Altes Rathaus Altheim

Konzept Künstlerkolonie

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Roger Rigorth und Cornelius Staudt vor dem alten Rathaus, das zum Atelier Altheim werden könnte.

Altheim - Rein gedanklich schafft Cornelius Staudt schon im Alten Rathaus Altheims. Seine Staffeln haben in seinen Vorstellungen bereits einen Platz zugeordnet bekommen, die Werkzeuge des gelernten Kunstglasers, der seit 1983 als Glasgestalter sein Brot verdient, ebenfalls. Von Thomas Meier 

Und auch für weitere Kreative gestaltet der Kunstmaler in der Fantasie eine neue Wirkungsstätte aus, für die die Gemeinde seit geraumer Zeit eine neue Nutzung oder auch einen neuen Besitzer sucht. Noch ist alles nur Idee. Doch das angedachte Projekt hat durchaus eine Chance: Ein Atelierhaus für Altheim in direkter Nachbarschaft des ehemaligen Hessischen Hofs, in dem mit Roger Rigorth bereits ein international wirkender Kunstgeist sitzt.

Die Projektidee entstand beim Künstlerdämmerschoppen in der Bessunger Knabenschule, in die Darmstadts Oberbürgermeister die Kunstschaffenden aus der Region einlädt. Dort trafen Rigorth und Staudt zusammen und der Glasgestalter berichtete von seinen Nöten. Er schließt sein Atelier im Nordbahnhof Darmstadt, dem „lausigsten Bahnhof der Republik“, und ist auf der Suche nach neuer, die Sinne anregender Wirkungsstätte. Mit einer Idee für letztere konnte der Altheimer Künstler dienen, wusste er doch um die Geschichte des alten Mollerbaus direkt gegenüber seiner Künstlerbehausung zu berichten: lichtdurchflutete Räume, Saal, mitten im Ortskern, gut an Bahnhof und Straßennetz angebunden...

„Künstlerkolonie könnte über ganzen Kreis strahlen“

Was Mitte Dezember besprochen wurde, bekam konkretere Gestalt bei einer Begehung des Objekts mit Bürgermeister Walter Blank Ende vergangenen Jahres. Zwischenzeitlich legten die beiden treibenden Künstlerkräfte ein Nutzungskonzept vor, das in die politischen Gremien Münsters gelangte. „Das Gebäude ist sehr gut als Atelierhaus mit mehreren Künstlern – drei bis vier – unter einem Dach nutzbar“, sagt Staudt, der nur sein Atelier, nicht seinen Wohnsitz hierher verlegen möchte. Über den gesamten Kreis könne die kleine Künstlerkolonie ausstrahlen, glaubt er.

Das Gebäude sei, wie es derzeit aufgeteilt ist, ohne bauliche Veränderungen gut als Atelier nutzbar. Der große Saal im oberen Stockwerk könne durch einen Künstler, der über größere Räumlichkeit verfügen müsse, dienen. Beispielsweise ein Maler (auch Staudt arbeitet gern großformatig) oder ein Bildhauer. Das Obergeschoss könne aber auch als Gemeinschaftsraum genutzt werden, in dem jeder Künstler wechselweise die Möglichkeit hat, größere Projekte zu verwirklichen. Und schließlich bietet der Saal Raum für Ausstellungen und sonstige Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte. Nutzer in den übrigen Räumen könnten Grafiker, Goldschmiede oder andere Kreative sein. Und man habe Platz für Gastkünstler, die ihre Werke einem interessierten Publikum näher bringen könnten. Schließlich solle das Rathaus nicht nur Atelier, sondern Ort der Begegnung von Bürgern mit der Kunst sein.

Gebäude hat großen Sanierungsbedarf

Noch haben Staudt oder Rigorth niemanden an der Hand, der mit ins Atelier Altheim einziehen würde, weshalb nun auch weitere Mitstreiter gesucht werden, die im Projekt eine große Chance sehen und „dies auch mit ihrem ganzen Herzblut mittragen“. Der große Sanierungsbedarf des Hauses von fast 300.000 Euro solle das Vorhaben nicht gefährden, sagen die „Konzept-Künstler“. Auch müsse die Arbeitsstätte nicht gehobene Standards erfüllen. Peu à peu könne man das Gebäude so instandsetzen, wobei dem Dach das erste Augenmerk gelten müsse.

Ihr Ziel ist es, über die Miete hinaus einen Beitrag zur Instandhaltung des Hauses zu erbringen. „Neben den Mieten werden die Künstler mit gezielten Maßnahmen einen Beitrag zur Sanierung des Gebäudes beisteuern“, heißt es in der bereits schriftlich fixierten Projektidee. Vertraglich könne geregelt werden, dass mit Benefizveranstaltungen Geld für einen Sanierungsfonds für das Haus erlöst wird. Beispielsweise könne man dafür einen bestimmten Prozentanteil aus dem Verkauf von Objekten der Künstler festlegen, Spenden könnten einfließen, oder Erlöse aus Ausstellungen von Gastkünstlern. Zudem müssten freilich Förderungen und Unterstützungen für das Atelier Altheim beantragt werden. Dafür böten sich an die Hessische Kulturstiftung, die Zeit-Stiftung, die Stiftung Kulturfonds, die Aventis Foundation und mehr.

Kunst- und Kulturtage 2013

Beispielhaft für ein Atelier Altheim gilt den Ideengebern das Atelierhaus in der Riedeselstraße Darmstadts, das aus der Kunstszene nicht mehr wegzudenken ist. Darin arbeiten acht Kreative. Jetzt liegt die Entscheidung erst einmal bei den politisch Verantwortlichen. Cornelius Staudt macht sich Hoffnung. Er stellte seine Suche nach einem neuen Atelier zwischenzeitlich ein, hat sich in sein Wunsch-Domizil in Altheim „schon ein bisschen verliebt“.

Quelle: op-online.de

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