Alice Hoffmann im Interview

Das krasse Gegenteil von Hilde

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Alice Hoffmann, vor allem bekannt als „es Hilde“ aus der Becker-Familie, kommt mit Soloprogramm nach Münster.

Münster - Am 17. November kommt Alice Hoffmann, vor allem bekannt als Hilde in der Serie „Familie Heinz Becker“, mit ihrem Soloprogramm „Die Zeichen der Zeit“ in die Kulturhalle Münster.

Im Interview mit Meike Mittmeyer-Riehl verrät sie, warum sie im echten Leben das krasse Gegenteil von Hilde ist, wie sie ihre wohl berühmteste Rolle weiterentwickelt hat und wie sie – neben sechs anderen Fremdsprachen – Hessisch gelernt hat.

Zuschauer kennen Sie vor allem noch als Hilde Becker aus „Familie Heinz Becker“. Wenn man so sehr mit einer Figur identifiziert wird, steckt da ein bisschen was von Hilde auch in Ihnen?

Hilde Becker lebt in dieser Serie ja als die auf den Haushalt beschränkte, naive, aber sehr liebevolle Mami. Und sicher, ein Schauspieler versucht immer, mit seinen eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten, einen Charakter darzustellen. Eine der Fähigkeiten ist es, sich in andere reinzudenken. Natürlich steckt etwas von mir in Hilde und umgekehrt – aber in diesem Fall sehr wenig.

Das heißt, in Wirklichkeit sind Sie eher das Gegenteil von Spießigkeit und Kleinbürgertum?

Ja, ich bin sogar der krasseste Gegensatz. Ich bin so eine esoterische Alt-68er Hippie-Tante.

1995 haben sich die Beckers gewissermaßen getrennt, Sie sind aus der Serie ausgeschieden und Gerd Dudenhöfer alias Heinz hat sich eine neue Hilde gesucht. Ganz losgelassen hat Hilde Sie aber nicht.

Ich habe mir überlegt, was würde denn im wirklichen Leben aus so einer Frau werden, die mit Mitte 50 von ihrem Mann verlassen wird? Die jetzt plötzlich da steht und vielleicht sogar wieder berufstätig werden muss, etwas, das sie 30 Jahre nicht gemacht hat? Daraus ist eine neue Figur entstanden, die anfängt, sich darüber Gedanken zu machen. „Wisse Se, wenn man kee Mann mehr hat, kommt mer halt zum Denke.“

Um aktuelle, auch politische Themen geht es ja auch in Ihrem neuen Programm „Zeichen der Zeit“.

Genau. Die Hausfrau, die ich in dem Stück verkörpere, macht sich vor allem um eine Frage Gedanken, die in letzter Zeit so oft gestellt wird: Gehört der Islam zu Deutschland? Sie überlegt sich: Wie war es denn bei uns vor 50 Jahren? Und kommt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass wir Frauen vor 50 Jahren hier in unserem Staat beinahe genauso unterdrückt waren, wie wir das heute den Moslems vorwerfen. Das Programm ist ein Mix aus den Zeichen der Zeit, die man persönlich erlebt – ich werde älter, ich kriege Falten, ich habe Probleme mit dem Älterwerden, ich habe Angst vor dem Tod – aber auch mit den allgemeinen Zeichen der Zeit der Gesellschaft, also Fragen rund um den Islam und das Erstarken der rechten Bewegung.

Zu ernst und politisch wird’s aber nicht?

Nein, keine Angst, man kann lachen von vorne bis hinten.

Sie sprechen natürlich fließend Saarländisch, aber auch noch sechs andere Fremdsprachen. Sind Sie ein Sprachen-Freak?

Nein, die Fremdsprachen haben sich aus meinem Leben ergeben. Meine erste große Liebe war Italiener, ich habe drei Monate in Italien gewohnt und Italienisch gelernt. Aber auch nicht so gut, dass ich die große italienische Literatur übersetzen könnte, sondern eher so für Bett und Küche. Meine Mutter stammt aus Frankreich, meine Schwester lebt seit 40 Jahren dort und ich habe mal mit einer senegalesischen Theatergruppe gearbeitet, Französisch war dann irgendwie auch drin. Englisch habe ich zum Teil in der Schule gelernt, zum Teil war es nötig, als ich meinen israelischen Mann kennengelernt habe. Da haben wir zunächst nur Englisch gesprochen. Dadurch, dass sich dann aber Familie in Israel auftat, war es nötig, Hebräisch zu lernen. Und die Wurzeln der Familie sind in Holland, da wurde auch ganz viel Niederländisch gesprochen, das habe ich auch so nebenbei mitgenommen. Und aus Spanien kommen auch Teile der Familie.

Bald kommen Sie zu uns nach Südhessen. Können Sie denn auch Hessisch?

Sischer. Ich habe mit meiner hessischen Freundin Bettina Koch zusammen ja ein Kabarett-Programm, „Knete, Kerle, Karma“, wir arbeiten jetzt auch an einem neuen Programm. Von ihr habe ich das übernommen. Wie sagt sie immer? „Verstehn Se misch eigentlisch, wenn isch spresch, oder verstehn Se nur den Dialekt von de annere? Mir Hesse sin ja Schlappmäuler. Mir sache net ‚Der Mann sieht net gut‘, mir sache ‚Des is a scheeler Hund‘.“ Wenn man aus Nordrhein-Westfalen kommt, klingen eigentlich diese ganzen Dialekte gleich – ich habe früher keinen Unterschied gehört. Aber jetzt verstehe ich die Unterschiede und kann sie natürlich auch anwenden.

Infos und Karten: Alice Hoffmann kommt mit ihrem Programm „Die Zeichen der Zeit“ am Freitag, 17. November in die Kulturhalle Münster, Friedrich-Ebert-Straße 73. Beginn der Veranstaltung ist um 20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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