokodil. Denn wie die Kinder lernten, kommen die ebenfalls aus dem Ei. „Nein, vielen Dank. Wenn das gewünscht wird machen alle Erzieherinnen Urlaub“, lacht Wolf.

Quelle: op-online.de

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