Orchester des Musikvereins Münster begeistern in Kulturhalle

Klangvolle Naturgewalten mit Vesuv

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Das Jugendorchester unter der Leitung von Piotr Konczewski gestaltete den ersten Teil der „Naturgewalten“.

Münster - Eins vorweg: Der „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss senior passt nicht zum Motto, das sich der Musikverein Münster für sein „Festliches Konzert“ zum Beginn der Adventszeit alljährlich verpasst und auch für den Samstagabend gab. Von Jens Dörr 

Ging es diesmal um Stücke mit Bezug zu Naturgewalten als rotem Faden, kann man den Marsch darunter kaum verorten. Dass es aber nicht weiter schlimm ist und sogar erwartet wird, dass das Stück traditionell die Zugabe des Abends darstellt, wissen besonders die Stammgäste. Wie es auch am Samstag vor einem rund 400-köpfigen Auditorium in der Kulturhalle war – allerdings erst nach zwei Stunden mitreißenden musikalischen „Naturgewalten“ durch das Jugendorchester (erste Halbzeit) und das Große Orchester (zweite, beide unter der Leitung von Piotr Konczewski).

So passten gleich die Auftaktsätze aus Filip Ceunens Blasorchester-Werk „Pompeji“ nicht nur zum übergeordneten Thema, sondern auch zum Vulkan, der auf der rechten Seite der Bühne aufgebaut und rötlich illuminiert war. Schließlich wurde die Stadt Pompeji im Jahr 79 nach Christus vom Vesuv verschüttet. Das Stück zeigt in allen Sätzen – inhaltlich vom Aufbau der Stadt über die dortige römische Herrschaft bis hin zum Vulkanausbruch – Herausforderungen für jegliche Teile des Orchesters auf. Das ambitionierte Nachwuchsensemble des Musikvereins, dem derzeit Musiker zwischen zehn und 27 Jahren angehören, meisterte die Aufgabe mit Bravour.

Das galt gleichermaßen für die „Montanas del Fuego“, die durch die Komposition von Markus Götz beschriebenen Vulkanberge auf Lanzarote. Das Jugendorchester spielte zudem den „Journey into Diablo Canyon“ von David Shaffer und als Zugabe „Over the Rainbow“ (Harold Arlen), weniger eine Naturgewalt als ein faszinierendes Naturschauspiel. Dazwischen lag „Palladio“ von Karl Jenkins, das der Musikverein als Widmung an den langjährigen Jugendorchester-Dirigent Matthias Jäger verstanden wissen wollte. Erstmals bei einem Festlichen Konzert pushte Konczewski, der das Große Orchester des Musikvereins schon seit 2001 dirigiert, auch das Jugendorchester zu Höchstleistungen.

Die zweite Konzerthälfte, gestaltet von den Großen und erst bei den Zugaben von beiden Orchestern gemeinsam (neben dem „Radetzky-Marsch“ auch mit dem „Earth Song“ von Michael Jackson) startete derweil mit dem Stück „Asteroid“ von Otto Schwarz. Der Musikverein schilderte es gegenüber der Presse als „sehr vielschichtiges Stück, das Orchesterteile sowie Soloparts mit Erzählungen“ enthalte. Es handelt davon, dass im Jahre 2067 ein Asteroid die Erde knapp verfehlt, nachdem eine Kollision im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter stattfand.

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Immer wieder Wissenswertes zu den Hintergründen der Stücke hatte in gewohnt eloquenter Manier auch Moderator Jürgen Groh parat. Er sagte auch „Earth, Wind and Fire“ an, ein Medley der gleichnamigen US-Band, die sich vor allem Funk und Soul verschrieben hat. Beinhaltet waren die Lieder „Fantasy“, „I‘ll write a song for you“ und „Boogie Wonderland“. Die Band wurde in den 70er Jahren erfolgreich und in den 80er Jahre bekannter, was auch mit den aufwändigen Kostümen und Choreographien zu tun hatte.

Auf derlei verzichteten die in klassischem Orchester-Dress gekleideten Münsterer Musiker am Samstag, was dem Genuss auch bei den Stücken „Godness of Fire“ (Steven Reineke), dem „Hard Rock Stones“-Arrangement von Markus Götz und Johann-Strauss-Stück „Unter Donner und Blitz“ keinerlei Abbruch tat. Ihrer lokalen Naturgewalt sollten die Zuhörer unterdessen erst nach dem Aufwachen am nächsten Morgen gewahr werden, als die Schneefälle der Nacht auch die Gersprenz-Gemeinde ordentlich eingepudert hatten.

Quelle: op-online.de

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