Power-Kabarettistin Rena Schwarz in der Kulturhalle

Eher einzigartig, nicht übrig

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Erfolgreiche Verpflichtung: Der SV Münster holte die Kabarettistin Rena Schwarz in die Kulturhalle, die sich nicht wirklich übrig fühlte...

Münster - „Ich suche einen Mann mit Fähigkeiten: für den Haushalt, Müll raustragen oder die Putzfrau anrufen. “ Rena Schwarz weiß, was sie will. Zwar ist sie Single im mittleren Alter, was aber nicht heißt, dass sie als gestandene Frau keine Ansprüche hat. Von Michael Just

Am Freitagabend war die Kabarettistin in der Münsterer Kulturhalle mit ihrem aktuellen Programm „Jung? Attraktiv...und übrig“ zu Gast. Darin geht es um die Höhen und Tiefen des Single-Daseins. Eingeladen hatte der SV Münster, der sich seit geraumer Zeit einmal im Jahr als Veranstalter in der Comedy-Szene versucht. Und das mit Erfolg: Auch diesmal füllten über 200 Personen die Halle.

„Wir wollen uns damit eine weitere Einnahmequelle erschließen“, sagt Jürgen Hotz, seines Zeichens „Event-Manager“ und einer der Macher für Veranstaltungen beim SV. Auf dem Mäusberg weiß man, wie’s geht: So saß das Publikum an Tischen, damit beim Comedy-Spaß auch gegessen und getrunken werden konnte. In seiner Begrüßung sagte SV-Vorsitzender Martin Peusser, dass das Programm passt: „Singles gibt es auch in Münster sehr viele. Mal sehen, ob die Rena hier jemand findet.“

Traummann fast wie der Weihnachtsmann

Die Comedy-Frau aus dem Spessart legte gleich mächtig los: Ihr erster Gang führte sofort ins Publikum, um zu schauen, wer da für sie in Frage komme. „Deine Hand ist wie ein Fisch“, sagte sie beim ersten Kontakt mit Bernd. Bei einem anderen Gast musste sie feststellen, dass der seine Partnerin dabei hatte und die beiden verheiratet sind. Mit den Worten: „Wie lange müsst ihr noch?“, wollte Schwarz wissen, ob es schon kriselt. Als rauskam, dass das Paar auch kirchlich verheiratet ist, sah sie ein, dass die beiden aus der Nummer so leicht nicht mehr rauskommen.

Kurz darauf folgte einer der wichtigsten Erkenntnisse des Abends: „Mit dem Traummann ist’s wie mit dem Weihnachtsmann: Wir alle warten auf ihn, aber keiner hat ihn jemals gesehen“. So schraubte Schwarz ihr Anforderungsprofil („Säugetier, sonst keine Ansprüche mehr“) zurück.

Wie sie kurz darauf erzählte, habe sie schon vieles versucht, um den „FLAP“ (Finalen Lebens-Abschnitts-Partner) zu finden. So wäre sie schon vergeblich im Fitness-Studio, bei der Feuerwehr, im Baumarkt oder bei der Armee gewesen. Völlig aussichtslos habe sich die Situation in der Kneipe beim Fußballgucken gezeigt: „Wenn du nackt auf der Theke liegst, kommen die Männer und stellen Spielzüge auf deinem Rücken mit Erdnüssen nach.“

Singledasein nur eine Rolle?

Mit der Verpflichtung von Rena Schwarz hatte der SV alles richtig gemacht: Die starke, wortgewandte Frau sorgte mit ihrer Realsatire durchweg für Lacher. Mit viel frechem Charme gab sich die gebürtige Westfalin seufzend bedauernswert und manchmal auch richtig böse („Ab einem gewissen Alter entstehen neue Bekanntschaften beim Gießen auf dem Friedhof“). Ihre ehrliche Selbstironie machte sie beim Publikum sympathisch und authentisch zugleich. Nicht wenige Zuschauer dürften nach dem Auftritt noch lange gerätselt haben, ob sie die Rolle des Singles nur vortrefflich spielt hat, oder ob autobiografische Züge vorliegen. Wie auch immer, die Besucher in Münster erlebten eine Rena Schwarz in Bestform, deren weitere Stärke die improvisierte Interaktion mit dem Publikum war. So waren Jogi, Bernd, Konstantin, Jürgen und Sabine unentwegt ins Programm eingebunden.

Fast zwei Stunden philosophierte Schwarz über die Liebe, den Unterschied zwischen Mann und Frau, Ü-30-Partys oder ungeliebte Familienfeste, auf denen ihr die Tanten immer wieder sagen, dass es in ihrem Fall selbst für Spätgebärende zu spät ist. Zum Schluss freundete sich Schwarz mit ihrer Situation an: „Ich fühle mich nicht übrig, eher einzigartig.“ Wichtig sei immer, sich selbst zu lieben. Dann habe man stets einen zuverlässigen Partner an seiner Seite. Und als Frau sterbe die Hoffnung ohnehin zuletzt: „Schließlich ist das Weib das einzige Wild, das dem Jäger auflauert.“

Quelle: op-online.de

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