„Spectaculum“ studiert neues Stück ein

Flotter, frecher und lustiger

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Spectaculum, die Laienspielgruppe des evangelischen Kindergartens, inszeniert ein Stück aus ihren Anfangsjahren neu. Altes Stück im neuen Gewand: Spectaculum wagt sich an das himmlische Schauspiel aus ihren Anfangsjahren heran.

Münster - Abends um 20.30 Uhr im evangelischen Kindergarten am Walter-Kolb-Platz. Aus den Fenstern des Bewegungsraumes dringt noch Licht. Und Krach. Ein munteres Stimmengewirr ist zu vernehmen, doch stammt es nicht von Kindlein, die abzuholen die Eltern etwa vergaßen. Von Thomas Meier 

Dazu passte auch nicht der Klang von aneinandergestoßener Schnapsgläser. Reifer sind die eindeutig weiblichen Stimmen. , die mal schnatternd, mal rezitierend zu vernehmen sind. Hier sind aber weder zechende Einbrecherinnen noch andere Unholde am Werk. Ursache des Spektakels zu ungewohnter Zeit sind vielmehr „Himmlische Schlingel“. So heißt das neue Stück, das die Theatergruppe „Spectaculum“ derzeit intensiv einstudiert, um es am 14. und 15. November jeweils ab 20 Uhr in Münsters Kulturhalle aufzuführen.

Nach reiflicher Überlegung hat sich die Laienspieltruppe im 19. Jahr ihres Bestehens dafür entschieden, ein Stück aus ihren Anfangsjahren, geschrieben von Hub Fober, neu zu inszenieren, um es ihrem Stammpublikum und weiteren Interessierten in frischem Gewand zu präsentieren.

Männerrollen werden von Frauen verkörpert

Ursprünglich von den beiden Erzieherinnen Brigitte Wagner und Jasmin Weber sowie den beiden Mitstreiterinnen Inge Fiedler und Christiane Otten gegründet, um zu einem Sommerfest des Kindergartens ein Theaterspiel aufzuführen, hat sich ein festes und wahrlich eingespieltes Team zusammen gefunden. Seit fast zwei Jahrzehnten wird bei Spectaculum jährlich ein neues Stück geprobt und aufgeführt.

Dass jetzt mit den „Himmlischen Schlingeln“ eine Komödie fröhliche Urständ feiert, die von dem 15-köpfigen Ensemble mit acht Darstellerinnen, Souffleuse und etlichen Helfern bereits 2 000 aufgeführt wurde, hat gleich mehrere Gründe, wie Inge Fiedler erläutert: „Die Entscheidung fiel leicht, da in der Vergangenheit immer wieder von Besuchern nach diesem Stück gefragt wurde und wir wissen, wie begeistert damals das Publikum war.“ Brigitte Wagner ergänzt: „An der Neuinszenierung können wir Darsteller jetzt erkennen, wie wir auch eine Entwicklung durchlaufen haben. Es ist nicht etwa so, dass wir nur zu faul waren, etwas Neues einzustudieren. Den Text von damals hatte wohl keiner mehr im Kopf.“ Außerdem hat bis auf eine Schauspielerin keine mehr ihre alte Rolle. Alles wurde neu gemischt. Nur Brigitte Wagner spielt wieder den Alfons Weber, einen sehr dem Alkohol zugetanen Hausherren: „Aber anders als damals. Flotter, frecher, lustiger.“

Womit eine Besonderheit der Theaterriege offenbart wird: Auch schon im 19. Jahr der Schauspielerei werden die Männerrollen von Frauen verkörpert. Die Männer, die sehr wohl bei Spectaculum auch eine Rolle spielen, haben ihre jedoch außerhalb der Bühne inne: als Bedienungen, Kulissenschieber, Plakatekleber und bei ähnlichen Diensten. „Schauspielern müssen sie nicht“, lacht Dorle Schreiber.

Geprobt wird immer Mittwochs von 20 bis 22 Uhr

Doch fürs moderne Bühnenbild oder neue Requisiten zeichnen auch diese dienstbaren Geister durchaus verantwortlich.

Das Ensemble zählt sich dem evangelischen Kindergarten zugehörig, nutzt dort die Probenmöglichkeit und die Verbindung zur evangelischen Kirche, über die man „etwas günstiger“ zur Nutzung der Kulturhalle kommt. Doch sind auch Katholiken unter den Akteuren, das sieht man alles nicht so eng.

Seit Mai wird geprobt, immer mittwochs von 20 bis 22 Uhr. Mit Ende der Sommerferien wurden zwei wöchentliche Termine anberaumt, ein Probenwochenende wird noch eingeschoben und die Woche vor der ersten Aufführung ist jeden Abend in der Kulturhalle Vorbereitung auf den großen Auftritt. Wie viele Stunden vor den beiden zweistündigen Aufführungen von jedem einzelnen Mitwirkenden investiert wurden – niemand vermag dies zu sagen.

Lohn der Mühen ist seit vielen Jahren stets ein „saugut gefüllter Saal“, wie es Dorle Schreiber drastisch, aber treffend ausdrückt. Einst spielte die Truppe, die sich nicht nur aus Münsterern, sondern auch Dieburgern, Groß-Zimm’nern und Radheimern zusammensetzt, in der TV-Halle Münster und der Dieburger Ludwigshall’. Doch längst ist die Kulturhalle ihre feine Bühne.

Karten für die beiden Aufführungen gibt es in Münster bei Schreibwaren Niggeling, Darmstädter Straße 6, und in der Metzgerei Frühwein, Frankfurter Straße 27; in Dieburg beim Dieburger Anzeiger, Mühlgasse 3, sowie in der Bücherinsel, Markt 7. Die Karten kosten sieben Euro im Vorverkauf, acht Euro an der Abendkasse.

Übrigens: Einen Teil der Theatererlöse spendet die Truppe traditionell. So übergab sie erst kürzlich 500 Euro an Eppertshausens Pfarrer Harald Christian Röper für ein Waisenhaus in Rumänien.

Quelle: op-online.de

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