Viel Raum für Interpretationen bei Anschuldigungen

Kreistierheim bald wieder in ruhigerem Fahrwasser

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Nahmen sich zweieinhalb Stunden Zeit für die Aussprache: der Vorstand des Kreistierheims Friedhelm Saal (von links), Walter Blank, Carsten Helfmann und Jens Pfeiffer.

Münster - Das Kreistierheim in Münster könnte bald wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten: Bei einer Aussprache im Rathaus Eppertshausen tauschten sich der Tierheim-Vorstand  sehr konstruktiv mit Tierfreunden und ehemaligen Mitarbeitern aus. Von Jens Dörr

Trotz eines teilweise auch recht emotionalen Gesprächs stand an dessen Ende zumindest der ein oder andere kleinere Kompromiss. Was die Wogen in erster Linie etwas glättete: Die Tierfreunde, zu denen sich an diesem Tag auch der Groß-Umstädter Katzenschützer Hans-Jürgen Hallmann gesellt hatte, rückten von ihrer ursprünglichen Maximalforderung – der Entlassung von Tierheim-Leiterin Ursula Schuster – ab. Auch war man sich letztlich darüber einig, dass ein Ping-Pong-Spiel an Vorwürfen über die Presse künftig ausbleiben solle.

„Man werde den Vorwürfen nachgehen“

Das Einschalten unserer Zeitung sei allerdings notwendig gewesen, um die Diskussion in die Öffentlichkeit zu bringen, sagten die Tierschützer auch. Münsters Bürgermeister Blank sicherte in seiner Funktion als Vorsitzender des Trägervereins darüber hinaus zu, man werde den Vorwürfen „selbstverständlich im Rahmen unserer Möglichkeiten nachgehen“.

Das betrifft unter anderem den Umgang Ursula Schusters, die selbst nicht am Gespräch teilnahm (Saal: „Sie ist uns als Vorstand Rechenschaft schuldig, nicht aber Ihnen“), mit Tieren und Mitarbeitern. Hier konnten die Tierschützer das Gros der Anschuldigungen weder wasserdicht beweisen, noch der Vorstand diese in Schusters Namen widerlegen.

Fehlverhalten ziemlich interpretationsfähig

Deutlich wurde auch, dass manch scheinbares Fehlverhalten ziemlich interpretationsfähig ist: Ob der Kauf von Kräppeln und Kaffee für die meist ehrenamtlichen Helfer aus der Futterspenden-Kasse und in einer Größenordnung von 20 Euro bei einem Münsterer Bäcker eine „Unterschlagung“ darstellt, ist dafür ein Beispiel.

Saal als Rechner des Trägervereins, der das Tierheim unter anderem aus Steuergeldern – 52 Cent pro Jahr und Einwohner der Mitgliedskommunen – finanziell ausstattet, betonte aber: „Die Kasse stimmt, ich kontrolliere genau.“ Es war also wohl so, dass entnommenes Geld später stets wieder eingezahlt wurde.

Die Tierschützer Hans-Jürgen Hallmann (vorne), Johannes Mertz (hinten von links), Sylvia Scholz, Bettina Mertz und Kirsten Schröder rückten von ihrer Forderung – der Entlassung von Leiterin Ursula Schuster – ab.

Verschiedene Reaktionen lässt gewiss auch die Vorstandsmeinung zu, dass es durchaus duldbar sei, wenn die Leiterin „mal für 50 Euro Futter, das kurz vor dem Ablaufen steht, für ihre private Zucht“ mitnehme, während sie von ihren zig Überstunden bislang niemals eine in Rechnung gestellt habe.

„Der Lauf der Zeit wird es bringen“, meinte für die Tierschützer letztlich Scholz und spielte damit auf die Zusicherungen des Vorstands an, auf Leiterin Ursula Schuster könne man vertrauen und das Kreistierheim sei eine gute Anlaufstelle für Vierbeiner und alte wie neue Herrchen. Unabhängig davon klären zwei Ex-Mitarbeiterinnen das angebliche Mobbing von Schuster demnächst separat mit Anwalt.

Das Wohl der Tiere wichtigstes Anliegen

Bereits einige Tage vor der Aussprache hatte derweil Carl-Heinz Kündiger vom Tierschutzverein Münster den Brief mit den Vorwürfen an die Staatsanwaltschaft in Darmstadt übermittelt. „Mir geht es unter anderem um die Prüfung eventueller Verstöße gegen das Tierschutz-Gesetz“, so Kündiger. Wie am Montag auch die Tierfreunde im Eppertshäuser Rathaus stellte Kündiger heraus, dass es ihm in keiner Weise um einen „persönlichen Rachefeldzug“ gehe, sondern einzig um das Wohl der Tiere in Münster.

Vorerst ist jedoch ausschließlich Fakt: Im Kreistierheim Münster gibt es keine personellen Konsequenzen. Dennoch wird die Situation um Ursula Schuster mit Argusaugen beobachtet werden. Schon allein dieser Umstand dürfte zu einem korrekten Arbeiten in der Munastraße beitragen.

Quelle: op-online.de

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