Ende eines ausgeschlafenen Projekts 

„Kollektivschläfer“ verlassen ARThaus mit Happening und viel Lob

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Die Abschlussveranstaltung der Kollektivschläfer präsentierte sich als ausgefeiltes Happening mit den „ARThäuslern“.

Altheim - Das dreimonatige Kultur- und Theaterprojekt der „Kollektivschläfer“ wurde mit einem bunten Happening im ARThaus beendet. Von Michael Just 

„Ich habe Sie als junge, sympathische Persönlichkeiten kennengelernt, die sich offen und flexibel auf uns eingestellt haben“, sagt Anja Haus. Und Kristin Wicher ergänzt: „Schade, dass Sie ab morgen nicht mehr da sind. Es wird uns was fehlen.“ Im Altheimer ARThaus lagen Freude und Wehmut ganz dicht beieinander: Mit einer Abschlussveranstaltung verabschiedeten sich die „Kollektivschläfer“ Annika Keidel und Hannah Schassner. Davor setzten sie mit einer Ergebnispräsentationen sowie weiterer Aktionskunst nochmal ein deutliches Ausrufezeichen, was sich mit guten Ideen im Kreativbereich alles auf die Beine stellen und ausdrücken lässt.

Mit dem Happening ging ein außergewöhnliches Kunstprojekt zu Ende, dass es so nicht alle Tage gibt. Drei Monate lang lebten die beiden Frankfurterinnen in einer angemieteten Wohnung in Altheim, um Kunst und Kultur in Altheim und Münster anzukurbeln. Acht „Institutionen“, darunter Kindergärten, die John-F.-Kennedy-Schule, die Schule auf der Aue, das Haus der Kinder und selbst die Gersprenz-Seniorendienstleistung nahmen die Offerte an, sich inspirieren zu lassen.

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Die Grundidee dazu stammt von Flux, einer freien Theaterbühne in Frankfurt. In mehreren hessischen Städten wurden mit Förderung des hessischen Kultusministeriums „Residenzen“ errichtet, um dort ausgewählte Mitarbeiter auf Zeit wohnen und wirken zu lassen. Für Altheim fiel die Wahl auf die 24-jährige Annika Keidel, Tänzerin und Choreografin, sowie die freiberufliche Theatermacherin Hannah Schassner (28). Der Kontakt kam durch Max Petermann, Lehrer der Regenbogenschule, zustande. In Verbindung mit dem ARThaus sah er eine hervorragende Grundlage für die Residenz.

Ihre Arbeit stellten Keidel und Schassner unter den Titel „Schlaf“, woraus ihr Projekt der „Kollektivschläfer“ resultierte. Der Name war aber zu keinem Zeitpunkt Verpflichtung: Statt Müdigkeit wurden drei Monate lang „aufgeweckte“ Projekte und Aktionstage für Drei- bis 93-Jährige initiiert.

„Das war so schön gemacht“, schwärmt Iris Kurz-Wolf, Leiterin des evangelischen Kindergartens Altheim, noch immer vom viertägigen Besuch der beiden. Als Nachtforscher animierten sie die Kinder zu einer Traumreise. Zur Musik erfolgten Bewegungen voller Harmonie. Leere Klopapierrollen wurden zu Ferngläsern umfunktioniert und Sterne vom Himmel gepflückt. Ein Hörspiel, eine Gute-Nacht-Geschichte und viele begeisterte Kinder gehörten zum Gesamtergebnis in der Kita. Vor allem Tanz- und Theater-Improvisationen gingen in den unzähligen Workshops auf. Die fanden auch im ARThaus statt, darunter die „Träumerische Kunstkantine“.

Selbst in der Flüchtlingsunterkunft wurde vorbeigeschaut. „Hier haben wir unser Thema mit ein bisschen Vokabeltraining verbunden“, resümieren die Akteure. Von Flux-Projektleiterin Ilona Sauer gab es für die geleistete Arbeit in den drei Monaten ein riesiges Kompliment. 242 Teilnehmer sprächen für sich. „Soviel Herzblut ist nicht selbstverständlich“, führte Sauer an und verwies neben den vielen Ergebnissen in Schulen und Kitas auf die Produktion eines Kurzfilms und die Fotoausstellung. Für Flux und die „Kollektivschläfer“ geht nun die Hoffnung einher, dass sie ihre Arbeit in anderen Kommunen fortsetzen können.

Im ARThaus gehört das „Schlaflabor“ damit der Vergangenheit an. Für die jungen Frauen fällt der Abschied aus Altheim nicht ganz leicht: „Jetzt, wenn man die Leute kennt und auf der Straße gegrüßt wird – meist mit na, ausgeschlafen? – müssen wir wieder gehen“, bedauert Schassner. Zur Arbeit nimmt sie den Gang vom Bahnhof zum ARThaus als eine der schönsten Erinnerungen mit.

Quelle: op-online.de

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