Kunst gegen Frust im Frauenhaus

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Künstlerinnen gesucht: Sozialarbeiterin Dagmar Zumpe zeigt einen der Räume, die es neu zu gestalten gilt.

Münster - Viele Frauen, die in ihrer Partnerschaft Gewalt erlebt haben und in ein Schutzhaus flüchten müssen, haben oft Hals über Kopf ihre Wohnung verlassen und können deshalb nicht viele persönliche Dinge mitnehmen.

Umso wichtiger ist es, im Frauenhaus eine Atmosphäre zu schaffen, in der die misshandelten Frauen und deren Kinder zur Ruhe kommen und sich beschützt und geborgen fühlen. Dafür soll jetzt etwas Kreatives getan werden.

„Wir möchten unsere Räume künstlerisch neu gestalten“, berichtet Dr. Constance Ohms, Geschäftsführerin von „Frauen helfen Frauen“ in Dieburg. Für das Frauenhaus in Münster, dessen Ort zum Schutz der Betroffenen bewusst geheim gehalten wird, hat man deshalb eine Art Kreativ-Wettbewerb initiiert. So sollen die Wohneinheiten aus professioneller Hand Schritt für Schritt umgestaltet werden.

Den Verantwortlichen schwebt vor, dass in jedem Raum ein Thema verwirklicht wird. Aufgerufen sind Künstlerinnen aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, ihre Entwürfe in der Geschäftsstelle bis Ende Mai einzureichen. Da es sich um ein Frauenhaus handelt, sind auch ausschließlich Künstlerinnen gefragt.

Schutzhaus hat insgesamt zwölf Wohneinheiten

Das Schutzhaus hat insgesamt zwölf Wohneinheiten von 15 bis 25 Quadratmetern Fläche. Wichtig ist, dass die Kinder- oder Stockbetten in die thematischen Konzepte integriert werden. Dazu muss jede Einheit eine Leseecke aufweisen. Die Kunst darf weder konfessionelle, politische noch pornografische Aussagen enthalten.

Vor jedem Raum wird eine Tafel angebracht, auf der das Thema und die Künstlerin benannt sind. Aufgrund der eingeschränkten Fördermittel gibt es einen finanziellen Rahmen für das Projekt. Das Maximum pro Arbeit und Raum beträgt 1 000 Euro, je nach Größe und Konzept kann es etwas mehr oder weniger sein. Darin enthalten sind die Kosten für Anschaffungen wie Möbel, Gardinen, Bilderrahmen sowie für Farbe und andere Maßnahmen. Die Fahrtkosten sind ebenfalls integriert. Wichtig für die Umsetzung ist, dass nur dann gearbeitet werden kann, wenn die Wohneinheiten frei sind. Das heißt, der Beginn der Gestaltung hängt im Wesentlichen von der Belegung im Schutzhaus ab. Derzeit zeigen sich das Haus in Münster wie auch die anderen Einrichtungen im Kreis allerdings als gut gefüllt. Diese Woche kamen in Münster bereits zwei neue Frauen hinzu.

Die schönsten und praktikabelsten Entwürfe

Die schönsten und praktikabelsten Entwürfe werden Ende Mai ausgewählt und in der Folge von den Künstlerinnen zusammen mit den Bewohnerinnen umgesetzt. „Für unser Projekt ist vor allem ehrenamtliches Engagement gefordert“, sagt Ohms und weist darauf hin, dass die Künstlerinnen ihre Arbeitszeit ehrenamtlich einbringen.

Für die drei besten Umsetzungen winkt aber eine Prämie. So wählt eine Jury, die aus bekannten Persönlichkeiten des Landkreises und den Bewohnerinnen des Schutzhauses besteht, Anfang 2014 die drei schönsten Zimmer aus.

Derzeit zeigen sich dort noch viele Räume als karg und offenbaren große, weiße Flächen. Nur vereinzelt findet sich mal ein kleiner, meist eher unscheinbarer Kunstdruck an der Wand. Wohnlich wird es immer dann, wenn die misshandelten Frauen selbst etwas mitbringen. Das ist aber meist nicht der Fall, weil die Bewohnerinnen in der Regel unverhofft und unvorbereitet hierherkommen.

„Das Fehlen persönlicher Dinge macht es den Betroffenen schwer, hier zur Ruhe zu finden“, weiß Ohms. So zeigt sie sich äußerst zuversichtlich, dass die zukünftigen thematisch gestalteten Wohneinheiten das ändern und ihren Bewohnerinnen reichlich Kraft für ihren neuen Lebensabschnitt geben.

Kontakt: Frauen helfen Frauen DaDi, Geschäftsstelle: Rheingaustraße 21, 64807 Dieburg, Tel.: 06071/2089829 oder 06071/2089830.

mj

Quelle: op-online.de

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