Historische Neuerung

Bye, Bye, „bei Dieburg“

Bei meiner Seele, welch historische Neuerung widerfuhr uns diese Woche. Beinahe war ich versucht, an einen verspäteten Aprilscherz zu glauben, als ich beim Lesen der neuesten Münsterer Rathausverlautbarung über die Schlagzeile stieß: „Münster mit neuem Namen“. Von Thomas Meier 

Nach 763 Jahren beiläufig den Namen zu wechseln: das ist beispiellos. Doch ist es ja bei weitem nicht so dramatisch, wie es der Bürgermeister einläutet. Der Ort Münster im Landkreis Darmstadt-Dieburg heißt weiterhin Münster. Grad so wie das Münster in Westfalen, das seit anno 799 Sitz des gleichnamigen Bistums ist und heute 310.000 Einwohner zählt. Nur damit keiner bei den beiden namensgleichen Niederlassungen durcheinander kommt, bekommt das kleinere mit rund 15.000 Einwohnern nun einen neuen Zusatz. Der Bürgermeister (des kleinen Münsters) erklärt: „Verwechslungen mit dem an Einwohnern gemessen rund 20 mal größeren Namensvetter in Westfalen scheinen zukünftig ausgeschlossen.“

Beifall. Unser Münster darf sich jetzt „Münster in Hessen“ nennen. Durfte es sicher vorher auch, weil es ja nun mal in diesem Lande liegt. Aber weil es niemand von außerhalb so nannte, sondern es landläufig immer nur einfach „Münster“ hieß oder aber das amtliche Anhängsel „bei Dieburg“ bekam, wurden jetzt hohe bürokratische Wellen geschlagen. Die ministerial abgesegnete Beigabe „in Hessen“ soll nun das Selbstwertgefühl „bei die Doaschde“ eindeutig heben.

„By the way: Da war dann noch der nahe bei uns allen wohnende Bajuware, der vom HR-Moderator unbedingt das Lied „One by“ gespielt haben wollte, der es aber nirgends finden konnte. Bis sich der Bazi erbarmte und den Refrain vorsang: „Wann bei Capri die rote Sonne ...“

Bei(m) Teutates, steh uns bei.

Quelle: op-online.de

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