„Klingelingeling“ des Kerbvadders

Altheim feiert Kirchweih ohne Kerbborschen

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Kerbvadder Stephan Lauszat wurde durch Altheim kutschiert, ehe er seinen Kerbspruch vortrug.

Altheim - Über vier Tage hat Altheim seine Kerb gefeiert. Der Höhepunkt stand am Sonntag mit dem Kerbumzug und dem Kerbspruch an, der viele Bewohner vor das Gustav-Schoeltzke-Haus sowie den kleinen Rummelplatz zog. Von Michael Just 

Trotz des guten Zuspruchs und Kaiserwetter gab es auch ein paar Wermutstropfen zu beklagen. In vielen Gemeinden gehört es zu den größten Errungenschaften eines Mannes, in jungen Jahren einmal Kerbbursche gewesen zu sein. Das scheint in Altheim anders zu sein. Auf die Frage am Wochenende, wo denn die Kerbburschen sind, gab es die schlichte Antwort: Es gibt keine. „Gerade mal drei Personen fanden sich im Vorfeld zusammen. Das hat natürlich nicht gereicht“, berichten die Kerbburschen Chris Schreier und Alex Lang, die im vergangenen Jahr dieser Verantwortung nachkamen. 2017 schaffte es Altheim, nach zehn Jahren einmal wieder eine gestandene Reihe von Kerbburschen aus der Taufe zu heben. Wie sich nun zeigte, sollte dieses Aufgebot eine Ausnahme bleiben. „Nächstes Jahr gibt es wieder welche. Ganz bestimmt!“, so das Versprechen von Schreier und Lang“.

Auch ohne sangesfreudige junge Männer mit Strohhut erwies sich die Kerb als Erfolg. Das Antrinken am Freitag und Samstag bei der Feuerwehr und den Freundeskreisen Vamps/Erdinger Stammtisch erlebte einen enormen Zuspruch.

In diesem Jahr lag die Organisation in den Händen des TSV Altheim. Mit dem Eintracht Fanclub Münster-Altheim (EFC) und der Feuerwehr wechselt man sich bei der Ausrichtung ab, sodass jeder Verein alle drei Jahre ran muss. Wie TSV-Vorsitzender Michael Reuter mit einem Seufzer erklärte, habe die Organisation in den letzten Wochen wieder nur auf wenige, altbekannte Helfer zurückgreifen können. Die künftige Ausrichtung der Kirchweih versieht er deshalb mit einem kleinen Fragezeichen. Laut Reuter wäre es zu überlegen, dass TSV, Feuerwehr und EFC die Veranstaltung nicht mehr getrennt angehen, sondern sich vereint engagieren. Die überschaubare und stets weniger werdende Zahl an Helfern, die jeder Verein beklagt, könnten sich „in einem Topf“ mit Synergieeffekt ergänzen.

Beim Kerbumzug lief Reuter oft ein wenig voraus und klopfte mit lauten Rufen „Wem ist die Kerb?“ die Begeisterung der Zuschauer am Straßenrand ab. Insgesamt bestand der Kerbumzug aus zehn Nummern. Dazu zählte die Hauptstraßengemeinschaft, der MGV, der EFC, der TSV und die Feuerwehr. Das Blasorchester der Blauröcke sorgte für die musikalische Unterhaltung und betätigte sich neben der Musik vom TSV-Wagen, die aus der „Konserve“ kam, als Stimmungsmacher. Hinter dem Führungsauto mit dem Kerbkranz schloss sich direkt die Kutsche mit Kerbvadder Stephan Lauszat an. Der Maler- und Lackierermeister, der seit elf Jahren in Altheim wohnt, hatte für seinen Kerbspruch fünf heitere Begebenheiten zusammengetragen.

Altheim feiert auf der Kerb: Bilder

Dazu zählte das Pech einer Altheimerin, die ihrem Gatten mit Gerstensaft etwas Gutes zu wollte. Nicht nur einmal gingen die Flaschen jedoch zuhause oder kurz vor der Haustüre zu Bruch, sodass sie gleich mehrfach im Laden zum erneuten Kauf vorstellig werden musste. Pech hatte zudem ein Altheimer Männertrupp, der am Main radeln wollte. Die Berge um Würzburg entpuppten sich als so hoch, dass mehrfach die Puste ausging. Und nicht nur das: Auf einem Schotterweg fuhr man sich hintendrauf. Am Ende waren gebrochene Rippen und ein Schlüsselbeinbruch zu beklagen. Der Notruf der Altheimer ließ sogar einen Rettungshubschrauber in die Lüfte aufsteigen.

Schmerzfreier ging der „Bürokratenwahn“ im Münsterer Ordnungsamt ab, der lediglich Kopfschütteln im benachbarten Ortsteil auslöste. Im Mittelpunkt stand das Gerüst am „ArtHaus“. An den Warn- und Firmenschilder hatten die Mitarbeiter im Rathaus stetig etwas zu monieren. Einmal hingen die rot-weißen Balken falsch herum, dann stimmte der Abstand zwischen den Schildern nicht. In der Folge fand das Ordnungsamt stets weitere Reibungspunkte, sodass die Arbeiter fast mehr mit dem Aufstellen der Schilder als mit der Sanierung zu tun hatten. „Wer immer schon einmal Behörden kontaktiert, der weiß, da braucht viel Geduld, damit’s funktioniert“, resümierte der Kerbvadder. Danach wies er die Blaskapelle an, das von ihm verfasste Stück „Klingelingeling…hier ist das Ordnungsamt, klingelingeling... sonst ham mer nix zu tun“, zu spielen.

Quelle: op-online.de

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