Den Körper möglichst lange fit halten

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Die Anmeldung von Markus Frühwein für den „Ironman“ im nächsten Jahr ist bereits bestätigt – langsam steigt er in die Vorbereitungen ein.

Münster - Triathleten kennen das Prozedere: Die Listenplätze der verschiedenen Veranstaltungen sind oft so begehrt, dass diese nach der Öffnung der Anmeldeplattformen im Internet oft innerhalb von wenigen Stunden und Tagen vergeben sind – und das, obwohl die Teilnahme für den Frankfurt-Triathlon über 400 Euro kostet. Von Michael Just

Und doch scheint es, dass derzeit für viele ein Marathon oder Triathlon zu den Herausforderungen zählt, die ein Mann einmal im Leben getan haben sollte. Zur Teilnahme am sogenannten „Ironman“ mit vier Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42 Kilometern laufen hat sich nun auch der Münsterer Markus Frühwein entschlossen.

Der 36-Jährige ist Vorsitzender des Münsterer Angelsportvereins, was sofort aufhorchen lässt: Nicht selten hängt den Angelfreunden das Vorurteil an, neben dem Gewässer auch die Ruhe gepachtet zu haben. Und dann die physische Zerreißprobe eines Ironman? Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und doch ist die Situation bei Frühwein anders, denn die Angel hat er schon seit seinem 18. Lebensjahr nicht mehr in der Hand gehabt.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist er Vegetarier und Veganer geworden, weshalb er keinen Fisch mehr isst. Zum einen will er sich auf seinen Ausdauersport konzentrieren, da, wie er sagt, auch der Tag für ihn nur 24 Stunden hat. „Der Verein hat mir in meiner Jugend Zeit geschenkt. Die schenke ich ihm jetzt zurück“, erzählt er mit Blick auf den Vereinsvorsitz, den er vor drei Jahren übernahm, als kein anderer das Amt machen wollte.

Die Jugendjahre hat er dem ASV nicht vergessen und dankt diese jetzt mit sozialer Verantwortung und Engagement. Und auch sonst hält er den Kontakt mit der Natur für wichtig: „Bei den Anglern lässt sich erleben, dass der Fisch sich bewegt. Das sind keine Fischstäbchen“, sagt er. „Die Gesellschaft kennt heutzutage doch nur noch Fastfood.“

Im Einklang mit dem eigenen Körper

Auch den Motivationsschub für den Triathlon bringt der Diplom-Ingenieur in Diensten der Telekom auf den Punkt: „Wir haben immer mehr übergewichtige Kinder. Es kann nicht gut sein, seinen Körper so zu vernachlässigen.“ Wie er anschließt, wolle er eine ähnliche Herausforderung auch noch mit 50 Jahren angehen, um Körper und Geist als Einheit fit zu halten.

Seine Anmeldung für den Triathlon im nächsten Jahr in Frankfurt ist bereits bestätigt, jetzt beginnt für Frühwein langsam die Vorbereitung. Die Marathondistanz hat er bereits bei sechs Veranstaltungen bewältigt und auch bei den abgespeckten Triathlon-Versionen der Halb- und Olympia-Distanz hat er schon Erfahrung gesammelt. Dass ein „Ironman“ alles vorangegangene in den Schatten stellt, ist ihm bewusst. Vor wenigen Tagen ist er zum ersten Mal mit dem Fahrrad nach Frankfurt zur Arbeit gefahren. Zum Schwimmen geht es regelmäßig zum Baggersee nach Babenhausen. Bis die entscheidende Vorbereitungsphase beginnt, werden noch ein paar Monate vergehen. Sein Hauptziel steht aber schon fest: „Es geht mir in erster Linie ums Ankommen und nicht um die Zeit“, konstatiert der 36-Jährige, der trotzdem ein Zeitfenster von 13 Stunden anstrebt (Frühwein: „Das würde mich glücklich machen“). Man könne sich mit den Profis ohnehin nicht vergleichen.

Das ist eine andere Klasse“, sagt der ledige Akademiker, der keinen Hehl daraus macht, dass er den Spitzenleistungen im Triathlon, ähnlich wie im Radsport, nicht ganz traut: „Schaffen kann man diese Distanzen schon, aber nicht in dieser Zeit.“ Nachdenklich haben ihn die jüngsten Worte eines Spitzenathleten gemacht, der indirekt den Medikamentenmissbrauch andeutete, indem er sagte, dass er es niemals zulassen werde, dass seine Kinder in diesen Sport geraten. „Ich traue den Koryphäen allen nicht“, sagt der Antialkoholiker und Vegetarier – wohlwissend, dass die Einstellung zu seinem Körper als auch seine Motivation eine andere ist.

Ich will meinen Körper lange fit halten und suche die besondere Herausforderung. Im Prinzip mache ich das nur für mich.“

Quelle: op-online.de

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