Krankheit führt zur Kunst

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Das Bild „Herbstspaziergang“ besticht durch die Einarbeitung von Schilf und Fell.

Münster - Kunst hat in Münster schon lange einen hohen Stellenwert, vor allem durch den Künstlerkreis „Kunst zwischen der Kerb“, der von der Gemeindeverwaltung stets unterstützt wird. Von Jasmin Frank

Doch auch über der von ihnen jährlich organisierten Aktion hinaus können sich Bürger immer wieder Gemälde, Fotografien und Skulpturen ansehen, und das schon seit vielen Jahren.

„Hier im Rathausfoyer gab es schon unzählige Ausstellungen“, erklärt Bürgermeister Walter Blank. Ortsansässige Künstlern, die Lebenshilfe oder auch Kindergärten haben bereits ausgestellt. Auch Wanderausstellungen seien oft zu Gast. „Im Rathaus kommen Hobbykünstler ebenso zum Zuge, wie Profis“, ergänzt Blank.

Gespräche zwischen Kunst: Im Münsterer Rathausfoyer laden derzeit die Werke von Gerhard Menzer zu einem Plausch ein.

Derzeit präsentiert ein Vollzeitkünstler erstmals seine Werke in der kleinen Gemeinde: Gerhard Menzer, der in Breuberg lebt und arbeitet, hat den Weg nach Münster gefunden. „Es war gar nicht schwierig, hier ausstellen zu können“, sagt er. „Ich habe mich bei Nicole Ewig angemeldet und sie hat alles in die Wege geleitet. Schon wenige Monate nach meinem Anruf ging es los“, freute sich Menzer. Sowohl die Vitrinen als auch die Schautafeln wurden gestellt, sodass der Maler und Bildhauer lediglich seine Werke mitbringen musste.

„Ich stehe den Künstlern mit Rat und Tat beiseite und bin für alle Fragen und Anliegen ihre Ansprechpartnerin“, erläutert Ewig, die den Austausch mit den Kunstschaffenden gerne pflegt. Über den Odenwälder informierte sie sich erst während der Kunstschau, denn eine Auswahl, wer ausstellen darf oder nicht, wird im Rathaus nicht getroffen. „Wir mussten noch nie jemanden ablehnen. Manchmal kommt es zu Terminverschiebungen, aber unsere Türen stehen allen Künstlern offen“, sind sich Blank und Ewig einig.

Skulpturen Menzers sind allesamt aus Holz erstellt

Beide sind besonders von einem großen Porträtgemälde mit dem Titel „Afghane“ eingenommen, das sehr eindrucksvoll und plastisch auf den Betrachter wirkt. „Ich habe es komplett mit der Tuschefeder gezeichnet“, erläutert Maler Menzer und führt aus: „Dazu habe ich Acrylfarbe so stark verdünnt, dass sie sich fließend auftragen lässt, aber dennoch gut deckt.“ Bereits seit 1983 ist er als Künstler aktiv, doch erst als bei ihm ein Herzfehler diagnostiziert worden war, hat er den Schritt in die Professionalität gewagt. „Die Krankheit hat mir einiges genommen, aber auch viel gegeben“, erklärt er ernst und lächelt dann: „Manchmal braucht es eben einen solchen Auslöser, um einen Schritt vom regelmäßigen Einkommen als Schulsozialarbeiter hin zur eher unsicheren Existenz eines Künstlers zu wagen.“

Für Menzer ist die Entscheidung rundweg positiv ausgefallen, so gibt er regelmäßig Malkurse und Bildhauerseminare. „Mein Schaffensrhythmus orientiert sich an den Jahreszeiten: Die sechs kalten Monate über male ich in meinem Atelier, die restliche, warme Zeit erstelle ich meine Skulpturen unter freiem Himmel“, erklärt er. Noch nie seien ihm die Ideen ausgegangen. Mit einem Lächeln sagt er über sein zukünftiges Vorhaben: „Ich habe noch so viele Sachen vor, ich bräuchte noch viel mehr Zeit. Am liebsten würde ich gerne noch riesige Totempfähle erstellen, vielleicht gehe ich das im kommenden Jahr an.“

Weitere Infos sind auf der Internetseite von Gerhard Menzer einsehbar.

Die Skulpturen Menzers sind allesamt aus Holz erstellt, dennoch sind sie sehr unterschiedlich gestaltet: Raue Eichenfiguren stehen neben glatten Formen aus Buchen- oder Apfelholz. „Zurzeit arbeite ich mit Mangrovenholz, das ist so hart, dass die Funken geflogen sind“, erzählt er begeistert. Sein Material, das Holz, sammele er das ganze Jahr über, bekomme es von Freunden gebracht oder werde auch von Förstern oder bekannten Schreinern auf besondere Stücke aufmerksam gemacht. Etwa zehn Tage brauche er für ein großes Werk, dabei arbeite er zunächst die Form grob mit der Kettensäge heraus, wechsele dann zum Stemmeisen über, bis er schließlich den Feinschliff mit Schleifpapier vornehme. „Da ist es gut, dass einer meiner vier gelernten Berufe Tischler ist.“ Menzer lacht. Für seine Ausstellung erhofft sich der vielseitige Künstler regen Zulauf. Bis Freitag (28.) können seine Kunstwerke bestaunt werden.

Quelle: op-online.de

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