Dem kleinen Musik-Genie auf der Spur

+
„Amadeus legt los“ hieß das Stück der Münsterer JFK-Schule, die schon zum zweiten Mal bei den Schultheatertagen dabei war. Mit dem Konzept des „Musiktheaters“ geht man dabei stets einen besonders anspruchsvollen Weg.

Münster/Darmstadt - „Das Kostüm hat meine Großmutter genäht“, sagt Lynnet Teichmann und deutet mit Stolz auf seinen weinroten Anzug, der ihn nicht nur ins 18. Jahrhundert, sondern auch in die Rolle des Wolfgang Amadeus Mozart befördern soll. Von Michael Just

Eine weiße Perücke mit Zopf aus einem Dieburger Kaufhaus rundet die Sache optisch ab.

Nur mit einer Tatsache ist Simone Buschmann, Leiterin der Musiktheater AG der Münsterer John-F.-Kennedy- Schule, nicht ganz zufrieden: Mozarts Vater Leopold (alias Swayne Hess) und Johann Christian Bach (gespielt von Laura Lücker) treten exakt mit dem gleichen Kostüm auf. „Beide haben es im Internet beim selben Anbieter bestellt“, sagt die Pädagogin zu der Tatsache, dass das „World Wide Web“ manchmal kleiner ist als man denkt.

Im Staatstheater Darmstadt durften die 20 Jungschauspieler zeigen, was sie in diesem Schuljahr gelernt haben, denn der Musiktheater AG stand bei den Schultheatertagen ihr großer Auftritt bevor. Ihre Bewerbung im vergangenen Jahr war erfolgreich, und so gehören sie zu den 14 ausgewählten Schulen.

Kurzweilig und interessant interpretierten sie in ihrem Stück „Amadeus legt los“ die wichtigsten Stationen im Leben des kleinen Genies, das mit vier Jahren schon bis tief in die Nacht Klavier spielte. Ein Jahr lang studierte Buschmann mit ihren Schützlingen das Werk ein, dessen Rechte die Schule zuvor von einem Verlag erworben hat. Neben den zwei Dutzend Nachwuchs-Mimen waren 50 Sänger des Schulchors in Darmstadt dabei.

30 Schulen bewarben sich für die Theatertage

Dass die JFK-Schule nach 2008 erneut zu den Schultheatertagen eingeladen wurde, führt Simone Buschmann auf das besondere Konzept zurück: „Wir kombinieren Theater immer mit Musik. Bei jeder Aufführung ist der Schulchor ein fester Bestandteil.“

Dazu überzeugte das Stück mit einer Reihe heiterer Momente, wie einem Koffer und einem Kerzenleuchter, die sprechen konnten. Nicht weniger beeindruckend war das Profil einer Kutsche, das Hausmeister Peter Heckwolf gebaut hatte.

Insgesamt haben sich 30 Schulen für die Theatertage beworben. Wer wollte, konnte gleich viermal nach Darmstadt fahren: So wartete auf alle Klassen eine Eröffnungs- und eine Schlussfeier, ein Theaterrundgang sowie Workshops mit der Maske, der Requisite sowie Schauspielern und Tänzern des Staatstheaters.

Besonders ist, dass die Schultheatertage beim Staatstheater den gleichen Stellenwert wie eine Hausproduktion erhalten: Es werden Plakate entworfen, Flyer gedruckt, es gibt Werbung über die Presse und eine Bekanntgabe in der Theaterzeitung.

Wie Katja Homann, Theaterpädagogin und Betreuerin der Schultheatertage, sagt, wolle man den Schulen eine Plattform bieten, sich gegenseitig auszutauschen: „Man kann die Sache als Festival sehen. Alle Schüler bekommen einen Ausweis und können sich damit gratis alle 13 anderen Aufführungen anschauen.“ Laut Homann lege man beim Auswählen der Stücke großen Wert auf ein breites Spektrum. Das gelte für die Altersgruppen (von der Grundschule bis zur Oberstufe) als auch die verschiedenen Theaterformen. Zu letzteren könnten Tanztheater, Schauspiele in englischer Sprache, reine Kinderstücke oder auch Experimente unter dem Motto „frei nach“ zählen. Homann hat alle 14 Stücke gesehen: „Ich habe immer wieder komplett andere Ansätze festgestellt. Mit der großen Spielfreude der Schüler bekommt die Sache etwas Einzigartiges“, sagt die Expertin.

Für das Staatstheater hatten die Schultheatertage noch einen weiteren Vorteil: Eltern und Freunde strömten so reichlich zu den Aufführungen, dass fast alle Vorstellungen – was für das defizitär arbeitende Staatstheater sonst eher die Ausnahme ist – ausverkauft waren.

Quelle: op-online.de

Kommentare